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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

138 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1893. 
unpassend erscheinen lassen, wenn wir hier an der Hand neuerer physikalischer 
Arbeiten etwas näher auf denselben eingehen. 
Die gemeinschaftliche Grenzfläche zweier Flüssigkeiten 1 und 2 hat das 
Bestreben, möglichst klein zu werden. Die Kraft, welche dabei in der gemein- 
schaftlichen Grenze wirkt, nennt man die Oberflächenspannung &«x,, der gemein- 
samen Grenzfläche. Sie bedingt es u. A., daß Tropfen und Blasen („negative 
Tropfen“) sich der Kugelform so weit nähern, wie es die übrigen einwirkenden 
Kräfte gestatten; denn von allen mathematischen Körpern bietet die Kugel die 
kleinste Oberfläche für einen gegebenen Rauminhalt, wie der Kreis die kürzeste 
Umspannung einer gegebenen Fläche ist. Auf das Wesen dieser Kraft einzu- 
gehen, liegt hier keine Veranlassung vor. Genug, dafs sie überall, wo nur 
Flüssigkeiten, keine festen Körper, in Betracht kommen, völlig so wirkt, als ob 
die Grenzfläche der Flüssigkeit eine gespannte elastische Haut sei, etwa eine 
Kautschuk-Membran, deren Theilchen aber die Eigenschaft der Flüssigkeiten, 
die. freie Beweglichkeit nach allen Seiten, behalten, so dafs die Haut nicht wie 
eine feste Haut Falten wirft bei einseitigem Zug. 
Liegt nun (vgl. Fig. 2) auf der Flüssigkeit-1 ein Tropfen einer Flüssig- 
keit 2, während Luft oder eine dritte Flüssigkeit 3. sich darüber befindet, so 
3 
f 
‚X23 
8 
N 
2 
ıp 
Fig. 2. 
sucht jede der Oberflächen sich möglichst zusammenzuziehen; wenn aber die 
Kraft x, größer ist, als x, , + «23, So kann der Tropfen nicht bestehen, sondern 
er wird durch die Spannung der freien Oberfläche von 1 allseitig auseinander- 
gezogen.!) ; 
Folgendes sind die Größen der Oberflächenspannung für Wasser und einige 
Oele nach Quinckes Bestimmungen (vgl. Wied. Ann. 35, S. 561, 1888). Die 
Zahlen geben, wenn man sie mit 9,81 multiplizirt, die Energie im CGS-System an, 
welche erforderlich ist, um die Grenzfläche der Flüssigkeit um 1qem zu ver- 
gröfsern. Zum Vergleich sind Quecksilber (ebenda, S. 576), Alkohol und Seifen- 
wasser hinzugefügt; bei Letzterem ist es, wie man sicht, ziemlich gleichgültig, 
ob viel oder wenig (selbst nur eine Spur) Seife darin enthalten ist. Für alle 
diese Flüssigkeiten gelten diese Werthe nur bei möglichst reinem Zustande ihrer 
Oberfläche. Namentlich die grofse Spannung der Oberflächen von Quecksilber 
und Wasser wird durch die geringste Verunreinigung auf denselben so vermindert, 
dafs es schwer ist, absolut gültige Werthe für diese Flüssigkeiten festzustellen. 
Dagegen haben gelöste krystallinische Stoffe, wie Salz, Zucker, keine sehr grofse 
Wirkung auf die Oberflächenspannung des betreffenden Wassers. 
Quecksilber 
Wasser?) 
Petroleum („Steinöl“) 
Olivenöl) 
Mandelöl 
Rieinusöl 
Benzol 
Ransöl 
« mit Luft « mit Wasser 
46 bis 55 
8 bis 8,5 
3,23 
3,76 
3,52 
3,83 
3,12 
334 
42 
0 
3,83 
2,10 
2,07 
1,62 
1,97 
1.70 
Summa 
8,25) 
7,06 
5,86 
5,09 
5,45 
5,09 
504 
1) Die Grenzfläche einer Flüssigkeit gegen ein Gas wird als „freie Oberfläche“ bezeichnet, 
weil kein merkbarer Unterschied in der Spannung sich zeigt, wenn das Gas thunlichst entfernt wird. 
Die Erklärung der Ausbreitung des Oeltropfens auf dem Wasser als Auseinanderzerrung des- 
selben durch die gröfsere Spannung der umgebenden Wasseroberfläche scheint zuerst von Marangoni, 
Pogg. Ann, 143, S. 339 (1871) gegeben zu sein. 
2) Von anderen Autoren meist zu 7,5 oder 7,4 angegeben. 
3) Nach Quincke zeigen fette Oele, wenn sie ranzig geworden sind, ein kleineres & mit Wasser.
	        
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