accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Köppen: Verhalten der Oele und Seifen auf Wasseroberflächen. ‘135 
Brechern, auf der geölten Seite rund und glatt, nur in nächster Nähe sah man 
hier und da einige Riefen. In der Länge war ein Unterschied nicht erkennbar, 
in der Höhe auch nur insofern, als sich einzelne höhere Stellen der Wellen- 
kämme auf der ungeölten Fläche über die Wellenköpfe des geölten Theils erhoben, 
während in Letzteren die Höhenunterschiede innerhalb eines Wellenzugs viel 
geringer waren. Das ganze Phänomen ist übrigens vom Ufer aus, wenn man 
sich den günstigsten Standpunkt aufsuchen kann, besser wahrzunehmen als vom 
Schiffe aus, wo man von der augenblicklichen Beleuchtung abhängt. 
Aus diesen Beobachtungen und den vorhandenen Beschreibungen zieht 
Herr Grofsmann das Ergebnifs, „dafs dem Oele die wunderbare Kraft inne- 
wohnt, die Form der Wellen zu verändern“. XNäher spricht er sich hierüber 
auf S. 95 bis 97 seiner Schrift aus. Er meint, die Bahnen der Wassertheilchen 
in der Welle würden beim Eintritt der Welle in die geölte Fläche aus Kreisen 
zu langgestreckten Ellipsen. „W in Fig. 1 sei eine kleine. Welle; dieselbe sei im 
Oeldecke 
Fig, 1. 
Begriffe, in der Richtung des Pfeils s vorzurücken, die geölte Fläche beginne 
bei @... Die Welle läuft bei ihrem Weiterschreiten in der geölten Fläche 
unter einem kleineren Winkel gegen das Niveau des Wassers an. Da nun die 
yanze Masse der Welle unter der Oeldecke Platz finden mufs, weil sie infolge 
ihrer lebendigen Kraft am Weiterschreiten nicht gehindert werden und kein 
Theil derselben aufserhalb der Oeldecke zurückbleiben kann, so folgt daraus, 
daß sie unter der Oeldecke die gestreckte Form abe annehmen mufßfs. Es könnte 
auffallen, dafs nur die kleinen Wellen durch die Spannung der geölten Wasser- 
Aäche gestreckt werden, die gröfseren Wellen aber nicht.) Dieser Umstand 
kann nicht weiter überraschen, wenn berücksichtigt wird, dafs der Widerstand 
der geölten Wasserfläche bei der geringen lebendigen Kraft, welche in einem 
mit kleinen Wellen bedeckten Wasser vorhanden ist, sich in viel wirksamerer 
Weise bemerkbar machen mufs ‚als beim Vorhandensein von größeren Wellen, 
in welchen eine lebendige Kraft von der hundert-, ja tausendfachen Gröfse auf- 
gespeichert ist.‘ 
Mit dieser Wirkung des Oeles auf die kleinen sekundären Wellen hängt 
nach dem Verfasser auch die praktisch wichtigste Wirkung des Oeles, die 
Abstumpfung der Kämme der grofsen Wellen, die Verhinderung der Brecher, 
zusammen. Er schildert nämlich das Verhältnifs der grofsen zu den kleinen 
Wellen in folgender Weise (S. 82): „Die Geschwindigkeit, mit der sich die Haupt- 
welle weiterbewegt, ist größer als jene der sekundären Wellen, die Letzteren 
bleiben daher bei ihrem Fortschreiten gegen die Hauptwelle zurück, was zur 
Folge hat, dafs die sekundären Wellen auf der Hauptwelle zurücklaufen, also 
sich scheinbar gegen den Wind bewegen. Die sekundären Wellen bewegen sich 
also von dem unteren gegen den oberen Scheitel der Welle, wachsen infolge 
des ‚spitzen Winkels, unter dem der Wind hier einfällt, an, erzeugen, am Scheitel 
angelangt, den Wellenkamm und bewegen sich auf der dem Winde zugekehrten 
Seite der Welle weiter, erscheinen aber hier, weil sie vom Winde niedergedrückt 
i) Auf S, 127 eitirt indessen Herr Grofsmann eine noch weitergehende Angabe des Kapitäns 
Fondacaro, der die 3000 Sm lange Reise von Montevideo nach Gibraltar in dem nur 8 m langen 
Boote „Leone di Caprera“ in 102 Tagen gemacht hat und bei Seegang stets Oel (jedoch nicht mehr 
als 8 ] in 24 Stunden) benutzt hat. Indem Fondacaro davon spricht, wie das Oel die Mähnen der 
Wellen abrasirt und ihnen ihre verheerende Wirkung genommen habe, erklärt er, durch das Oel 
seien die brandenden Wogen (also doch wohl die grofsen?) in lange Wellen verwandelt worden, 
welche unter dem Kahne durchgingen, ohne ihm zu schaden. Ob aber Fondacaro hierbei wirklich 
eine Zunahme in der Länge der ganzen Welle, oder nur eine solche in der Länzxe des Berges 
meint, bleibt ungewifs.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.