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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1893,
Verhalten der Oele und Seifen auf Wasseroberflächen und Rolle
der Oberflächenspannung bei Beruhigung der Wellen.
Von Dr. W. KÖPPEN.
Veranlassung zu den in den folgenden Zeilen niedergelegten Betrachtungen
und Beobachtungen hat das Erscheinen einer Schrift gegeben, deren Besprechung
wir deshalb vorausschicken wollen.
Der Titel der Schrift ist: Josef Grofsmann, Ober-Ingenieur, Die Bekämpfung
der Sturzwellen durch Oel und ihre Bedeutung für die Schiffahrt (Wien, bei
C. Gerold’s Sohn, 1892, 140 S. 8%. Dieselbe behandelt nacheinander: Geschichte
der Anwendung des Oeles; ältere und neuere Versuche, eine Erklärung des
Phänomens zu geben; Beschreibungen des Phänomens; eigene Beobachtungen;
die Wellenbewegung; die Oberflächenspannung als Ursache der wellenberuhigenden
Wirkung des Oeles; der relative Werth der verschiedenen Oelsorten. Auf eine
Wiedergabe der zahlreichen Berichte von Seeleuten aus neuerer Zeit verzichtet
der Verfasser. Dieselben sind in der That in diesen Annalen, in den Pilot
Charts des Washingtoner Hydrographie Office und in den bekannten Preisschriften
jer Herren Rottok (Die Beruhigung der Wellen durch Oel, Berlin 1888)
ınd Karlowa (Die Verwendung von Oel zur Beruhigung der Wellen, Hamburg
1888) leicht genug zugänglich gemacht. Eine Zusammenstellung vieler Berichte
and Auszüge aus der wissenschaftlichen Literatur über den Gegenstand findet
man auch in der Zeitschrift „Das Wetter“, Heft 11 von 1892 und folgende.
Wir wenden uns zuvörderst den eigenen Versuchen des Herrn Grofsmann
zu, welche er auf der Donau und dem Bodensee anstellte,
Beim ersten Versuche wurden etwa 50 ccm gereinigtes Rüböl an mehreren,
atwa 20m voneinander entfernten Stellen ausgegossen, wodurch sich in einer
Viertelstunde eine Fläche von etwa 15000 qm mit einer Oelhaut bedeckte. Es
wehte mäfiger Südwind, und an den ölfreien Stellen war die Fläche mit kleinen
Wellen bedeckt. Auf der geölten Strecke wurde das Wasser glatt und spiegelnd,
bei genauerem Zuschauen konnten jedoch auch hier Wellen erkannt werden,
welche aber viel länger, etwa 3 bis 5 mal so lang waren als auf der ungeölten.
Ob die Wellen auf der geölten Fläche niedriger waren, konnte nicht durch
Messung bestimmt werden, der Schätzung nach waren sie es entschieden. Der
Verfasser bemerkt, dafs auch dort, wo ruhige Wasserstellen durch Bodenreibung
und Wasserpflanzen entstehen, ebenfalls die Wellen, sobald sie in die Nähe jener
Orte kommen, sich plötzlich verlängern,
Bin zweiter Versuch wurde an einer andern, tieferen Stelle der Donau
bei heftigem Westwind vorgenommen. Diesmal erschien das Wasser vor dem
Oelen nicht blofs gefurcht wie das erste Mal, sondern es warf kräftige Wellen,
deren Länge 1,5 bis 1,8 m bei 10 bis 15cm Höhe sein mochte und welche mit
einer Menge kleiner Wellen bedeckt waren; ihre Köpfe waren zugespitzt und
schaumbedeckt. Etwa 10 Minuten nach dem Ausgiefsen des Oels (Fischthran)
aatte sich eine geölte Fläche hergestellt, in welcher die von aufsen eintretenden
Wellen sofort eine runde Form annahmen. Die kleinen Wellchen auf dem Rücken
der grofsen waren viel weniger zahlreich und viel länger. Aus einiger Ent-
fernung gesehen, stachen die Wellenköpfe der geölten Fläche spiegelnd von jenen
der nicht geölten ab. Ob die Höhe der Wellen und die Länge der größeren
in beiden Theilen der Fläche verschieden waren, konnte nicht festgestellt werden.
Die Erscheinung war durch ungefähr 1’/2 Stunden zu verfolgen, während welcher
Zeit die Oeldecke durch den Wind um etwa 300 m verschoben wurde.
Ein dritter Versuch wurde mit Leinöl auf dem Bodensee angestellt. Un-
gefähr 10 Minuten nach dem Aushängen des Oelbeutels war auf der betreffenden Seite
des Dampfers ein langer, 4 bis 5m breiter Streifen zu bemerken, der sich weithin
durch sein glänzendes Aussehen von der Wasserfläche abhob. Der See war
mäßig bewegt, der Wind leicht, die Länge der Wellen mochte 4 bis 5m und
ihre Höhe 40 bis 50 cm betragen. Die Widerstandswellen, welche das Schiff rechts
und links begleiten, waren auf der ungeölten Seite rauh zugespitzt und mit