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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Der Hafen von Karätshi (Kurrachee), Westküste von Indien, 133 
langes, im Eingange 70 Fufs (21 m) breites Dock mit 28 Fufs (8,5 m) Wasser über 
der Schwelle‘ zu erbauen, welches im Stande ist, Truppenschiffe und Kriegs- 
schiffe der zweiten Klasse aufzunehmen. 
Ein neuer kräftiger Schleppdampfer ist im Bau begriffen, um den alten 
zu ersetzen, aber der Hafen ist so leicht zugänglich, dafs die wenigen, 
gegenwärtig Kardtshi besuchenden Segelschiffe sehr selten ein- oder ausgeschleppt 
zu werden brauchen, 
Es giebt drei unter der Leitung des auf Manora stationirten Hafenbeamten 
stehende Rettungsboote. 
Fünf zum Hafen gehörige Lootsen gehen in einer Entfernung von etwa 
2 engl. Meilen von der Einfahrt an Bord der nach dem Hafen bestimmten 
Schiffe, Alle Schiffe von 200 engl. Tons und darüber sind verpflichtet, sich 
lootsen zu lassen. 
‚Jede Erleichterung wird Post- und anderen Dampfern, die während der 
Nacht einlaufen, gewährt. Der Hafenbeamie weist den Schiffen ihre Liegeplätze 
an und überwacht ihr Verholen. 
Die Stadt Kardtshi ist mit dem Hafen durch Eisenbahn und eine Land- 
straße verbunden. Die Napier-Mole, eine schöne breite Chaussee, längs deren 
Mitte eine Pferdebahn geht, verbindet Keamari mit Kardätshi und dem Festlande, 
dazu ist die Hauptlinie der Nordwestlichen Eisenbahn seit 1888 bis zum Mere- 
wether Pier ausgedehnt worden, während die alte östliche Zweiglinie jetzt auf 
Ballast- und Truppenzüge eingeschränkt wird. 
Passagierzüge zwischen Keamari und Kardtshi gehen nur bei Ankunft und 
Abgang der „Hall“-Dampfer, aber Pferdebahnwagen fahren regelmäfsig zwischen 
Keamari und der Native Stadt, Schön bespannte Wagen sind auch in Keamari 
zu haben. 
Zu Keamari giebt es ein mit allen Theilen der Welt in Verbindung 
stehendes Post- und Telegraphenamt, mit dem die Kaufmanns- und Maklerkomptoire 
telephonisch verbunden sind. Besondere Vorkehrungen sind getroffen für die 
Lagerung von Hölzern jeder Gattung zu Baba und auf dem Lyari unmittelbar 
hinter dem Native Jetty. Das Holz wird direkt von den angekommenen Schiffen 
nach den Depots geflöfst. Das Kohlendepot beträgt 3 Acre an Ausdehnung und 
liegt auf der Insel Baba auf der Westseite des Hafens, Keamari gegenüber. 
Die Kohlen werden in Leichtern längsseits gebracht. 
Alle nothwendigen Vorräthe, Dampfkohlen eingeschlossen, sind leicht 
zu haben, 
Die Zufuhr an frischem Wasser für die Stadt und den Hafen Karätshi 
(104 000 Einwohner) wird aus dem Flusse Malir, 21 engl. Meilen entfernt von 
Keamari, beschafft. Dasselbe ist von ausgezeichneter Beschaffenheit, weich und 
eignet sich gut zum Trinken und zu Küchenzwecken. Schiffe an dem Pier und 
den Quais zu Keamari zapfen ihren Bedarf direkt aus den Hydranten (drei für 
jedeu Lagerplatz) auf dem Quai, und Schiffe auf dem Strome werden mittels 
Dampfprähme, die mit kräftigen Druckpumpen versehen sind, versorgt. Rind- 
feisch, Hammelfleisch, Vegetabilien und Fische sind im Ueberflusse vorhanden, gut 
and billig, Austern und Schildkröten kann man sich verschaffen, wenn deren 
Zeit ist. Es giebt zwei Ingenieur- und Eisengiefsereifirmen in Kardtshi, welche 
die Reparaturen an Schiffen und Maschinen übernehmen, und mehrere Firmen, die 
Schiffsvorräthe und Kuli-Arbeit besorgen. . 
Im Jahre 1891/92 liefen ein in den Hafen 475 Dampfer von einem Netto- 
gehalt von 613 350 Tonnen und 10 Segelschiffe von einem Nettogehalte von 
3961 Tonnen. Die Einfuhr umfaßt Kohlen, baumwollene und wollene Manufaktur- 
waaren, Metalle, Liqueure, Maschinen, Proviant, Petroleum und andere Oele, 
Eisenbahnschwellen, Balken, etc., etc. Die Ausfuhr besteht aus roher Baumwolle, 
roher Wolle, Häuten und Fellen, Indigo, Getreide und Hülsenfrüchten, ein- 
schließlich Reis, Weizen, Bajre und Juari, Thierknochen, Fischen, Mehl, Früchten 
und Vegetabilien, Oelsämereien, Thee ete.
	        
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