130 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1893,
India Steam Navigation Company entsendet jede Woche einen Dampfer nach
dem Persischen Golfe und Basra, und ihre Post- und Küstendampfer halten eine
dreiwöchentliche Verbindung mit Bombay und in der guten Jahreszeit eine
vierzehntägige Verbindung mit den Katsh- und Kattiawar-Häfen aufrecht.
Karätshi ist zugleich Truppenhafen für das nördliche Indien und die
Nordwestgrenze. In diesem Jahre sind zum ersten Male Truppenschiffe direkt
von Portsmouth nach Karätshi und zurück gegangen. Der Kommandant der
„Boadicea“ berichtete über den Hafen wie folgt: „Eine bessere Gelegenheit zum
Ein- und Ausschiffen von Truppen mit der Möglichkeit, sie im Augenblicke des
Landens gleich auf den Zug zu setzen, könnte nicht zu finden sein, auch könnte
jede beliebige Anzahl in thunlichster Schnelligkeit gelandet werden, da die Schiffe,
nachdem sie geleert worden, abholen und anderen Platz machen. Die Umgebung
des Hafendammes und des Erskine-Quais ist wie geschaffen zur Errichtung von
bequemen Magazinen und Wartezimmern, und da die Linien auch mit Ausweiche-
geleisen versehen sind, würde keine Verspätung für die Züge daraus entstehen,
dafs sie nicht aneinander vorbeikommen können. Meiner Ansicht nach könnten
Truppen dort geschwinder und in weit größerer Anzahl gelandet werden als in
Portsmouth.“
Für die Gezeiten gilt Folgendes:
Hafenzeit .......
Fluthgröfße bei Springtide . . .
Fluthgröfse bei Niptide .
10° 30°,
9 6“ (2,9 m).
5—6 engl. Fuls (1,5—1,8 m).
Tiefe des Wassers im Einfahrtskanal nach amtlichen Angaben:
bei Springtiden . . . 31 engl. Fufßs (9,5 m).
bei Niptiden , 26—27 engl. Fuß (8,0—8,3 m).
Aeufserster zulässiger Tiefgang eingehender oder ausgehender
Schiffe:
bei Sprinetid im Südwestmonsun. . 25 engl. Fufs (7,6 m).
© SPIMENCS | jn der guten Jahreszeit 27 engl. Fuls (8,2 m).
beiNiptide im Südwestmonsun: richtet sich nach dem Zustande des Wetters.
Der Hafen von Kardtshi ist in mancher Beziehung sehr von der Natur
begünstigt, und jetzt, nachdem seine Einfahrt vertieft, geschützt und gut mit
Leuchtfeuern versehen worden, mufs er für sehr sicher und leicht zugänglich
erklärt werden, was sich von keinem indischen Hafen in einem höheren (wenn
überhaupt in gleichem) Grade sagen läfst, da die Lothungen regelmäfsig und
keine vorliegenden Untiefen vorhanden sind. Auch giebt es hier keine ge-
fährlichen Strömungen, und selbst in der einzigen Jahreszeit mit diesigem und
rauhem Wetter, d.h in den drei Monaten des Südwestmonsuns, bringt Karätshi,
da der vorherrschende Wind von Westen kommt, nicht — wie Bombay — die
Gefahren einer Leeküste mit sich. Da Kardtshi nördlich von dem Wendekreise
liegt, ist es frei von Cyklonen, und heftige Stürme sind dort äufserst selten,
wenn nicht ganz unbekannt. Niemals haben überseeische Dampfer bei oder in
der Nähe von Karädtshi Schiffbruch gelitten, obwohl es seit der Eröffnung des
Suez-Kanales lebhaft von solchen Schiffen besucht worden ist.
Es läßt sich noch hinzufügen, dafs die Heftigkeit des Südwestmonsuns
viel weniger auf der Fahrt von Karätshi nach Aden verspürt wird, als auf der-
jenigen von Bombay dahin, auf welcher Wind wie See viel schwerer sind, als
auf der nördlichen Route.
Karätshi, jetzt Hauptstadt und Sitz der Provinzialregierung des Sindh,
wird im Allgemeinen als eine der gesundesten und angenehmsten Stationen in
den Ebenen Indiens angesehen. Während der Sommermonate herrschen west-
liche Winde vor, und zwar beinahe unausgesetzt acht Monate (März bis Oktober);
vom November bis zum Februar erfreut sich Kardtshi eines angenehm kühlen
Wetters. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 25° C (77° F), indem das
Minimum von 7°C (45° F) im Dezember und Januar, das Maximum von 35° C
(95° F) im Mai und Juni stattfindet.