Hydrographische Arbeiten, in der Umgebung der Magellan-Strafse. 111
Cabo de las Virgenes. Um die Frage des Herrn”Ministers, betreffend
die Möglichkeit, das Leben einer Bevölkerung dieser Gegend zu fristen, zu be-
antworten, mul ich konstatiren, dafs nach eingehenden Untersuchungen und
Studien des Bodens, die hier ausgeführt wurden, das Resultat sich ergab, dafs
die zum Leben erforderlichen Mittel nicht im Geringsten hervorgebracht werden,
dafs auch die Existenz eines Hafens in dieser Gegend vollkommen illusorisch
ist, da die ganze Küste schroff abfällt und eine gewaltige Brandung dieselbe
umgiebt.
Die Ausdehnung des Terrains von der Staatsgrenze bis zur Westküste,
welche vom Atlantischen Ocean bespült wird und vom Cabo de las Virgenes
bis Rio Gallegos ist zusammengesetzt aus Hochebenen und langen engen
Thälern, welche durch Graswuchs und relativen Ueberfiußs an Sülswasser
annehmbar als Wohnsitz für eine Bevölkerung erscheinen, aber anderntheils kann
man mit keinem natürlichen Hafen rechnen für ihren Handel, weshalb diese Idee
aufgegeben werden mufß und man sein Augenmerk auf die thatsächliche Bevwöl-
kerung von Rio Gallegos richten mufs, die von der Meerenge durch 50 Meilen
getrennt und die alles absolut Nothwendige zum Fortschritt einer Kolonie hat.
Eine Bevölkerung am Cabo de las Virgenes wäre nach allen Richtungen ab-
hängig von Rio Gallegos.
Die Errichtung eines Leuchtthurmes auf Cabo de las Virgenes ist unum-
gänglich nothwendig zum Wohle der Schiffahrt, besonders weil alsdann die Ma-
gellans-Strafse zu jeder Stunde der Nacht kennbar wäre.
Die Schiffahrt wird täglich belebter und nimmt rasch zu dank der Leich-
tigkeit, mit der thatsächlich dieser Durchgang passirt wird, der noch vor wenigen
Jahren der Schrecken der Seefahrer war. Heute sind diese Schwierigkeiten ver-
schwunden: die bedeutenden Arbeiten vom Jahre 1867 und 1868 vom Kapt. Mayne
haben wirksam geholfen, und man kann sagen, dal heute die Gewässer allen See-
fahrern bekannt sind. Ein Werk, welches jene Arbeiten vervollständigen würde,
ist unzweifelhaft ein Leuchtthurm ersten Ranges, auf dem Kap selbst gelegen,
dessen Krhebung und Form es dazu passend erscheinen lassen. Dieses Leucht-
feuer würde dann mit grofsem Vortheile die Strafse bei Nacht nehmen lassen,
besonders im Sommer. Wegen der kurzen Dauer derselben könnten die Schiffe,
die in diesen Stunden die Fahrt machen würden, schon beim ersten Tagesgrauen
sich auf der Höhe der ersten Enge befinden.
Was die Feststellung der Thatsache anbelangt, ob wirklich unbekannte
Riffe an den Punkten existiren, die mir von Eurer Excellenz angedeutet wurden,
so wurden mit dem Steamer „Gaviota“ verschiedene Linien abgelothet, indem
das Schiff fortwährend im Zick-Zack lief, so lange diese Arbeiten dauerten; nach
Jliesen Riffen wurde mit der gröfsten Aufmerksamkeit gesucht, allein mit durch-
aus negativem Resultat).
Ohne Zweifel war der Dampfer „Cleopatra“ sehr weit von diesem Punkte
entfernt, als er an das Riff stieß, das sein Kapitän erwähnt, und ich bin geneigt
zu glauben, dafs der Ort, wo in Wirklichkeit die Berührung des Grundes stattfand,
beim Riffe „Nassau“ war (52° 22’ S-Br, 68° 16‘ W-Lg) oder bei dem Riffe, welches
das Cabo de las Virgenes umgiebt, das bei mittlerem Meeresniveau kaum ge-
sehen wird und sich bis ca 1 Meile östlich vom „Cabo de las Virgenes“ hinzieht.
Der Umstand, dafs die Strandung in der Nacht geschah, wo es so schwer ist,
die Entfernung von der Küste annähernd zu bestimmen, besonders in diesen Ge-
genden, läfst. mich dieses vermuthen.
1) Aus der dem spanischen Original beigegebenen Karte geht hervor, dafs in der Umgebung
der für die Klippe angegebenen Stelle in 52° 17‘ N-Br und 68° 14‘ W-Lg v. Gr. keine geringeren
Tiefen als 34 m von der „Gaviota‘‘ gefunden wurden.