Neue Seekanäle.
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Der gewaltige Verkehr in der vom Kanal durchschnittenen Gegend bietet
natürlich für dessen Bau besondere Hindernisse. Zwei Eisenbahnlinien müssen
so gehoben werden, dafs die Schiffe ungehindert durchfahren können. Die Ge-
sammtlänge der sechs umzulegenden Kisenbahnstrecken beträgt 18km. Der
Bridgewater-Kanal, welchen der Seekanal bei Barton kreuzt, wird mittels eines
drehbaren eisernen Aquäduktes, ähnlich den Drehbrücken, den Kanal übersetzen.
Für Strafsenüberführungen sind zwei erhöhte und sechs Drehbrücken vorgesehen.
Der Bau des Kanals ist vor fünf Jahren in Angriff genommen und wird
gegen 8 Millionen Pfund kosten. Das Ganze ist ein Privatunternehmen, für die
Benutzung des Kanals werden Gebühren erhoben werden. Die Unternehmer be-
rechnen, dafs, wenn der Jahresverkehr auf dem Kanal 3 Millionen Tonnen be-
trägt, sie eine Verzinsung von 7!/a Procent des Baukapitals an die Aktionäre
vertheilen werden.
Das Beispiel von Manchester hat bereits den Plan einer ebensolchen Ver-
bindung für Birmingham mit Liverpool angeregt. Die Länge dieses Kanals
würde zwar fast dreimal so grofs sein, wie die des Manchester-Kanals, allein er
würde zugleich Wolverhampton, Stoke on Trent und anderen gewerbreichen Orten
dienen. Statt Schleusen sind Schiffshebewerke in Aussicht genommen, welche
Schiffe bis zu 400 Tonnen aufnehmen sollen.
Ueber das vortrefflich fortschreitende Werk der Unterweser-Korrektion
wird diese Zeitschrift vielleicht später etwas ausführlicher berichten. An dieser
Stelle mögen nur einige wenige Thatsachen aus dem Jahresbericht der Bremer
Handelskammer für 1892 Platz finden.
Die Fahrwassertiefe bei gewöhnlichem Hochwasser beträgt jetzt bis Bremen
4,70 m. Vom 1. Januar bis 10. Dezember 1892 haben nachstehend verzeichnete
Schiffe mit einem Tiefgange von 4,30 m und darüber zwischen Bremen-Stadt und
See verkehrt:
Tiefgang 4,30 4,35 4,40 4,45 4,50 4,55 4,60 4,65 4,70 4,75 4,80 4,85 4,90 4,95 5,00 5,05
Anzahl 61 45 14 41 122 10 10 9 2 9 1 5 2. 2 1 3
Ende 1893 werden aller Wahrscheinlichkeit nach Schiffe mit 5,00 m Tief-
gang bei gewöhnlichem Hochwasser zwischen der Stadt Bremen und der See
verkehren können. Im Anschlufs an die Weser-Korrektion ist nunmehr die Fahr-
strecke von Norderhamm bis Farge mit Feuern versehen worden, so dal jetzt
eine Befahrung des Stromes bis Farge aufwärts auch zur Nachtzeit möglich ist.
Der im Jahre 1891 begonnene und 1892 in projektmäfsiger Ausdehnung
fertiggestellte Leitdamm in der Auflsenweser hat die erwartete günstige Wirkung
auf die Fahrwasserverhältnisse ausgeübt, besonders ist die oberhalb des Forts
Brinkamahof II vorhanden gewesene Untiefe so erheblich abgetrieben, dafs die
Tiefe in der eigentlichen Fahrrinne an der früher schlechtesten Stelle um 2 bis
2,5 m. vergröfßsert worden ist. Imsum gegenüber ist allerdings eine Auflandung
in der Fahrrinne bemerkbar, die jedoch durch die in Aussicht genommene Ver-
Jlängerung des vor Langlütjen-Sand angelegten Leitdammes nach unten und An-
lage eines Leitdammes am rechten Ufer sicher wieder abtreiben wird, da die
inzwischen eingetretene Querschnitts-Vergröfserung auf der Barrenstrecke eine
fortdauernd sich steigernde Selbstthätigkeit des Stromes hervorruft.
Von modernen Kanalunternehmen der zweiten Art wollen wir drei be-
trachten: den Nord-Ostsee-Kanal, dessen Herstellung im besten Gange und für
1895 gesichert ist, den Kanal von Korinth, der in halbfertigem Zustande wegen
finanzieller Schwierigkeiten aufgegeben werden mufste, aber hoffentlich nach
deren Regelung bald zu Ende geführt werden wird, und den Nicaragua-Kanal,
welcher erst in Angriff genommen ist, dessen Bau aber bei seiner Wichtigkeit
und dem politischen Interesse, das die Vereinigten Staaten von Nordamerika
daran nehmen, unzweifelhaft, wenn auch vielleicht nicht ohne Wechselfälle, zu
Ende geführt werden wird.‘ Der Suez-Kanal ist schon so bekannt, daß wir ihn
übergehen können.
Als älteste Schiffahrtsverbindung zwischen der unteren Elbe und der
Trave, also auch zwischen der Nord- und Ostsee, ist für kleine Schiffe der 1391
bis 1398 erbaute Steckenitz-Kanal anzusehen. Im Jahre 1448 wurde durch Ver-
trag zwischen dem Herzog Adolf von Holstein und der Stadt Hamburg der Bau
des Alster-Trave-Kanals beschlossen, . jedach erst 1525 unter Betheiligung der