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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Neue Seekanäle. 
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Der gewaltige Verkehr in der vom Kanal durchschnittenen Gegend bietet 
natürlich für dessen Bau besondere Hindernisse. Zwei Eisenbahnlinien müssen 
so gehoben werden, dafs die Schiffe ungehindert durchfahren können. Die Ge- 
sammtlänge der sechs umzulegenden Kisenbahnstrecken beträgt 18km. Der 
Bridgewater-Kanal, welchen der Seekanal bei Barton kreuzt, wird mittels eines 
drehbaren eisernen Aquäduktes, ähnlich den Drehbrücken, den Kanal übersetzen. 
Für Strafsenüberführungen sind zwei erhöhte und sechs Drehbrücken vorgesehen. 
Der Bau des Kanals ist vor fünf Jahren in Angriff genommen und wird 
gegen 8 Millionen Pfund kosten. Das Ganze ist ein Privatunternehmen, für die 
Benutzung des Kanals werden Gebühren erhoben werden. Die Unternehmer be- 
rechnen, dafs, wenn der Jahresverkehr auf dem Kanal 3 Millionen Tonnen be- 
trägt, sie eine Verzinsung von 7!/a Procent des Baukapitals an die Aktionäre 
vertheilen werden. 
Das Beispiel von Manchester hat bereits den Plan einer ebensolchen Ver- 
bindung für Birmingham mit Liverpool angeregt. Die Länge dieses Kanals 
würde zwar fast dreimal so grofs sein, wie die des Manchester-Kanals, allein er 
würde zugleich Wolverhampton, Stoke on Trent und anderen gewerbreichen Orten 
dienen. Statt Schleusen sind Schiffshebewerke in Aussicht genommen, welche 
Schiffe bis zu 400 Tonnen aufnehmen sollen. 
Ueber das vortrefflich fortschreitende Werk der Unterweser-Korrektion 
wird diese Zeitschrift vielleicht später etwas ausführlicher berichten. An dieser 
Stelle mögen nur einige wenige Thatsachen aus dem Jahresbericht der Bremer 
Handelskammer für 1892 Platz finden. 
Die Fahrwassertiefe bei gewöhnlichem Hochwasser beträgt jetzt bis Bremen 
4,70 m. Vom 1. Januar bis 10. Dezember 1892 haben nachstehend verzeichnete 
Schiffe mit einem Tiefgange von 4,30 m und darüber zwischen Bremen-Stadt und 
See verkehrt: 
Tiefgang 4,30 4,35 4,40 4,45 4,50 4,55 4,60 4,65 4,70 4,75 4,80 4,85 4,90 4,95 5,00 5,05 
Anzahl 61 45 14 41 122 10 10 9 2 9 1 5 2. 2 1 3 
Ende 1893 werden aller Wahrscheinlichkeit nach Schiffe mit 5,00 m Tief- 
gang bei gewöhnlichem Hochwasser zwischen der Stadt Bremen und der See 
verkehren können. Im Anschlufs an die Weser-Korrektion ist nunmehr die Fahr- 
strecke von Norderhamm bis Farge mit Feuern versehen worden, so dal jetzt 
eine Befahrung des Stromes bis Farge aufwärts auch zur Nachtzeit möglich ist. 
Der im Jahre 1891 begonnene und 1892 in projektmäfsiger Ausdehnung 
fertiggestellte Leitdamm in der Auflsenweser hat die erwartete günstige Wirkung 
auf die Fahrwasserverhältnisse ausgeübt, besonders ist die oberhalb des Forts 
Brinkamahof II vorhanden gewesene Untiefe so erheblich abgetrieben, dafs die 
Tiefe in der eigentlichen Fahrrinne an der früher schlechtesten Stelle um 2 bis 
2,5 m. vergröfßsert worden ist. Imsum gegenüber ist allerdings eine Auflandung 
in der Fahrrinne bemerkbar, die jedoch durch die in Aussicht genommene Ver- 
Jlängerung des vor Langlütjen-Sand angelegten Leitdammes nach unten und An- 
lage eines Leitdammes am rechten Ufer sicher wieder abtreiben wird, da die 
inzwischen eingetretene Querschnitts-Vergröfserung auf der Barrenstrecke eine 
fortdauernd sich steigernde Selbstthätigkeit des Stromes hervorruft. 
Von modernen Kanalunternehmen der zweiten Art wollen wir drei be- 
trachten: den Nord-Ostsee-Kanal, dessen Herstellung im besten Gange und für 
1895 gesichert ist, den Kanal von Korinth, der in halbfertigem Zustande wegen 
finanzieller Schwierigkeiten aufgegeben werden mufste, aber hoffentlich nach 
deren Regelung bald zu Ende geführt werden wird, und den Nicaragua-Kanal, 
welcher erst in Angriff genommen ist, dessen Bau aber bei seiner Wichtigkeit 
und dem politischen Interesse, das die Vereinigten Staaten von Nordamerika 
daran nehmen, unzweifelhaft, wenn auch vielleicht nicht ohne Wechselfälle, zu 
Ende geführt werden wird.‘ Der Suez-Kanal ist schon so bekannt, daß wir ihn 
übergehen können. 
Als älteste Schiffahrtsverbindung zwischen der unteren Elbe und der 
Trave, also auch zwischen der Nord- und Ostsee, ist für kleine Schiffe der 1391 
bis 1398 erbaute Steckenitz-Kanal anzusehen. Im Jahre 1448 wurde durch Ver- 
trag zwischen dem Herzog Adolf von Holstein und der Stadt Hamburg der Bau 
des Alster-Trave-Kanals beschlossen, . jedach erst 1525 unter Betheiligung der
	        
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