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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1893.
19. April, Aeufserst unangenehme See. Schiff arbeitet schwer. Trotz-
dem die Pumpen fast fortwährend im Gange waren, fanden wir doch 2!/2' Wasser
im Schiff.
20. vormittags. Alle Mann mit Pumpen, Schadenausbessern beschäftigt,
Schlagen die zerrissenen Segel ab und andere dafür an.“
Ebenso interessant sind die Bemerkungen im Journal des „George“,
die hier noch Platz finden mögen.
„16. April, 8"p. Schönes Wetter. Südwest- bis Westsüdwestdünung.
17. April, 3ha. Leichte Regenschauer. Unregelmäfsige, westliche Dünung,
8ha. Starker Regenschauer von ENE; bis 10*a Regenschauer von ENE,
unbeständige östliche Briese. Sehr unregelmäfsige, hohe Dünung von SW—NW.
4bp. Unregelmälßige westliche Dünung.
Um 7"p eine heftige, 15” dauernde Regenböe aus ENE.
Von 8* 30° bis 9"p starke Regenböe.
18. April, 4a. Schaurige Luft. 8a. Luft anhaltend schaurig, mehrere
Regenschauer, Dünung aus WSW.
Gegen 12* stürmischer Wind. Nachmittags Sturm, hoher, wilder Seegang
von ENE, durch Nord bis West; drohende Luft im West bis NW. Legten das
Schiff um 4* über B. B.-Halsen mit Untermarssegel an den Wind, Die oberen
Wolken bewegen sich nicht, hatten aber über den ganzen Himmel gegen Abend
eine blaßrothe Farbe. Abends hohe, wild durcheinanderlaufende See; Schiff
arbeitet schwer.
Nachts um 12* 40” sprang der Wind nach NNW um; anhaltender starker
Regen bis 3" a am 19., dann mehr abklarend von WSW. Hohe, wilde, durch-
einanderlaufende See. Von 7'ıba an starke Regenböen von NNW—NNE,
zurück; bis 9'A"a Regen, dann abklarend, beständiger; steuerten von da ab
Kurs. Um 12*a leichter Regenschauer aus Nord. Wind westlich holend. Von
3° p ab Regen; hoher, wilder Seegang, am höchsten von WSW. Um 4*p sehr
Aauer Wind nach SW holend, fast still; gegen 6" p östlicher Zug. Luft mehr
abklarend. Gegen 10*p flaue nördliche Briese. Luft bedeckt und trübe.
Am 20. Wind unbeständig, gegen Abend zunehmende steife Briese, hoher,
wilder Seegang von SW—W5SW, bedeckter Himmel. Am 21. zunehmende, hohe
Dünung von SW—WSW, gegen Mitternacht abnehmend. Am 22. gutes Wetter.“
Die Bark „Kale“, Kapt. H. J. Reiners, ebenfalls auf der Heimreise
begriffen, ist noch weiter vom Orkancentrum weggeblieben und hat auch keinen
stärkeren Wind als ENE 8 (um 4*p am 18. April) bekommen, aber so schwere
westliche See und ein so ausgesprochenes Fallen des, ohnedies wegen der nörd-
licheren Lage tiefer stehenden Barometers (von 760,8 um 8'p am 16. bis auf
755,9 um 4"p am 18.), dafs der Kapitän mit Recht die Nähe eines Orkans ver-
muthete; nur war dieser am 18. nicht mehr in nordwestlicher, wie der Kapitän
glaubte, sondern bereits in südwestlicher Richtung, so daß der Ostnordostwind
auf dem „Kale“ zum Centrum und sogar noch 2 Strich nach rechts von dessen
Peilung gerichtet war. Die Bemerkungen aus dem Journal des „Kale“ lassen
wir hier folgen:
„Am 17. April. Von heute Morgen an läuft eine hohe westliche Dünung,
und wird wohl weiter westlich (Mauritius) etwas in Unordnung sein, weshalb
dann auch der Passat flauer wird,
Nachmittags: Schönes Wetter. Abends: Wind nimmt allmählich zu.
Am 18. April. Die westliche See macht „Kale“ heftig stampfen und
hindert bedeutend im Laufen; hatten nach Mitternacht häufig Schauer mit Regen.
Ist vielleicht ein Orkan in nordwestlicher Richtung vor uns?
Nachmittags: Schönes Wetter; aber schrecklich durcheinanderlaufende
See, so zwar, dals wir die Oberbramsegel festmachen mulsten, um das Stampfen
zu vermindern, auch wurde es nach 2*°p böig, und der Wind lief langsam nörd-
licher mit fallendem Barometer.
Das Barometer kann zwar nicht so hoch mit nördlichem Winde stehen
als mit südlichem, aber es fiel mir doch zu viel, und da es überhaupt befremdend
ist, hier so hoch nördliche Winde anzutreffen und noch dazu östlichen Strom
mit so fürchterlich durcheinanderlaufender See, so hatte ich wohl nicht mit
leichte