Verhältnifs zwischen Beaufort’s Skala und Windgeschwindigkeit. 71
gelten kann, Soviel bekannt, waren die benutzten Anemometer ungefähr unter
denselben Verhältnissen aufgestellt, welche auch für die Schätzung entscheidend
waren, d. h. also in der Nähe des Beobachters und in (oder nicht viel über) der
Höhe der Baumkronen, Flaggen u. s. w., welche der Beobachter bei der Schätzung
gewöhnlich zu Grunde legt. Wenigstens kann dieses von den Vergleichen unter
6 behauptet werden; Anemometer auf hohen Thürmen oder weit vom Bevbachter
entfernte dürfen für solche Vergleiche nicht benutzt werden.
12 - theil. Schätzungs-Skala
7 a) Englische Küste. Chatterton f unkort.;
% 1887 (Nr. V, Carnarvon Bay) | korr.
54 | b) Atlantischer Ocean, Waldo 1888
&/ c) Deutsche Küste
Er 1. Köppen, 4 Stat., 1888
Sa 2, H. Meyer, Keitum, 1890
+" f a) Norwegische Küste, Mohn 1889
Mittel der 5 letzten Reihen
=
2
3,5 | 5,2
3,0 | 4,6 |
3,1 | 54
83,8 | 54 | 7,2 | 9,0 | 11,0
40 | 5,9 | 8,0 | 10,2 | 12,3
22 | 4,9) | 6.7 | (8,7) 10,7
4152371 72‘ 2,51 118
7,6 10,83 12,6
69 | 9,5 , 11,9
73 102 | 133
©
15,8
15,1
155
18,€
11
17,0
13,8 | 15,8
| 144 | 164
12,8)! 15,1
1271 165
Unter diesen Vergleichungen beziehen sich nur bei der unter d ange-
führten Reihe von Mohn die Schätzung und die Messung auf denselben Moment.
In den übrigen Reihen ist mit der auf den Augenblick der Beobachtung bezüg-
lichen Schätzung die mittlere gemessene Windgeschwindigkeit im Laufe einer
oder zweier benachbarten Stunden verglichen worden. Die Messung ist bei
diesen Werthen zwar erheblich genauer, als bei den von Mohn benutzten, aber
die älteren Vergleiche dieser Art, und auch noch jener von Chatterton, sind
durch einen systematischen Fehler entstellt. Sie wurden nämlich in der Weise an-
gestellt, daß die Stundenmittelder betreffenden Stunden geordnet wurden nach den
im Beobachtungsmoment geschätzten Stärkegraden. Im Jahre 1888 („Meteor.
Zeitschrift“ S. 239) habe ich aber gezeigt, dafs dies umgekehrt geschehen muß,
nämlich dafs die geschätzten Momentstärken nach den gemessenen Stundenmitteln
geordnet werden müssen, um richtige Zahlen zu erhalten. Bei einiger Ueber-
Jegung wird man leicht einsehen, dafs die Windstärke in solchen Beobachtungs-
momenten, welche sehr hohe Schätzungen ergeben, in der überwiegenden Mehrzahl
der Fälle über dem Mittel der betreffenden Stunde liegt, während sie in
Momenten mit niedrigen Schätzungen unter dem Mittel zu liegen kommt; ein
guter Theil der hohen Schätzungen stammt von Windstöfsen, ein ebensolcher
der niedrigen von vorübergehendem Einlullen des Windes, während der gesammte
Windweg der Stunde sich weniger von dem allgemeinen Mittel entfernt. Wie
groß dieser Einflufs ist, kann natürlich nur die Erfahrung zeigen. Kine Zu-
sammenstellung von Stärke-Schätzungen und Anemometer-Angaben von vier
Stationen der Seewarte, deren Resultat nach der älteren Methode Herr Dr. Sprung
im „Archiv der Seewarte“, Bd. II, veröffentlicht hat, ergab bei der Umgruppirung
nach der neuen Methode bei Windstärke 1 und 2 eine Herabminderung, bei den
Stärkegraden über 3 aber zunehmende Erhöhung der entsprechenden Geschwindig-
keiten, so zwar, dafs 1 Beaufort von 2,6 auf 2,1 m p. sek. herabkam, 8 Beaufort
aber von 12,1 auf 15,8 m p. sek. stieg.
Die oben (in der zweiten Reihe) an die Zahlen von Chatterton’s: Report
of the Wind Force Committee (vergl. Quart Journ. of the R. Met. Soc. 1887)
angebrachten Korrektionen sind nur approximativ; es sind wahrscheinliche Werthe,
die auf folgendem Wege abgeleitet wurden: Sind « die Anemometerangaben nach
Robinson’s Konstante, so sind 0,5 +0,8« die wahrscheinlich wahren Wind-
geschwindigkeiten der Stationen, die Chatterton benutzte, und sind 8 die
Beaufort-Grade, so ist wegen der Gruppirung der Stundenwerthe nach den
Momentschätzungen (umgekehrt) an die so korrigirten Werthe noch hinzuzufügen
die Korrektion — 0,5 + 0,05 #? (letzterer Werth ist für Sprung’s Zahlen == 0,062
gefunden, für Chatterton’s Zahlen muß die Korrektion etwas kleiner sein, da
er den Windweg einer Stunde, Sprung das Mittel zweier Stunden mit der
Momentbeobachtung verglich). Beide Reduktionen kompensiren einander theilweise,
daher ist die Gesammtkorrektion nur gering. |
Wie man ‘sieht, stimmen diese neueren Bestimmungen recht gut mit-
einander überein. Man kann daher weit abweichende Angaben, wie sie jetzt