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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

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Von der Sunda-Strafse nach Singapore und weiter nach Pulo Pinang. 
Diese Reise, zu welcher wir nicht weniger als 15 Tage benöthigten, mufste 
yänzlich durch Kreuzen gegen nordwestliche Winde zurückgelegt werden. In 
jeder Nacht kamen von Sumatra von wolkenbruchartigem Regen begleitete 
schwere Böen herüber, die sogenannten „Sumatras“, — die eine Stärke von 9 
bis 11 erreichten. Sobald sich in der Kimm eine solche Böe zeigte, mufsten 
rasch alle Segel geborgen werden, weil sie stets mit aufserordentlicher Geschwindig- 
keit näher kam. Bisweilen nahte die Böe als ein 4 Stunden anhaltender 
schwerer Sturm. Die schlechteste Nacht während der Fahrt in der Malakka- 
Straße war die vom 21. zum 22. November, in der eine Böe die andere jagte. 
Alle brachen mit grofser Gewalt über das Schiff herein, und die drei Marssegel 
und der Klüver gingen verloren. Auf den Luftdruck hatten diese Böen nur 
einen geringen Einfluss, denn es waren kaum Schwankungen im Barometerstande 
zu bemerken. Einen regelmäßigen Wechsel von Land- und Seewind haben wir 
auf dieser Reise nicht beobachtet. Die Strömung setzte, soweit ich im Stande 
war, dieses beurtheilen zu können, stets nach Süden. Volle fünf Tage befanden 
wir uns in Sicht der Insel Pinang, ohne die Möglichkeit, durch Kreuzen bei 
kurzen Gängen voranzukommen. Des Kreuzens endlich müde, liefs ich nach der 
Sumatra-Küste hinüber biegen, wendete dort und holte dann mit dem steifen 
nordwestlichen Winde einen Punkt oberhalb Kap Muka an, von wo aus die 
Rhede von Pinang leicht zu erreichen war. 
Pinang ist ein sehr guter Hafen, wird aber zumeist nur von Dampfern 
besucht. Das Einsegeln in denselben ist nicht mit grofsen Schwierigkeiten 
verknüpft. 
In der Nähe von Muka Head halten sich gewöhnlich die eingeborenen 
Lootsen auf, welche ein Lootsgeld von 75 Cents für den Fuß Tiefgang des 
Schiffes beziehen. Es empfiehlt sich, einen dieser Leute an Bord zu nehmen, 
weil denselben die Orte der vielen Holzgerüste und Pfähle (Fishing-stacks), 
welche beim Berühren mit dem Schiffe leicht den Kupferbeschlag beschädigen 
können, genau bekannt sind. Dieselben stehen im Fahrwasser auf einer Tıefe 
von 5,5 bis 7,5 m (3 bis 4 Faden) und ragen gewöhnlich nicht über die Wasser- 
fäche empor. 
Im Hafen von Pinang werden die Schiffe mit beiden Ankern, einen gegen 
die Fluth, den andern gegen die Ebbe, vertäut. 
Der Wind war während meiner Anwesenheit daselbst stets sehr unbeständig; 
nur wiederholte es sich häufig, dafs in der Nacht zwischen 10 und 2 Uhr eine 
leichte Landbriese von der Malakka-Küste einsetzte. 
Die Ausfuhrartikel für Segelschiffe bestehen in Zucker, Tapiokamehl und 
Fellen. Die ersten beiden Artikel werden bei der Herstellung von Traubenzucker 
(Glykose) verwandt. 
Die Unkosten eines Schiffes sind in Pinang um ein Bedeutendes höher als 
in Singapore; beispielsweise muss man dem Stauer 20 Schillioge für die Gewichts- 
tonne zahlen, und die Kartoffeln und andere Gartenerzeugnisse sind hier theuerer 
als dort. Dagegen erhält man ganz ausgezeichnetes Trinkwasser, welches einem 
Wasserfall entnommen wird. zum Preise von nur 85 Cents für die Tonne frei 
an Bord. 
Nachdem wir am 19. Dezember 1889 in Pinang unsere Beladung vollendet 
hatten, traten wir unsere Reise nach London an. 
Verhältnifs zwischen Beaufort’s Skala und Windgeschwindigkeit. 
In den Jahren 1887 bis 1890 wurden folgende Vergleiche zwischen 
geschätzten und gemessenen Windgeschwindigkeiten ausgeführt, von denen der 
unter a aufgeführte einer Korrektion bedarf, während b, c und d nach 
— soviel ich weils — einwurfsfreien Methoden gemacht sind. Die Vergleiche 
a, b und c beziehen sich auf die zwölftheilige, d auf die sechstheilige Skala, 
welche letztere in ihren mittleren Theilen als gleich der halben zwölftheiligen
	        
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