accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

= Auf 
Guayaquil und Callo. 
„Pacific“ hatte die Order, in Manta oder in Callo, letzteres eine offene 
Seerhede an dieser Küste, eine Ladung Steinnüsse einzunehmen. Am 24. Januar 
kamen wir in Manta an, um diesen Platz am 26. wieder zu verlassen. KEine 
schöne Gelegenheit mit nördlichem Winde brachte uns am Abend des 27. 
nach Callo. 
Callo.!‘) Der beste Ankerplatz ist auf einer Stelle, von der aus die Insel 
Callo mw. SzW!2W—SSW und die Lagerhäuser ON0'420—ONO peilen und 
die Tiefe bei Niedrigwasser 8,8 bis 9,1 m (29 bis 30 Fufß) beträgt. Der Unter- 
schied zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt 2,7 m (9 Fuß); ersteres tritt 
zur Zeit des Neumondes um ungefähr 12 Uhr ein. In der ersten Zeit unserer 
Anwesenheit hierselbst war die See derart ruhig, dafs keine Unterbrechungen 
beim Laden nothwendig geworden wären, wenn die erforderlichen Einrichtungen 
am Lande sich in einem einigermafsen genügenden Zustande befunden hätten. 
Die Ladung wird vermittelst Bongos (Kanoes), welche im Stande sind, 20 Säcke 
Steinnüsse zu 90 kg zu tragen, und unter recht günstigen Verhältnissen der 
Witterung und der See in einem Tage 8 Rundfahrten machen, längsseits gebracht. 
Der gröfste Nachtheil entsteht aus dem Widerstreben der Bootsleute, selbst bei 
einer mittelmäfsigen Brandung die Arbeit zu unternehmen, wobei es dann noch 
unentschieden bleibt, ob ein Tag, an dem ein solcher Fall sich ereignet, als ein 
Liegetag zu betrachten ist oder nicht. Um 14000 Quintalen zu 46 kg oder 
etwa 635 englische Tonnen Steinnüsse einzunehmen, gebrauchten wir nicht weniger 
als 76 laufende Tage, mit Ausschlufs der Sonntage und 9 anderer katholischer 
Feiertage, an denen nicht gearbeitet wurde. Bis zum 16. März war die See 
ruhig und mit einigen geringen Unterbrechungen stets geeignet, Ladung zu ver- 
schiffen, was zur Folge hatte, dafs wir bis dahin die verhältnifsmäfsig bedeutende 
Menge von 11500 Quintalen einnehmen konnten. An diesem Tage trat aber 
eine sehr hohe Dünung ein, die am Strande eine solch hohe und anhaltende 
Brandung erzeugte, dafs während der nächsten 8 Tage keine Ladung vom Lande 
abgelassen werden konnte. Auch später war der Zustand der See häufig ein 
schlechter, weshalb die Uebernahme der letzten Ladung erst am Sonnabend den 
13. April, also, wie schon erwähnt, nach 76 Tagen bewerkstelligt werden konnte, 
trotzdem die ganze überzunehmende Menge von vornherein zur Verschiffung 
bereit lag und ein Theil derselben — 5500 Quintale — mittelst kleiner Küsten- 
fahrer von Machalilla längsseits gebracht wurde. Letztgenannter Platz eignet 
sich viel besser zum Verladen als Callo; die dort ladende schwedische Bark 
„Norden“ konnte binnen vier Wochen abgefertigt werden. Die deutsche Bark 
„Eden“, welche am 11. Februar, zwei Wochen nach uns in Callo ankam, be- 
aöthigte sogar fünf Wochen, um die kleine Menge von 3000 Quintalen überzu- 
nehmen, und die deutsche Bark „Marie Becker“, am 21. Februar angekommen, 
zur Vervollständigung ihrer Ladung von Guayaquil mit 7000 Quintalen 6 Wochen. 
Die letztgenannten beiden Schiffe waren auch zur selben Zeit mit „Pacific“ in 
Guayaquil, wo sie fast ihre ganzen Mannschaften ins Krankenhaus schicken 
mußten. Die Kosten hierfür waren nicht sehr hoch und beliefen sich auf nur 
4 Realen, etwa 1,20 Mark, täglich für den Mann. Die Verpflegung und die ärzt- 
liche Behandlung war trotzdem eine ziemlich gute. 
Callo ist der Ein- und Ausfuhrplatz der etwa 15 bis 16 Sm. von der Küste 
entfernt liegenden Stadt Ipijapu mit einer Einwohnerzahl von annähernd 
8000 Seelen, woselbst auch die Verlader der Steinnüsse ihren Wohnsitz haben. 
Der Weg dorthin kann nur zu Pferde oder Maulthier zurückgelegt werden, da 
man mehrere Male einen seichten Fluß zu überschreiten hat, der von weither 
aus dem Innern der Küste das frische Wasser zuführt. Auch die Güter mußten 
zwischen der Küste und der genannten Stadt auf dem Rücken von Pferden oder 
Maulthieren befördert werden. 
Das Trinkwasser kostet in Callo während der nassen Jahreszeit, etwa von 
Januar bis Mai, 1,20 Dollar = 3,60 Mark für das Oxhoft (annähernd 215 Liter); 
in der trockenen Jahreszeit ist es schwierig zu schöpfen und daher theurer. 
Frisches Fleisch (gutes, junges Rindfleisch) erhielten wir wöchentlich ein- bis 
zweimal zum Preise von 1'/2 Realen = 45 Pf. das halbe Kilogramm. Aufser 
Bananen, welche in großen Mengen in der Umgebung von Ipijapu gezogen 
‘) Siehe diese Annalen Jahrgang 1890 Seite 96.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.