Gebrauch von Oel als Beruhigungsmittel der See.
67
Schiffes aushängen, ebenso je einen in den Klosets auf dem Vordeck und mitt-
schiffs befestigen und ging dann mit dem Schiffe über B-B,-Bug an den Wind.
Beim Abfallen des Schiffes kam kein Brecher über, Von 5* bis 1*p.m. war die
See 7 Strich ein und dabei kamen nur leichte Spritzer über Deck. Als das
Schiff über den anderen Bug ging, wurde dasselbe Arrangement an der B-B.-
Seite gemacht, und mit demselben guten Erfolge. Trotz der schweren und un-
regelmäßigen See konnten die Luken des Passagierraums offen gehalten werden.
Guayaquil und Callo.
Aus dem Reisebericht der deutschen Bark „Pacific“, Kapitän C. Oltmann.
Guayaquil. Die deutsche Bark „Pacific“, Kapitän C. Oltmann, segelte
auf ihrer Reise von Liverpool nach Guayaquil am 5. Dezember 1888 auf nörd-
lichem Kurse in Sicht längs der Küste von Ecuador und lief um 6 Uhr Abends
unter Peilung des Feuers der Insel Santa Clara und später auch desjenigen von
Punta Arena in den Guayaquil-Flufs ein. Um 6 Uhr am folgenden Morgen
fuhr ich, berichtet Kapitän Oltmann, mit dem Boote nach dem Orte Puna
auf dem Nordostende der Insel gleichen Namens, um den Lootsen und den Zoll-
beamten zu holen, mit denen ich um 8 Uhr an Bord zurückkehrte. Zuweilen
kommt es vor, dafs man hier einige Tage auf einen Lootsen zu warten hat. Am
7. Dezember kamen wir um 8 Uhr Morgens auf der Rhede von Guayaquil zu
Anker. Nachdem am nächsten Tage Sonntag gefeiert war, wurde das Schiff am
9. an die Brücke gelegt und am 10. mit dem Löschen der Ladung begonnen.
Hierbei wurde durchschnittlich nur 2/2 bis 3 Stunden täglich gearbeitet, weil
die ohnehin so kurze vierstündige Arbeitszeit von 6 bis 10 Uhr Morgens noch
wiederholt durch Regenschauer gestört wurde. Dies Regenwettier übte aulserdem
einen sehr nachtheiligen Einflufs auf den Gesundheitszustand der Leute aus.
Die Stadt hat sich seit meinem ersten Besuche im Jahre 1880*) ganz bedeutend
zu ihren Gunsten verändert, durch die Hauptstrafsen führt eine Pferdebahn, und
grofse elegante Häuser am Ufer verleihen ihr ein verschönertes Aussehen. Leider
aber lassen der Gesundheitszustand und die Verhältnisse beim Löschen der
Ladung noch sehr viel zu wünschen übrig. Es werden jetzt freilich Anstalten
getroffen, um zum Theil die Uebelstände des ersteren durch gutes Trinkwasser,
welches der Stadt in einer Rohrleitung vom Gebirge zugeführt werden soll, zu
verringern. Das letztere geht aber immer noch aufserordentlich langsam von
statten und zwar so, dafs wir erst am 8. Januar 1889, also nach einer Löschzeit
von fast einem Monat, damit fertig wurden. Wenngleich durch die an jedem
Abend von dem Eigenthümer der Brücke ausgestellten Empfangscheine über die
während des Tages gelöschten Güter sich unmittelbar ergiebt, daß die Ladung
richtig abgeliefert ist, so hat man doch mit der Einkassirung der Frachtgelder
so lange zu warten, bis die einzelnen Scheine von der Zollbehörde mit dem
Ladungsmanifest verglichen und übereinstimmend befunden worden sind. Alle
Einwendungen gegen ein solches nutzloses Verfahren, welches mitunter volle
7 Tage in Anspruch nimmt, helfen nichts. In meinem Fall verstrichen 3 Tage
nach der Entlöschung des Schiffes, bevor ich meine Fracht in Händen hatte.
Dieses war noch dazu in einer Zeit, in der man je eher je lieber den Ort wieder
verlassen hätte, da das Fieber bereits anfing, unter den Bewohnern am Lande
und den Leuten an Bord stark zu grassiren. Endlich am 19. Januar konnten
wir Guayaquil wieder verlassen und trieben. mit dem Schiffe flufsabwärts. Ich
athmete froh auf, als erst die Insel Puna und am folgenden Morgen Santa Clara
in Sicht kam. Die reichlich angewandten bekannten Vorbeugungsmittel hielten,
obwohl de ‚Gesundheit der Mannschaft sehr gelitten hatte, ernste Fieberanfälle
von uns fern.
) Siehe diese Annalen Jahrgang 1881 Seite 444.