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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Bemerkenswerthe Stürme. 
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Stralsund entlud sich um‘ 214" a. m. ein kurzes Gewitter; zu Kiel wurde in dieser 
Nacht Nordlicht notirt. Auch im Binnenlande kamen stellenweise Gewitter zur 
Entladung. Infolge der stürmischen Nordwestwinde auf der Nordsee erreichte 
das Wasser an der Unterelbe eine gefahrdrohende Höhe. ; 
Die Schneefälle dauerten während des Verlaufes dieser Stürme fast ununter- 
brochen fort. Die Höhe des geschmolzenen Schnees betrug für: 
Memel. Neufahrwasser. Rügenwalderm. Swinem. Wustrow. 
vom 5./6. 8p.bis’8a. — „2 2 10 “2 
„6/60 „nm 2 Bon 1 13 1 
Summa 48 Std. 2 4 = 23 3 
Kiel. Hamb. Cuxhaven. Sylt. Helgol. Wilhelmsh., Borkum. 
vom 5./6. 8 p. bis 8a. — 13 1 21 21 10 — 
GO. nn u 4 7 7 2 7 13 5 
Summa 48 Std. 4 20 8 23 28 23 5 
Die Wirkungen dieser eben geschilderten Schneestürme mögen durch einige 
Zeitungsnotizen illustrirt werden: . 
Hamburg, 6. Januar. Der starke Sturm, welcher gestern Abend mit 
dichtem Schneegestöber eintrat, hat, wie auf dem Lande, auch auf dem Wasser 
vielen Schaden angerichtet. Telephonleitungen, welche durch die Last der auf ihnen 
ruhenden Schneemassen zerrissen waren, hingen heute Morgen dicht über einigen 
Flethen, so dafs Fahrzeuge sich mehrfach darin verwickelten. Die Verbindung 
nach den Elbinseln ist durch Bruch der vier Drähte einstweilen gänzlich auf- 
gehoben. Luken und Fensterflügel wurden an mehreren Stellen auf die Strafse 
geworfen. Auf den Werftplätzen mufsten in der Frühe grofse Aufräumungs- 
arbeiten vorgenommen werden, weil sämmtliche freistehenden Schiffe mit einer 
fufßshohen Schneeschicht bedeckt waren. Auf der Elbe hauste der Sturm eben- 
falls mit großer Gewalt. Die Dampfer der Querfähren konnten, trotzdem sie 
fortwährend mit voller Kraft fuhren, zeitweilig nicht von der Stelle, 
Durch den starken Schneefall, welcher unausgesetzt auch den ganzen Vor- 
mittag anhielt, sind aufserordentlich viel Verkehrsstörungen des Pferdebahnbetriebes 
und auch des Verkehrs anderer Fuhrwerke eingetreten. Mehrere auswärtige 
Omnibusse sind gar nicht eingetroffen. 
7. Januar, Infolge des heftigen westlichen Sturmes, welcher gestern Abend 
und während der Nacht wüthete, trat in der Elbe abermals Hochwasser ein, so 
dafs die niedrig gelegenen Keller überschwemmt wurden. Die üblichen Warnungs- 
schüsse erschallten während der Nacht und heute Morgen. Auch auf dem Fest- 
lande hat der Sturm wieder arge Verwüstungen angerichtet. So wurde unter 
Anderem auf der Eppendorfer Chaussee, bei der Sternschanze u. s. w. die 
Telephonleitung total zerstört; die Drähte legten sich derartig über den Fahr- 
damm, dafs der Wagenverkehr vollständig gesperrt wurde. 
Der Schneesturm, der während der letzten Tage in Schleswig-Holstein 
herrschte, hat auf der Bahnstrecke zwischen Pinneberg und Tornesch eine grofse 
Anzahl Telegraphenstangen umgestürzt und auf das Bahngeleise geworfen. Ver- 
schiedentlich ist dadurch eine Störung des Bahnverkehrs eingetreten, 
Lübeck, den 7. Januar. Infolge grofser Schneefälle ist der Bahnverkehr 
Lübeck-—Eutin—Kiel seit heute Vormittag gesperrt, Auf allen Bahnen erleiden die 
Züge Verspätungen; die Telephonleitungen im Innern der Stadt sind vielfach 
gestört; der Pferdebahnverkehr ist eingestellt. 
_ Flensburg. Eine eigenthümliche Erscheinung war es, dafs gestern Abend 
7 Uhr 55 Min. (am 6.) die Schneelandschaft plötzlich durch einen grellen Blitz 
erhellt wurde, dem ein starker, ‚aber kurzer Donnerschlag auf dem Fufse folgte. 
Damit war das völlig unvermittelt aufgetretene Gewitter auch sofort wieder zu 
Ende. Später in der Nacht, sowie ferner zwischen 7 und 8 Uhr Morgens, soll 
g8 dann noch mehrfach, wenn auch nur mäßig, gedonnert haben. Augenzeugen 
wollen gesehen haben, dafs der Blitz in Gestalt einer Kugel an der Leitung des 
St. Nikolai-Thurmes heruntergeglitten und auf halber Höhe in Funken zerstoben 
sei. Es würde von Interesse sein, zu erfahren, ob diese‘ Wahrnehmung richtig 
gewesen ist. Uebrigens hat es dieser Tage auch in Nordschleswig gewittert; 80 
soll in die Kirche zu Uk bei Apenrade der Blitz eingeschlagen sein, freilich 
ohne Schaden anzurichten. 
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