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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

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Bemerkenswerthe Stürme. 
dafs Freitag früh, etwa 9'/ Uhr, eine von Donner und Blitz begleitete Regenböe, 
der ein kräftiger Hagelschlag folgte, über unsere Stadt ging. 
Auch aus einer Anzahl anderer hannoverscher und oldenburgischer 
Städte wird von Gewittererscheinungen am Freitag berichtet. 
Vegesack. Infolge der stürmischen Winde wurden Fensterscheiben und 
Dachziegel mehrfach zertrümmert, Aeste von den Bäumen gebrochen und Planken 
umgestürzt. Die Weser war in gewaltigem Aufruhr, die schaumgekrönten wilden 
Wogen sandten ihre Spritzer wie Dampfwolken über das Hafenhöft. Den Passagier- 
dampfern des Lloyd war es nicht möglich, hier anzulegen. Auf den Werften 
mufsten die Arbeiten theilweise eingestellt werden, weil die Arbeiter sich im 
Freien auf den Stellagen und anderen erhöhten Punkten nicht zu halten 
vermochten. Auch die Korrektionsbagger waren gezwungen, ihren Betrieb 
einzustellen. 
Bremerhaven. Der Sturm, welcher in den letzten beiden Tagen hier 
mit grofser Heftigkeit herrschte, setzte am Freitag Vormittag} mit erneuter 
Kraft ein und peitschte das Wasser der Weser gegen unsere Deiche und 
Bollwerke. Um 9 Uhr, so berichtet die „Prov.-Ztg.“, reichten bei Hochwasser 
die Fluthen der Geeste bis über die Kaje hinaus, und selbst vier Stunden später 
war von einem Zurücktreten des Wassers noch nichts zu bemerken. Angesichts 
der grofsen Gefahr lagen alle Dampfer auf der Rhede, in den Vorhäfen und in 
der Geeste unaufhörlich unter Dampf. Die heimkehrenden Fischdampfer konnten 
nur mit Noth die Geeste-Einfabrt erreichen, und die „Nymphe“ war sogar 
gezwungen, nach Fehlschlagen des ersten Versuches, die Einfahrt zu erreichen, 
wieder auf die Rhede hinaus zu dampfen; erst gegen Mittag gelang es ihr, 
ainzulaufen. Bei dem vor der Lune errichteten Separationswerk lagen am 
Morgen zwei Bagger. So lange der Sturm aus SW wehte, waren dieselben 
einigermafsen geschützt; da aber der Wind nach rechts drehte, trat Gefahr für 
Jie Bagger ein, und diese nahm von Minute zu Minute zu. Um 9 Uhr Vormittags 
gerieth der eine Bagger bereits ins Treiben, jedoch fingen seine Anker wieder 
auf dem Separationswerke, über welches hinaus der Bagger bereits getrieben 
war. Der Sturm nahm orkanartig mit Regen- und Hagelböen zu. Gegen 10 Uhr 
sank dann plötzlich der etwas höher hinauf liegende zweite Bagger, so dafs in 
wenigen Minuten nichts mehr von ihm zu sehen war. Die an Bord befindliche 
Mannschaft hatte sich schon vorher Lebensretiter umgelegt und eine längsseits 
des Baggers liegende Schute an letzteren gelascht. Als der Bagger sank, sprang 
die Mannschaft auf die Schute, kappte deren Taue und trieb nun mit dem Winde 
dem diesseitigen Ufer zu, wo die Schute von den Wogen auf die Steinböschung 
in der Nähe des Geestemünder Sieles, unmittelbar hinter den Riedemann’schen 
Petroleumtanks, geworfen wurde, wobei es den Leuten gelang, aufs Trockene zu 
kommen. Der ersterwähnte Bagger hielt sich vor seinen Ankern, zeigte jedoch 
am 11 Uhr die Nothflagge, worauf das Bremerhavener Rettungsboot requirirt, 
am 11% Uhr zu Wasser gelassen und vom Dampfer „Hercules“ auf die Rhede 
hinausgeschleppt wurde. Im weiten Bogen brachte der „Hercules“ das Rettungs- 
boot bis auf eine gewisse Distanz oberhalb des in Noth befindlichen Baggers, 
begleitet von den Blicken von über zweihundert Menschen, welche, trotz des 
fürchterlichen Wetters, auf dem Geestemünder Aufsendeich Stand hielten und 
dem zwar grauenhaften, aber doch grofsartigen Schauspiele zusahen. Dann sah 
man das Rettungsboot von dem Dampfer abstofsen, die Mannschaft setzte das 
Ruder kräftig ein, und mit erleichtertem Herzen sahen die Beobachter das Boot, 
welches wie eine Nufsschale bald oben auf den Wellen erschien, bald den Blicken 
gänzlich entschwunden war, etwa zwanzig Minuten später den Bagger erreichen 
und ein Tau von demselben auswerfen. Die gesammte Besatzung des Baggers, 
sieben Mann, wurden ins Rettungsboot aufgenommen und über eine Stunde später 
in der Geeste glücklich gelandet. Die neue Wellblech-Wärterbude beim Bahn- 
übergang im Leher Freigebiet hat der Sturm abgedeckt und so schwer beschädigt, 
dafs sie an der Seite gestützt werden mufste. Die Lloydhalle und ihre Umgegend 
hatte unter dem Wasser der andringenden Sturmfluth schwer zu leiden. Die 
Telephonleitungen wurden mehrfach gestört. 
Aus dem Lande Stormarn. Die Strohdächer der ländlichen Gebäude 
anserer Dörfer sind von dem Sturme arg beschädigt, und manche alte Kathe
	        
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