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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Bemerkenswerthe Stürme, 
4Ö 
Am 10. Dezember 8* p. m. lag das Minimum, nordostwärts fortschreitend, 
an der norwegischen Küste in der Nähe von Christiansund, an seiner Südwest- 
seite einen Ausläufer entsendend, welcher auf unserer Wetterkarte nördlich von 
Schottland deutlich erkennbar ist. Der westöstliche Verlauf der Isobaren über 
dem Nordseegebiete, sowie die erhebliche Wärmezunahme nach Süden hin, liefsen 
vermuthen, dafs diese Störung ostwärts fortschreiten und unsere Küste mit Sturm 
gefährden würde, und daher wurde in Anbetracht der drohenden Gefahr am 
Abend des 10. Dezember zunächst: die Küstenstrecke von Borkum bis Rügen 
gewarnt, welche Warnung am 11. um Mittag auf die übrige deutsche Küste 
ausgedehnt wurde. 
Der Sturm begann in der Nordsee am 11. Dezember schon in den frühen 
Morgenstunden, mit Sturmböen einsetzend und von Regen-, Graupeln- und Hagel- 
schauern, sowie auch von Gewittererscheinungen begleitet, welchen Witterungs- 
charakter derselbe während seines ganzen Verlaufes beibehielt. 
Seine größte Heftigkeit erreichte der Sturm 
auf Borkum von 8 bis 9ha.m,., . 
zu Wilhelmshaven von 9 bis 10* a. m., 
zu Keitum (auf Sylt) von 11 bis 12* a. m., 
zu Hamburg um 11° a, m,, 
zu Kiel von 12 bis 1” p.m., 
zu Wustrow von 1 bis 2* p.m., 
zu Swinemünde von 1 bis 2* p. m., 
am Wittower Posthause um 3* 20 m. p. m., 
zu Arkona zwischen 4-und 5* p. m., 
zu Colbergermünde um 4* p.m., 
zu Stolpmünde um 9* p. m.,, 
zu Neufahrwasser zwischen 7 und 8* p. m., 
zu Hela um 8* p. m. 
Man bemerkt hierbei ein rasches Fortschreiten des Feldes gröfster Wind- 
stärke von West nach Ost, wobei bei den nördlicher gelegenen Orten eine Ver- 
zögerung stattfindet. Fast an der ganzen deutschen Küste erreichte der Sturm 
eine aulserordentliche Gewalt, so dafs von den meisten Stationen der Charakter 
der Sturmböen als orkanartig bezeichnet und meistens die Windstärke 11 der 
Beaufort’schen Skala angegeben wurde, 
Die TabelleI (S. 48) giebt den Gang des Luftdruckes, die Tabelle II denjenigen 
derRichtung und Stärke des Windes am 11. Dezember. Die Barometerstände sind nicht 
auf das Meeresniveau reduzirt. Für die Reduktion derselben auf das Meeresniveau 
sind folgende Gröfsen zu addiren: für Borkum 0,9, Wilhelmshaven 0,8, Keitum 
1,0, Hamburg 2,4, Kiel 4,4, Wustrow 0,5, Swinemünde 0,9, Neufahrwasser 0,4 
und Memel 0,4 mm. — Das Minimum des Luftdruckes trat ein zu Borkum um 
7% a, m., zu Keitum und Hamburg um 10* a. m., zu Kiel um 11® a. m., zu Wustrow 
und Swinemünde um 1* p. m., zu Neufahrwasser um 6" p. m., zu Memel um 11® 
p. m., so dafs also das Maximum der Windstärke erst nach Eintritt des tiefsten 
Barometerstandes erfolgte. 
In der nachstehenden Tabelle (Seite 50) stellen wir übersichtlich zusammen: 
1. die größte mittlere stündliche Windgeschwindigkeit während des Sturmes am 
11. Dezember 1891 (nach Tabelle 11), 2. die untere Grenze, an welcher die 
Winde an jeder dieser Stationen, je nach Aufstellung der Anemometer, als 
stürmisch bezeichnet werden müssen, 3. die Abweichungen der unter 1. angegebenen 
Werthe von der unteren Sturmgrenze und 4. die größten Windgeschwindigkeiten, 
welche in dem Zeitraume von 1876 bis 1892 durch die Anemometer registrirt wurden, 
soweit ich sie ermitteln konnte. Es sei noch bemerkt, dafs sich alle diese An- 
gaben auf stündliche Mittelwerthe beziehen. 
Man sieht aus dieser Tabelle, dafs die Windgeschwindigkeiten während 
des: Sturmes am 11. Dezember 1891 extrem grofs sind.. Berücksichtigen wir 
noch dabei, dafs die oben angegebenen Zahlen stündliche Mittel sind, bei denen 
also die Heftigkeit der einzelnen Böen nicht zum vollen Ausdrucke kommt, dafs wir 
es aber hier mit sehr ausgesprochenen Böen zu thun haben, so ist einleuchtend, dafs 
diese Maxima weit hinter ihrem wirklichen Werthe zurückbleiben. Nach den 
Beobachtungen der Windstärken in den einzelnen Böen kann man jenen Maximal- 
geschwindigkeiten noch ein volles Drittel des Betrages hinzutügen, Der. mittlere
	        
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