Die Karte der Linien gleicher magnetischer Deklination für 1890,0,
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Karten zur Verwendung gelangte, kann füglich auf das verwiesen werden, was
in den genannten beiden: Werken: („Der Kompafs an Bord“ Seite 32 u. ff, und
„Berghaus’ Physikalischer Atlas, Abtheilung IV.“ Seite 5u. ff.) über diesen
Gegenstand gesagt worden .ist. Auch an anderer Stelle wurde Veranlassung
genommen, über-die Konstruktion: der magnetischen Karten für 1885 zu sprechen,
so unter Anderem in den Vorträgen, welche von Dr. Neumayer vor dem. VIN,
und IX. .Deutschen Geographentag gehalten‘ worden sind. Kine besondere :Be-
tonung wurde bei allen. diesen‘ Veröffentlichungen :der Feststellung der‘ Werthe
der. Säkularänderungen in den verschiedenen Gebieten ; der Erde gewidmet
und dargethan,. in welcher Weise die Reduktion‘ auf eine Normalepoche
(1885,0) ausgeführt wurde: Aus’ den diesbezüglichen Untersuchungen‘ ergaben
sich zwei wesentliche Gesichtspunkte, welche nach Ueberzeugung des Verfertigers
der Karten zu beachten waren, wenn für die Folge wirklich Gutes und den An-
forderungen‘ Entsprechendes ‘auf diesem Gebiete gewonnen werden ‚sollte.‘ Der
erste dieser Gesichtspunkte ergab sich aus der Erkenntnifs, dafs wir hinsichtlich
der Vertheilung der magnetischen Kraftwirkungen der Erde und .des Verlaufes
der .terrestrischen isomagnetischen Linien auf derselben noch weit von einer
genauen Kenntnifs der erforderlichen Grundlagen uns befinden und überall werth-
volle Beobachtungen nothwendig sind, um die Kurven mit der wünschenswerthen
Sicherheit niederlegen zu können. ‚Dafs es hierbei vor Allem auf eine systematische
Ausfüllung der noch bestehenden Lücken ankommen würde, bedarf kaum’ einer
näheren Begründung. Allein auch dieses wichtige Desiderat wird der gründlichen
Rechnungtragung noch lange entbehren müssen, und so kommt es denn zunächst
nur darauf an, mit Gewissenhaftigkeit alles das an neuerem Material zu sammeln,
was von irgend einem Orte der Erde gewonnen und in seinem Werthe verbürgt
werden kann... Als zweiten Gesichtspunkt möchten wir ferneren Bearbeitungen
der erdmagnetischen Verhältnisse die systematische, fortlaufende Buchung des
neu gewonnenen Materials zusammen mit den erforderlichen Reduktionselementen
dringend empfehlen. Nur dadurch allein wird es möglich, wenn die Beobachtungen
nach Gebieten oder Zonen der Erde geordnet sind, einen «kritischen Ueberblick
zu gewinnen oder zu bewahren, den Veränderungen in den Werthen. der erd-
magnetischen Elemente zu folgen und denselben Rechnung zu tragen. Auch die
lokalen Störungen gröfserer und kleinerer Natur können auf diesem Wege in
wirksamer Weise verfolgt und je nach Bedürfnifs: bei: der Konstruktion der
Karten berücksichtigt werden.
Gleich nach Vollendung der Arbeiten für das Jahr 1885 wurde daran
gegangen, bei den ferneren Arbeiten den beiden hervorgehobenen Gesichtspunkten
gründlichst Rechnung zu tragen. Da seit dem Erscheinen der Karten für das
Jahr 1885,0 sich eine erhöhte Thätigkeit auf dem Gebiete der erdmagnetischen
Forschung zu erkennen gab, was zu einem guten Theile den über die inter-
nationale Polarforschung (1882—1883) erschienenen Veröffentlichungen und An-
regungen zugeschrieben werden darf, so waren die Arbeiten, welche auf die
Konstruktion neuerer magnetischer Karten gerichtet sind, auch umfangreicher Natur.
Die oben genannte Karte der Linien gleicher magnetischer Deklination
verdankt zunächst dem Bedürfnisse der praktischen Navigation, für eine neuere
Epoche die Werthe dieses wichtigsten magnetischen Elementes zu besitzen, ihre
Entstehung, Nicht nur, dafs es überhaupt wünschenswerth ist, die Reduktion
der Werthe älterer Karten. für die Zeit des Gebrauches zu vermeiden, also Karten
neuesten Datums zu besitzen, ist auch unterdessen so viel zusammengetragen
worden, was es ermöglichte, vorhandene Lücken auszufüllen, irrige Auffassungen
und Angaben früherer Arbeiten zu verbessern und auszumerzen. Auch. über
lokale Unregelmäfsigkeiten konnte nun‘ mancher neueren Anschauung Rechnung
getragen werden.
Es ist vielleicht hier am Orte, kurz die Gründe zu erörtern, weshalb für
die Karte die Epoche 1890,0, und ‚nicht etwa eine noch spätere gewählt wurde,
und daran anknüpfend, die hauptsächlichsten Reihen von magnetischen Beob-
achtungen - neuester Zeit, die bei der. Konstruktion der Isogonen verwendet
wurden, namhaft zu machen. a a
Unter diesen Gründen führen wir in erster Linie an, dafs von dem
„Geodetic Survey“ der Vereinigten Staaten von‘ Amerika werthvolle“ Arbeiten
über die magnetischen Verhältnisse des Staatengebietes für 1890 herausgegeben
Ann. d. Hydr. ete., 1892, Heft 1,