Börgen: Ueber die Berechnung eines einzelnen Hoch- oder Niedrig wassers. 13
Korrektionen sind, welche zusammengefafst als Lokalkonstante aufgefafst werden
können. Ist A die Länge des Orts von Greenwich (westlich +, östlich — ge-
rechnet) in Stunden und Bruchtheilen und w = EP die in Zeit
verwandelte mittlere Hafenzeit, so sind den für Greenwich gefundenen Zahlen
die folgenden Lokalkonstanten hinzuzufügen, um die anzuwendenden Werthe von
T, 8, + 02, No + Va, Ka + %z U. 8. W. ZU erhalten.
(25)
A
+2.10-2
8; + 1,016° (2 + wW) + 02
7. 0544 + (1 4 6) + 92
[K- + 1,098 + (2 + WW) 4 *g
X 10,544 + (21 + wW) + 22
Kı: + 0,549°. (4 + WW) — x,
O0: —1098 + (4 + w) + w,
P :—0082 «(4 + ww) + x,
Q: — 1642.01 41u) 4X,
(2) : (1)
Diese Werthe und die Koefficienten AN d, und A, sowie deren
N 2 1 1
dreistellige Logarithmen und die Größe A, werden in einer wegen der wechseln-
den Faktoren f%, f und f, gleichfalls jährlich zu veröffentlichenden Tabelle für
alle Orte, für welche die harmonischen Konstanten abgeleitet worden sind, zu-
sammengestellt.?)
Um die Berechnung des ersten und zweiten Niedrigwassers und des zweiten
Hochwassers zu erleichtern, giebt die Ephemeride auch die Aenderungen von
Sa, No, kz u. 8. W. in 612,6“, 12*25,2 und 18"37,8, um welche Intervalle
diese Phasen im Mittel später eintreten als das erste Hochwasser.
Was die Höhe des Mittelwassers über dem Niveau der Lothungen in den
Karten oder die Größe Ay betrifft, so setzen wir in Uebereinstimmung mit
einem Vorschlage von Professor G. H. Darwin, welcher in den. „Indian tide-
tables“ zur Anwendung gelangi, Ay = M, +5, +K,-+O, d.h. gleich der
Summe der vier Haupttiden. Diese Definition von A, ist in sehr naher Ueber-
einstimmung mit dem bei Eintragung von Lothungen in die Karten durchweg zur
Anwendung kommenden Niveau der mittleren Springebbe und hat den Vorzug
einer streng wissenschaftlichen Begründung. An einigen Orten, namentlich
solchen, die an Flulßsmündungen oder in Monsungegenden gelegen sind, zeigt der
mittlere Wasserstand eine Veränderlichkeit, welche ihn in der einen Hälfte des
Jahres wesentlich unter den oben definirten Werth erniedrigt, in der anderen
Hälfte ebenso. viel über denselben erhöht. In diesen Fällen sind in den Am-
merkungen zu der Liste der Lokalkonstanten die in den einzelnen Monaten an-
zuwendenden A, angegeben.
Umstehend geben wir einen Auszug aus der Ephemeride für 1889, welche
wir bei den unten folgenden Beispielen gebrauchen werden (s.. Tab. auf S. 13),
Bei der weiteren Rechnung nach den Gleichungen (19) bis (24) können
verschiedene Methoden zur Anwendung kommen, von welchen jede ihre beson-
deren Vorzüge hat und die wir im Nachfolgenden darlegen und durch Beispiele
erläutern wollen. Die Beispiele sind für den Hafen von Aden gerechnet, und die
Resultate werden mit den Angaben der „Tide-table for the port of Aden for the
year 1889“?) verglichen werden, wobei wir der Bequemlichkeit der Vergleichung
halber englisches Fulsmafßs beibehalten. Aden wurde gewählt, weil die eintägigen
Tiden hier so grofßs werden können, dafs zeitweilig nur ein Hoch- und ein
Niedrigwasser im Tage stattfindet, daher sehr lehrreiche Beispiele entnommen
werden konnten. Im Nachfolgenden wird nur ein kleiner Theil der vom Verfasser
dieses gerechneten Beispiele gegeben, weil die hier aufgeführten genügen, um
die Anwendung der Methoden und zugleich auch den Charakter der Gezeiten in
Aden zu zeigen.
{. Die erste Methode ist wohl diejenige, welche dem Seemanne am
wenigsten ungewöhnliche Arbeit zumuthet, da sie sich in ihrem Haupttheil mit
einer Koppelkursrechnung deckt. Sie setzt demnach den Gebrauch einer nach
Graden angelegten Koppeltafel (Gradtafel) voraus, wie sie sich in Domcke’s
nautischen Tabellen und in Behrmann’s: Nautische, astronomische etc. Tafeln
1) Siehe Anhang S. 43, 44.
2%) Theil der „„Tide-Cables for the Indian ports. 1889.“No full text available for this image
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