Hydrographische Notizen von der Westküste von Afrika,
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Island, dessen Leuchtthurm 12 Sm achteraus noch zu sehen war, während die
Berge hinter Kapstadt schon verschwunden waren, nahm .die Dünung etwas ab
und ging erst weiter herunter, als der Abstand von Land nach Passiren des
Kaps Paternoster sich vergröfserte. Auf Dassen-Insel, die auf ca 5 Sm westlich
passirt wurde, war man mit dem Erbauen eines Leuchtthurms beschäftigt, der in
diesem Winter noch in Betrieb gesetzt werden soll. [
Querab von der Saldanha-Bai, deren Kaps und vorgelagerte Inseln bei
ca 10 Sm Entfernung noch gut zu Peilungen zu verwenden waren, wurde gegen
Sonnenuntergang der Kurs auf NzO!/20 geändert... Am 17. Juli 4* wurde in
0%/N 10Sm von der sich gut markirenden Hondeclip-Bai N’40 und am 18. Juli
direkt auf Port Nolloth zu gesteuert, Die ganze Küste war in eine Nebelbank
gehüllt, welche sowohl das Ausmachen des Hafens sehr erschwerte, als auch
grofse Fehler im Schätzen der Entfernung vom Lande verursachte. Während
diese auf der Mittelwache als sehr grofs angenommen war, glaubte man in der
Morgendämmerung grofse Steine und das hinter den Dünen sich erstreckende
hohe Land ganz dicht zu sehen und überzeugte sich erst bei Tagesanbruch davon;
dafs der Abstand von der Küste bedeutend gröfser war. Port Nolloth; ebenfalls
durch die Nebelschicht verdeckt, wurde auf ca 9 Sm durch die auffallenden Sand-
hügel, das nördlich vom Hafen dicht an die Küste herantretende höhere Land
und das Vorhandensein zweier vor Anker liegender‘ Schiffe erkannt. Die Süd-
bake erschien auf ca 1,5 Sm Entfernung, die anderen erst kurz vor der Einfahrt,
Die Dünung nahm bei der Annäherung an Land wieder zu, auf dem Riff stand
ziemliche Brandung, während die Einfahrt für Boote zu passiren war. Nach
kurzer Rekognoscirung wurde Kurs auf Angra Pequena genommen. Die Mündung
des Orange River, von der in Karte Titel VIII: No. 21 eine Vertonung im
Abstande von 6 Sm verzeichnet ist, ließ sich nach ca 20 Sm Entfernung . für
Peilungszwecke genügend gut ausmachen.
Am 19. Juli wurde um Mittag nach Angra Pequena gesteuert, nachdem
vorher durch Peilungen des Albatros Hill und des Possession Island das Besteck
kontrolirt war, und im Robert-Hafen geankert. Die eingezeichneten und früher
berichteten Flaggenstangen, Kreuze ete. wurden sämmtlich vorgefunden. Nach
der Menge der auf Halifax- und Penguin-Insel lagernden Guanosäcke zu schließen,
ist der Handel hiermit im besten Gange, dagegen scheint der Fischfang, wie ein
selbst angestellter Versuch ergab und der dort befindliche Fischer bestätigte,
bedeutend nachgelassen zu haben. Auch der Handel mit Kapstadt beschränkt
sich nur noch auf einige bessere Fischsorten. Da es sich herausgestellt hat,
dafs die jetzige Anlegestelle im Robert-Hafen für den Verkehr mit Schiffen
erhebliche Schwierigkeiten bietet, so geht die deutsche Kolonialgesellschaft für
Südwest-Afrika mit dem Gedanken um, die Gebäude an die Stelle der heutigen
Fischerei, gegenüber der Südspitze von Shark Island zu verlegen. Diese Stelle
ist auf dem Plan der Karte Titel VIII: No. 16 schon mit „good landing“ be-
zeichnet und entspricht, wie eine Besichtigung und Auslothung ergeben hat, in see-
männischer Beziehung allen Anforderungen. Geschützt ist sie durch vorliegende
Felsen gegen Seegang aus jeder Richtung, hat beim niedrigsten Wasserstand
genügende Tiefe, auch für beladene Boote, und daher dürfte in diesem Falle ein
Wiederaufbau der durch den heftigen Seegang im Robert-Hafen zerstörten Pier
nicht nöthig sein. Ob der Ankerplatz vor diesem Bootshafen für Schiffe dem
hinter Penguin-Insel befindlichen vorzuziehen ist, kann. nur durch die Praxis fest-
gestellt werden. .
2. Wind und Strom. Beim Verlassen des Hafens von Kapstadt wehte
ESE, der über SW nach West sprang und dann in einen ganz unbestimmten
nördlichen Wind überging. Die Stärke blieb 1 bis 2. Von Kap Paternoster bis
Hondeclip wehten zuerst leichte nordwestliche, später nordöstliche Winde; dann
für acht Stunden SSW und SSE, denen bei Port Nolloth Stille folgte. Diese blieb
bis Nachts um 11° den 18. Juli, zu welcher Zeit ein südsüdöstlicher Wind
(2 bis 3) einsetzte. In Angra Pequena wurde, mit Ausnahme von 2" bis 5" nachts,
wo SE (3) wehte, während des 24stündigen Aufenthaltes nur Windstille ange-
troffen. Der Strom wurde während der ganzen Reise schwächer, als er nach der
Segelanweisung laufen soll, beobachtet. Er betrug von Kapstadt bis Hondeclip
bei einem mittleren Abstande von 10Sm N12°W 0,6Sm pro Stunde, . Von
Hondeclip nach Port Nolloth N 1° W 0,4Sm. Zwischen letztgenanntem Punkte
Ann. d. Hvdr. ete.. 1892, Heft XII.