accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Eismann: Beschreibung der Nordküste von Formosa. 
411 
kennen zu lernen. Die astronomischen Bestimmungen der Breite und Länge 
sind mit den besten Instrumenten und nach‘ einem Chronometer gemacht, dessen 
Gang und Stand stets auf das Genaueste bekannt war, und sind, wenn möglich, 
öfter wiederholt worden. 
Die Nordküste von Formosa ist für Schiffe, die in dieser Gegend unbe- 
kannt sind, manchmal sehr schlecht anzusegeln, zumal da während des NO-Mon- 
suns dieser Küstenstrich des vielen Regens wegen schlecht zu sichten ist. Es 
ist daher von Vortheil, sich beim Sichten irgend eines Landobjekts schnell 
orientiren zu können und den Schiffsort in die Karte einzutragen, Ich möchte 
hier noch auf eins aufmerksam machen, nämlich auf die Beobachtung des Nord- 
sterns. Diese Breitenbestimmung ist überhaupt für die ganze chinesische Küsten- 
fahrt von sehr hoher Bedeutung, da man fast alle Häfen auf Breite ansegeln 
kann, Ich begreife nicht, dafs man noch heutzutage so vielem Mifstrauen gegen 
diese Breitenbestimmung unter Seeleuten begegnet. Ich habe mit einem guten 
Sextanten und Sternfernrohr stets ganz genaue Resultate erzielt, nachdem ich 
erst einige Uebung in diesen Beobachtungen erlangt hatte. 
Ich beginne im Westen mit Table Hill (Position: 24° 54,2’ N-Br und 
120° 57,3‘ O-Lg), der sich 108 m hoch als eine gute Landmarke aus der hier 
sonst flachen Küstenstrecke hervorhebt. Von Süden kommend bildet er den 
Anblick eines geraden Bergrückens, der sich allmählich gegen den Strand senkt. 
Querab erscheint er recht hügelig und ist bei einigermaßen hellen Nächten gut 
zu erkennen. 
Von Table Hill Hegt Paksa Point rw. NN0'.O in 10 Sm Entfernung. 
Er bildet die nordwestlichste Spitze von Formosa und hebt sich . kuppenförmig 
aus seiner Umgebung hervor. Von hier beginnt die Küste zerrissen und bergig 
zu werden, allmählich ansteigend bis Tamsui, ein an der oberen Kante fast ge- 
rades Hochland - bildend, dessen höchster Endpunkt die Umgegend von Tamsui 
ist, während den niedrigsten Paksa Point bildet. 
Tamsui-Hafen ist jetzt leicht auszumachen. Wenn man so weit nördlich 
steht, dafs Tatum Hill (840 m) frei kommt von Tamsui Hill (416 m), bietet die 
Einfahrt in den Hafen den Anblick eines Felsenthors zwischen zwei hohen Bergen. 
Tamsui Hill oder Kuan-yiu (416m) ist ein oben ziemlich spitz zulaufender 
Berg, sein nach Tamsui zu sich allmählich senkender Fuß bildet das südliche 
Ufer dieses Hafens. Dieses Ufer bildet bei Niedrigwasser ein grofses Watt, auf 
welchem sich viele Austernbänke befinden, die regelmäßig gepflegt und abge- 
erntet werden. Das nördliche Ufer ist flach und sandig, nach dem Innern zu 
allmählich ansteigend. Im Hintergrunde des Hafens erblickt man Tatum Hill. 
Tamsui-Hafen wird gebildet von der Mündung des Tamsui-Flusses. Dieser 
Fluß bildet vor Tamsui-Hafen eine Barre von ungefähr 1 Sm Ausdehnung. Das 
richtige Fahrwasser über diese Barre wird im Norden durch eine schwarze, 
im Süden durch eine rothe Boje bezeichnet und ist ungefähr 1 Kabllg. breit. 
Nähert man sich dem Hafen unter Lootsenflagge, so kommt sofort ein chinesischer 
Lootse im Sampan heraus, und es wird am Signalmast des Zollhauses durch 
Signale gezeigt, ob steigend oder fallend Wasser ist und wie viel Fufs sich zur 
Zeit auf der Barre befinden. Diese Signale werden so lange gemäfls dem Wachsen 
oder Fallen des Wassers gewechselt, wie das Schiff draufsen ist, oder‘ bis man 
die Gewißbheit erlangt hat, dafs das Schiff mit dieser Gezeit nicht hereinkommen 
kann... Eine Beschreibung der Signale gebe ich am Schlusse dieses Aufsatzes, 
An Lootsen befinden sich augenblicklich zwei Chinesen in Tamsui, Vater 
und Sohn. Letzterer ist ein durchaus zuverlässiger Mann, während der Vater 
ein starker Opiumsauger ist und man ihm daher wenig vertrauen kann. ; 
Ist man gezwungen, wegen nicht genügender Wassertiefe auf der Barre 
draufsen zu ankern, so ist ein sehr guter Ankerplatz für Dampfer, wo die 
schwarze Boje rw. SzO und eine chinesische Bake (kleine Steinpyramide.. von 
tiefschwarzer Färbung, die sich am flachen Nordufer befindet) rw. Ost peilt. 
Auf diesem Ankerplatz befinden sich 5 Fad. Wasser. Segelschiffe sollten aber 
etwas weiter außen ankern, wo sich 7 bis 8 Fad. Wasser befinden, 
Man sollte nie ohne Noth versuchen, in den Hafen ohne Lootsen einzulaufen, da 
die Barre sich oft ändert und somit das Lootsen eine besondere Ortskenntnifs er- 
fordert. Da man aber den Lootsen hier stets kontroliren mufs, es aufserdem
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.