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„Nautilus“ lag quer im Kanal, der Wind war West, und der. Platz zum
vorwärts und rückwärts gehen betrug nicht mehr wie eine Schiffslänge. Bei
gut drehenden Schiffen und sicher arbeitenden Maschinen ist dies aber aus-
'‚eichend, um mit Vor- und Rückwärtsschlagen der Maschine das Schiff so
weit zu drehen, dass die Vorsegel zur Wirkung kommen. Es wurde deshalb
erst die Kette kurz eingehängt, dann mit an Bord gelegtem Ruder über die
Kette gedampft, bis das Schiff ziemlich quer lag, darauf das Schiff mit den
Vorsegeln: gestützt und der Anker gelichtet. So sicher dieses Manöver auch
ıst, um bei östlichem Winde aus dem Hafen zu kommen, so kann unter
Umständen dabei leicht das Kupfer beschädigt werden.
2. Der Hafen von Rhodus ist, — wie der Commandant S. M. Kbt.
„Nautilus“, Corvetten-Capitain Valois berichtet, — von NNW bis SE allen Winden
ausgesetzt, und selbst, wenn man so weit wie möglich zwischen dem Fort St, Eimo,
auf dem ein weisses Drehfeuer, mit Intervallen von einer Minute und dessen helles
Licht 8 bis 9 Sekunden anhält, brennt‘), und dem Fort St. Angelo hineingeht,
bleibt immer noch der Ankerplatz gegen Nord- bis Ost-Winde ungeschützt.
Tershanch, der sogenannte Kriegshafen, ist ziemlich versandet und sehr wenig
yzeräumig, ungefähr 2 Kblg. lang und 1 Kblg. breit; die Einfahrt ist beinahe
30 schmal wie eine Schleuse (ungefähr 30 Met.).und könnte dies eventuell der
Platz des ehemaligen Koloss von Rhodus gewesen sein. Die Stadt terrassen-
örmig nach dem Meere zu abfallend, macht von aussen einen überraschend
schönen, grossartigen und reinlichen Eindruck. Viele der Häuser liegen in
Gärten, in denen zahlreiche schöne Palmen über die andern Bäume und Sträu-
sher sich erheben, Die Befestigungen tragen den Charakter des Mittelalters an
zich, überall cannelirte Mauern mit vielen kleinen Thürmen.
Das Innere der Stadt macht im grellsten Gegensatze zu der äusseren
Erscheinung den Eindruck nicht nur der Verwilderung, sondern völliger Ver-
wüstung.. Ganze Strassen liegen in Trümmern; die Ritterstrasse in der die
Portale und Wappen meistens noch erkennbar sind, macht den Eindruck eines
aus Schutt und Trümmern ausgegrabenen Stadttheils. Erdbeben und die letzte
Zulverexplosion im Jahre 1856 sind die äussern Ursachen dieses Verfalls,
leren Spuren auch wohl nicht so leicht verschwinden werden. Die eigentliche
Stadt ist von zwei Mauern umgeben und zerfällt in die Türken- und in die Juden-
stadt. Die Europäer, deren Anzahl sehr gering ist, wohnen ausserhalb der
Stadt beim sogenannten Kriegshafen Tershaneh, wo sich auch die Quarantaine-
Behörde befindet.
Sehr auffallend ist die grosse Anzahl von Windmühlen, Capitain Valois
zählte deren 29 in und vor der Stadt, ausserdem noch 3 im Fort St. Elmo
ınd 3 im Fort St. Angelo. Da die ganze Insel nur 28,000 Einwohner zählt,
30 möchte hieraus weniger auf die grosse Production von Mehl ete., als auf
die mangelhafte Einrichtung der Mühlen zu schliessen sein. Dieselben sind
alle grosse, massive Bauten und würden ohne die hier gebräuchlichen 6 Flügel,
wie MartelloThürme aussehen.
Der Nationalität nach theilt sich die Bevölkerung der Insel in 20,000
Griechen, die auf dem Lande leben, 6000 Türken und 2000 Juden in der Stadt
Rhodus.
Das einzige Gebäude von Bedeutung, ist eine Sommer-Residenz des
Khedive von Aegypten, dessen Familie in der Regel die Monate Juni und Juli
hier zubringt.
Der Handel von Rhodus ist sehr unbedeutend, es besitzt nur einige
Wichtigkeit in Folge seiner Lage, es ist ein Transit-Depot für viele kleine
asiatische Plätze und Inseln. Der österreichische Lloyd, die Messagerie mari-
äme und die russische Odessa-Linie laufen regelmässig den Hafen an.
Dicht an der Küste steht ein einzelnes Gebäude, welches auf weite Ent-
ferung hin eine gute Landmarke abgiebt.
3, Ankerplatz bei Gibraltar. ?) Der Commandant S. M. S. „Medusa“,
Dorvetten-Capitain Zirzow, berichtet über den besten Ankerplatz bei Gibraltar:
‘) Der Leuchtthurm auf S“, Elmo ist von konischer Gestalt, weiss angestrichen und massiv,
?) S. The Mediterranean Pilot, Vol. I. (1873) pag. 46.