Mazelle: Ueber die Windverhältnisse zu Triest.
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verkehr: im Laufe der nächsten Jahrhunderte anwachsen wird, welche Voll-
kommenheiten in dem Betriebe desselben sich als möglich erweisen werden. Das
Eine aber kann mit Bestimmtheit als feststehend angesehen werden, dafs die
Welt mit der Feier der Entdeckung der Neuen Welt auch die Zeit des Wende-
punktes in dem Verkehrsleben der Völker der Erde zu feiern hat. Durch die
Entdeckung Amerikas wurde der Verkehr zur See im Geiste der modernen Zeit
erst eröffnet, nun kann man mit voller Berechtigung es aussprechen, die Meere
trennen die Völker nicht, sie bringen sie zusammen. Welch mächtigen Einflufs
die Bewahrheitung dieses Satzes auf die Kultur der Menschheit äußern mufs, das
nachzuweisen, dürfte nicht allzu schwierig sein. G. Neumayer.
Ueber die Windverhältnisse zu Triest,
Von EDUARD MAZELLE.
(Schlufs.)
So‘ grofs die Aehnlichkeit der täglichen Gangkurven in den extremen
Jahreszeiten für die drei übrigen Komponenten ist, so grundverschieden erscheinen
die Gangkurven für den NE. Auf diese Komponente wurde für die extremen
Jahreszeiten Bessels Ausgleichsrechnung angewendet. Die berechneten Gleichungen
lauten:
NE, Winter: y = 1418,6 + 1,57450 sin (204° 48‘ + x-15°) + 1,37749 sin (176° 24' + x+30°)
+ 0,82354 sin (125° 50' + x + 45°)
NE, Sommer: y = 608,9 + 1,95582 sin (14° 37‘ + x- 15°) + 165210 sin (216° 2‘ + x + 30°)
+ 1,25020 sin (68° 55' + x + 45°).
Im Winter befindet sich die Kurve während des Nachmittags, im Sommer
hingegen Vormittags oberhalb der Mittellinie. Die Kurve übersteigt den Mittel-
werth im Winter um 9a, erreicht das Maximum um 9:23” Abends und
sinkt nach Mitternacht unter den Mittelwerth, um das Minimum um 4% 24"
Morgens zu erreichen. Im Sommer hingegen beginnt die Kurve sich vor Mitter-
nacht über das Mittel zu erheben, erreicht um 8° 26" Morgens das Maximum,
fällt vor Mittag unter den Mittelwerth und erreicht das Minimum um 3" 5”
Nachmittags. Bei der NE-Komponente zeigt sich für den Winter noch ein
sekundäres Maximum um 11® Vormittags und ein Minimum um 1* 14” Nach-
mittags. Beide Gangkurven. geben für das Jahresmittel eine Interferenzkurve,
welche ein Maximam zwischen 8 bis 9% Vormittags und ein zweites Maximum
um Mitternacht aufweist. — Die tägliche Schwankung ist im Sommer deutlicher
ausgeprägt als im Winter.
Aus den Tabellen der zurückgelegten Windwege und der Häufigkeit konnte
der tägliche Gang der mittleren Geschwindigkeit der einzelnen Wind-
richtungen abgeleitet werden. Im Jahresmittel erreichen alle Windrichtungen
mit Ausnahme des Nord ein Stärkemaximum zwischen Mittag und 4*p. Hervor-
zuheben sind die Doppelmaxima für die Winde aus Süd, SW, West, NW zwischen 11*
Nachts bis 2° früh. Dieses Nachtmaximum ist für den West und NW sogar größer
als das Mittagsmazimum. Der Nordwind zeigt einen ganz unregelmäfsigen Gang.
Diese Unregelmäfsigkeit wird aber durch die Seltenheit des Vorkommens erklärt
and auch durch die Ablesung des: Casellaschen Anemographenstreifens. Es er-
scheint oft bei starker Bora wegen Schwankungen der Windfahne der Wind-
pfeil in der Richtung NNE, selbst N, gedruckt, beim Registriren kann dann oft
N statt NE in den Autographenbogen eingetragen werden. Was die Größe der
mittleren Geschwindigkeit anbelangt, so ist der NE allen anderen weitaus über-
legen. Der Scirocco, der zweite vorherrschende Wind, erscheint mit einer geringen
mittleren Geschwindigkeit, was durch die Lage des Anemographen . bedingt sein
dürfte; eine Bodenerhebung schützt die ganze Stadt vor dem Seirocco. Auf dem
Meere, schon in geringer Entfernung vom Ufer, weht der Scirocco mit einer Stärke,
die in der Stadt nie wahrgenommen werden kann.