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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Die Entdeckung Amerikas, ein Wendepunkt im Verkehr der Völker der Erde. 399 
unbekannt geblieben sind oder doch von ihm nicht beachtet wurden. Wir wissen 
sowohl aus des Toscanelli Arbeiten, wie aus jenen Martin Behaims und anderer 
zeitgenössischer Kosmographen, wie sehr man sich über die Entfernung der 
Westküste Spaniens von den Küsten Chinas oder von Japan täuschte, indem die 
neu entdeckten Inseln als zu Ostasien gehörend aufgefafst wurden. Columbus 
und Martin Behaim starben bekanntlich beide in dem Glauben, dafs die Inseln 
Westindiens in das Bereich Ostasiens gehörten, 
Das 16. und 17. Jahrhundert legen ein beredtes Zeugnifs dafür ab, wie 
sich mit einem Schlage nach der Entdeckung Amerikas und der Auffindung ‘des 
Seeweges nach Ostindien um das Kap der kulturgeschichtliche Horizont der 
Menschheit erweiterte. An die Stelle mühsamer Karawanenzüge durch unwegsame 
Gebirgsländer oder Steppen und wasserlose Wüsten trat nun ein neu auflebender 
Seeverkehr. Zunächst bildeten die Portugiesen ihre Handelsverbindungen nach 
Vorderindien mächtig aus und führten vernichtende Kämpfe mit den Arabern, 
welche aus dem Rothen Meer, dem Arabischen und Persischen Meerbusen und 
von den Verkehrswegen nach Indien vertrieben werden mulfsten. Die Thaten 
Tristan da Cunha’s und vor Allem des Alonso d’Albuquerque belehren 
uns, mit welcher Strenge und, man darf wohl auch sagen, Tüchtigkeit die Por- 
tugiesen ihre ostindische Herrschaft zu begründen und durch lange Zeit zu 
behaupten verstanden haben, und zwar geschah dies Alles in den nächsten 
Decennien nach Auffindung des Seeweges um das Kap. Dafs hierdurch die 
nautischen Wissenschaften einen kräftigen Aufschwung erfuhren, darf wohl als 
selbstverständlich angenommen werden. 
Die Spanier sandten ihre Flotten nach der Neuen Welt und machten durch 
Entdeckungen der Küstenstriche des Kontinents gar bald dem Dunkel, welches 
über demselben schwebte, ein Ende, und ergänzend griffen die Unterneh- 
mungen der Engländer in Nordamerika in die Klärung der geographischen 
Verhältnisse ein. Nachdem durch Vasco Nuünez de Balboa die Südsee entdeckt, 
vor Allem aber durch den kühnen Ferdinand Magalhag@s die Weltumsegelung 
nach Westen hin so weit vollendet war, dafs man auf die von Westen kommenden 
Portugiesen traf, und nach seinem Tode sein Pilote Sebastian del Cano nach 
Europa von Osten kommend zurückgekehrt war (1522), entwickelte sich die 
Schiffahrt in ungeahnter Weise. Nun erst hatte man durch die schon längst als 
einen Beweis fürdie Kugelgestalt und die Umdrehung der Erde erwartete Verschiebung 
des Datums einen unwiderleglichen Beleg erhalten und erkannt dafs die Demar- 
kationslinie des Papstes Alexander IV. vom Jahre 1493 nicht aufrecht zu er- 
halten sei. Die Kartographie, d. h. die Darstellung der Erdoberfläche und damit 
die Gestaltung des Weltbildes machte riesige Fortschritte, welche ja bis auf den 
heutigen Tag als die einzig sichere Grundlage der Navigirung der Meere anzusehen 
sind, wohlverstanden unter der steten Umbildung und Umgestaltung. welche durch 
den Fortschritt dieser Wissenschaft im Laufe der Jahrhunderte bedingt wurden. 
Es sind hier einige, die Entwickelungsgeschichte der nautischen Wissen- 
schaften betreffende Punkte wohl am Orte. Wir haben gesehen, dafs von den 
Portugiesen, wenn wir von den Arabern absehen, die erste Anregung zur Fort- 
bildung der nautischen Wissenschaften ausging; auch des deutschen Seefahrers 
Martin Behaim Verdienste wurden hierbei gebührend gewürdigt. Darauf pflegte 
man in Spanien nautische Astronomie mit besonderer Sorgfalt, und es genügt, 
hier den Namen von Pedro Nunnez, gewöhnlich Nonius (1497—1577) genannt, 
anzuführen und daran zu erinnern, dafs derselbe mehrere Probleme, unter Anderem 
die Bestimmung der Breite aus doppelten Sonnenhöhen, in Angriff nahm und 
löste. Auch hinsichtlich der Seekarten führte er wesentliche Verbesserungen 
durch, ebenso wie sein gleichzeitig lebender Landsmann Martin Fernandez 
Enciso, der sich ja auch als Entdeckungsreisender ausgezeichnet hat, Sein 
Werk, welches den Titel „Suma de Geografia“ führte, erschien im Jahre 1530 
und mag mit Recht als das erste Handbuch der praktischen Navigation für 
Seeleute angesehen werden.‘) 
Im Jahre 1563 erschien in Sevilla ein Werk von Pedro de Medina, die 
Grundregeln der Navigation, welches dadurch eine gröfsere Bedeutung gewonnen 
hat, dafs es nicht nur in das Holländische übertragen wurde, sondern auch ver- 
) Markham, A life of John Davis the navigator Seite 150.
	        
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