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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1892.
Küste Handel treibenden arabischen Seeleute zurückzuführen, welche zahlreiche
Faktoreien errichtet hatten, durch welche der Handel und Verkehr mit dem
Binnenlande vermittelt wurde. Wie weit dieser Handel sich in Wirklichkeit
erstreckte, ist nach dem, was bereits gesagt worden ist, nicht festzustellen. So
viel scheint nur sicher, dafs griechische Kaufleute nach Azania, von den Arabern
später Adjän genannt, wegen des Exportes von Elfenbein und Schildpatt
gingen. Als südlichster besuchter Hafenort kann ARhapta gelten, die
Hauptstadt von Barbaria, welches nach Ptolemaeus in 7° S-Br lag. Höchst
interessant ist die Thatsache, dafs griechische Seefahrer selbst bis zumiKap
Delgado oder, wie es früher hieß, Prason in etwa 11° S-Br vorgedrungen zu
sein scheinen. ")
Richten wir uns in Nachfolgendem nach den Ausführungen der angeführten
Festschrift, so nehmen wir mit denselben an, dafs reger und lebhafter, als der Ver-
kehr der Alten mit Afrika, die Beziehungen derselben zu den südasiatischen
Küstenländern waren. „Während die arabische Halbinsel fast vollständig bekannt
geworden, erstreckte sich ihr durch Anschauen gewonnenes Wissen auch auf die
vorderindische Halbinsel, seitdem der römische Kaufmann die Produktengebiete
der Gewürze und Specereien selbst aufsuchte. Der Weg dahin führte über
Aegypten und das Rothe Meer.“ Kretschmer berichtet weiter, dafs im 1. und
2, Jahrhundert die römischen Kaufleute den südlichsten Ausläufer der Halbinsel
Hinterindiens, Malakka, kennen lernten; was dagegen von Ptolemaeus über die
Sunda-Inseln beschreibend mitgetheilt wird, läfst sich kaum identificiren. „Im
ersten nachchristlichen Jahrhundert war ein Grieche Namens Alexander noch
über Malakka hinausgedrungen, und er scheint sogar die südchinesische Küste
erreicht zu haben; ja er wollte bis zur Stadt Kattigära im Lande Sinae
gekommen sein.“
Schwierig ist es, sich ein Bild zu machen von der Entstehung der Anschauungen
über die Verbindung der südlichen Theile Asiens untereinander und von der Anein-
anderreibung der einzelnen Halbinseln und Inseln in solcher Weise, dafs der In-
dische Ocean gewissermafsen als ein geschlossenes Becken betrachtet werden konnte.
Ganz unvollkommen war die Bekanntschaft der Alten mit dem Norden
Europas, und infolge davon läßt sich auch kaum etwas Sicheres über den
Verkehr nach dem hohen Norden sagen. Am ausführlichsten werden wir über
den Stand der Kenntnisse des Landes Normanien durch das vierte Buch der
Hamburgischen Kirchengeschichte Adam’s von Bremen im elften Jahrhundert
unterrichtet.?) Schon im 9. Jahrhundert soll der Normanne Othere das Nordkap
umfahren haben, eine Entdeckung, die vollkommen unbeachtet blieb.
Kehren wir nach diesen flüchtigen Bemerkungen und Andeutungen über
die Umwandlung der Verkehrsverhältnisse auf der Erde zu unserem eigentlichen
Thema zurück.
Wir haben von der anregenden Wirkung,. welche die Schilderungen des
Marco Polo auf die Pläne des Columbus äußerten, oben gesprochen; dabei
muß hervorgehoben werden, dafs nach Humboldts Untersuchungen Columbus
zwar die Werke des grofsen Venezianers nicht an Bord der „Santa Maria“ hatte,
aber die Mittheilungen des Toscanelli über die Schilderungen der Reichthümer
Kathai’s und Zipangu’s dem kühnen Unternehmen, diese Länder, nach Westen
segelnd, aufzusuchen, gewissermafßen eine materielle Grundlage gaben. Unzer-
trennlich von dem Glauben an die Wahrheit dieser Schilderungen, stand in dem
Geiste des Columbus die Wahrheit der Lehre von der Kugelgestalt der Erde
unerschütterlich fest. Diese Lehre war schon zu Pythagoras’ Zeit (zweite
Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr.) begründet worden, war aber unerachtet der
auf derselben beruhenden Bestimmung der Gröfse der Erde durch Eratosthenes
(250 v. Chr.), durch Posidonius und die Astronomen des Khalifats, im Mittel-
alter fast wieder in Vergessenheit gerathen.
Des Petrus de Alyaco, Bischofs von Cambrai, gegen das Ende des
14, Jahrhunderts verfassten Werke hatte Columbus fleifsig studirt und auch
darin eine Bestätigung der Ansichten über die Kugelgestalt der Erde gefunden,
während ihm augenscheinlich die Resultate der Gröfsenbestimmung der Erde
)
Kiepert, Lehrbuch der alten Geographie, Seite 209, und Kretschmer ete.
Kratachmer ete.. Seite 892.