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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

394 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1892, 
und Methoden zu beschäftigen hatte. In dieser Junta de Mathematicos wurden 
nun die Forschungen des damals bereits vor 6 Jahren verstorbenen Regio- 
montanus durch Behaim vertreten und äufserten, woran nicht gezweifelt werden 
kann, einen mafsgebenden Einflufs auf die Entwickelung der nautischen Wissen- 
schaften, wodurch es allein möglich wurde, das Wagnifs, von den Küsten sich 
zu entfernen und den offenen Ocean zu durchschueiden, mit Aussicht auf Erfolg zu 
unternehmen. Es ist dies um so bedeutungsvoller, als wir die Ueberzeugung 
haben müssen, dafs Columbus, welcher damals (um das Jahr 1481) in Lissabon 
lebte, mit Behaim verkehrte und Kenntnifs erhalten haben mufste von den 
Ergebnissen der Studien und Erfahrungen des gelehrten Nautikers, was wiederum 
einen wichtigen Einfluß, wenn nicht auf seine Entschliefsungen, so doch auf die 
Ausführung derselben äußern mußte. Das Nürnberger Astrolabium,') die Ephe- 
meriden des Regiomontanus, berechnet für die Jahre von 1475—1506, sind 
ohne Zweifel zur Annahme gelangt und auch benutzt worden. Wenn von 
sonst gut unterrichteter Seite behauptet wird, dafs damals auch der Jakobs-Stab 
zur Einführung bei nautischen Operationen namentlich in der portugiesischen 
Marine gelangt sei, so beruht das, wie neuere Forschungen darthun, auf einem 
Irrthum, und ist die Auszeichnung, welche Behaim durch Verleihung des Christus- 
ordens von dem König von Portugal zu Theil wurde, nicht auf das Verdienst, 
dieses wichtige Instrument eingeführt zu haben, zurückzuführen, wohl aber 
darauf, daß er in Portugal die Methoden und Tafeln des Regiomontanus 
bekannt machte.?) 
Nachdem die portugiesische Kommission zur Prüfung der Pläne des Columbus 
sich jedenfalls damals nicht günstig über dieselben geäufsert hatte, begab sich 
derselbe bekanntlich nach Spanien, um dem Hofe der katholischen Majestäten 
seine Vorschläge zu unterbreiten und die Durchführung derselben zu veranlassen. 
Es ist leider über die erste Zeit des Aufenthaltes des grofsen Entdeckers in 
Spanien eine authentische Mittheilung nirgends aufbewahrt worden. Es ging nur 
die Legende in die Geschichte über, dalßs man es für gut erachtete, die weit- 
gehenden Vorschläge auch dort einer Junta, welche in Salamanca zusammentrat, 
vorzulegen; historisch Begründetes liegt darüber nicht vor, und ist die Annahme, 
welche in neuerer Zeit durch den bekannten Geographen und Columbus- Forscher 
Clements R. Markham vertreten wurde, dafs eine wirkliche Konferenz über die 
Pläne niemals statthatte, allem Anscheine nach wohl begründet. Sicher ist nur, dafs 
der Prior des Dominikaner-Klosters von San Estevan bei Salamanca Diego de Deza 
mit Columbus befreundet war, sich für seine Pläne lebhaft interessirte und ihm 
eine Zufluchtsstätte in dem Landgute des Klosters Valcuebo gewährte. Die hohe 
Stellung, welche Salamanca unter den Mittelpunkten der Gelehrsamkeit einnahm, 
da Männer von großem Rufe an der dortigen Universität zu lehren berufen 
waren, von welchen wir nur hervorheben: Deza selbst als Professor der Theologie, 
Pedro Ciruelo und Aguilera, gewährleistet die Annahme, dafs die Pläne des 
Kolumbus in einer fachmännischen Weise, natürlich nach dem damaligen Stande 
der Wissenschaft, zur Besprechung und wohl auch zur Debatte gelangten, Wenn 
Alexander von Humboldt mit J. B. Muäoz, dem gelehrten Historiographen 
von Don M. F. von Navarrete, es aufrichtig bedauert, dafs über das Resultat 
der Besprechungen ein authentisches Protokoll nicht geführt oder wenigstens 
nicht auf die Nachwelt gekommen ist, so kann man dieses Bedauern nur theilen, 
weil, wäre es anders, man sich ein klares Bild über die mathematisch-astro- 
nomischen Kenntnisse an der Universität Salamanca machen könnte, was ohne 
Zweifel zur richtigen Beurtheilung der wissenschaftlichen Behandlung der Pläne 
des Columbus von grofßser Wichtigkeit gewesen wäre. Wenn man erwägt, dafs 
Pedro Ciruelo einen Kommentar über die Sphaera mundi des Sacrobosco 
geschrieben, Aguilera ein Werk herausgab über das Astrolabium und dafs 
Mathematik, Physik, Weltanschauung und Astronomie fleifsig und Strabo, 
Plinius und Ptolemaeus durchaus nicht ausschliefslich studirt wurden, und 
wenn man überdies erwägt, dafs der Gelehrteste der Theologen der Zeit und an 
der Universität, Diego de Deza, der Freund und Beschützer des Columbus 
) De Barros, Dec. I, Lib. IV. Kap. 2. 
2 Ghillany. Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim. Seite 52
	        
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