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Das argentinische Gebiet Feuerlands,
Schiffen jeder Gröfse zugänglich ist und eine kleine Holzmole. Der Ort ist auf
der einen Seite von Bergen umgeben, deren Fufßs und Abhänge mit Wald bedeckt
sind. Nicht weit von Ushuaia liegt Puerto Bridges, ein kleiner, sicherer Hafen.
Daselbst war früher eine englische Missionsstation, und hat der frühere Missionar
T. Bridges von der argentinischen Regierung Ländereien von 8 Quadratleguas
Ausdehnung zur Anlage einer Niederlassung von Feuerländern erhalten.
Buen Suceso ist der Sitz einer Unterpräfektur. Da dieser Ort aber keine
Aussicht zur Entwickelung bietet, hat der Minister des Innern verfügt, dafs die
Unterpräfektur nach Bahia Thetis, einer an der nordöstlichen Spitze derselben
Halbinsel liegenden Bucht, verlegt werde.
In San Sebastian, an der gleichnamigen Bucht gelegen, befindet sich ein
Polizeidetachement. In der Nähe der Station derselben liegt das Minen-
atablissement el Pdramo. Als Hafen besitzt San Sebastian keine Wichtigkeit,
weil die vollständig offene San Sebastian-Bucht keinen Schutz bietet.
In San Juan auf Staateneiland ist von der Expedition Laserre im
Jahre 1884 ein Leuchtthurm mit festem, auf 14 Sm sichtbaren Feuer; errichtet
worden. Die Lage des Leuchtthurms soll aber schlecht gewählt sein, da er sich
im Innern einer Bai befindet. Aufser San Juan hat Staateneiland noch mehrere
andere geschützte Häfen, wie z. B. Puerto Cook, Vancouver und Parry.
Die argentinische Regierung ist auf Feuerland vertreten durch einen
Gouverneur, welcher unter sich als höhere Beamte einen Sekretär, einen Polizeichef
und zwei Polizeikommissare hat. Das gesammte Beamtenpersonal, welches die
genannte Regierung im Gebiete Feuerland unterhält, besteht aus 64 Personen,
wovon 50 Polizisten sind. Seit etwa zwei Jahren hat die argentinische Regierung
einen von zwei Dampfern versehenen Küstendienst errichtet, welcher die Post,
etwaige Passagiere und Güter von den Anlegeplätzen Feuerlands nach Ushuaia
befördern und die Verbindung mit Puntas Arenas in der Magellan-Strafse und
Buenos Aires herstellen. Der beste dieser Dampfer, die „Üchuaia“, hat im
Jahre 1890 11895 Sm zurückgelegt, 344 Passagiere, 401’% Tonnen Ladung
befördert und 1429 Pesos eingebracht.
Hinsichtlich der Zahl der Bevölkerung giebt der Bericht des Gouverneurs
keine Aufschlüsse, nicht einmal über die der ansässigen Weifsen. Es darf indessen
mit Sicherheit angenommen werden, dals mit Ausnahme der Beamten wenig
weilßse Ansiedler in Feuerland leben.
Ueber die an der Ostküste Feuerlands gelegenen Buchten berichtet der
Kommandant des Dampfers „Ushuaia“ Folgendes: Die San Sebastian-Bai ist dem
Seegang des Atlantischen Oceans vollständig ausgesetzt und bietet daher keinen
Schutz. Auch ist der Grund derselben, namentlich gegenüber Pdramo, wegen
seiner felsigen Beschaffenheit zum Ankern ungeeignet. Da die vorherrschenden
West- und NW-Winde sehr heftig wehen, geräth ein Schiff leicht ins Treiben
und ist gezwungen, seinen Ankerplatz der Richtung des Windes entsprechend zu
ändern. Gegenüber von Päramo ist der Seegang oft so stark, dafs das Laden
und Löschen unmöglich ist. Während die „Ushuaia“ daselbst lag, wurde eins
ihrer Boote und ein grofßer Regierungsleichter ans Land getrieben und fast ganz
zerstört. Stellt sich Nordwind ein, so ist es am besten, sofort in See zu gehen
und in nicht zu grofser Nähe der Küste die Aenderung des Windes abzuwarten.
Auch aufserhalb der Bai herrscht die Küste entlang gewöhnlich ein ziemlich
starker Seegang, welcher bei Nordwind äufserst heftig wird. In der Bai ist es
während eines Norders unmöglich, vor Anker zu bleiben. Die „Ushuaia“ lag
stets mit zurückgeschobenen Feuern, um möglichst schnell wieder in See gehen
zu können. In die Mündung des Rio Grande kann man nicht einlaufen, und ein
Schiff ist genöthigt, 2 Sm von der Küste abzubleiben, da vor der Mündung viele
Klippen liegen, welche nur zum Theil bei Niedrigwasser trocken fallen. Daher
ist das Laden und Löschen sehr beschwerlich. Die vorherrschenden Winde sind,
wie in der San Sebastian-Bai, westliche und südwestliche. Sie wehen oft
mehrere Tage hintereinander mit grofser Heftigkeit und flauen nur in der
Nacht ab.
Die Policarpo-Bucht im Süden der Rio Grande-Mündung ist ganz unsicher,
weil sie nach Norden hin offen ist und viele Klippen enthält, von denen einige
bei Niedrigwasser trocken fallen.