392 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1892.
am 17. an der Ostsee, vielfach sehr ergiebige Regenfälle beobachtet, Es fielen
am 15. in Marienleuchte 21, in Kiel 24, in Friedrichsort 24, in Hamburg 27, in
Brunshausen 25, in Glückstadt 27, in Tönning 37, in Cuxhaven 27, in Neuwerk 21,
auf Helgoland 28, in Karolinensiel 29, auf Norderney 41 und auf Borkum 31, am
17. in Swinemünde 24, auf Greifswalder Oie 44, in Thiessow 23 und in Wit-
tower Posthaus 22 mm Regen. Stürmische Winde traten in Brüsterort (Stärke
8 bis 10) am 16. aus West sowie an der Ostseeküste mehrfach aus NE von
der Stärke 8 (Brüsterort 10) am Abend des 17. und in der folgenden Nacht auf.
Diese Wetterlage brachte der Nordsee und der westlichen Ostsee durch
nördliche Winde einen erheblichen Rückgang der Morgentemperaturen, welche
seit jener Zunahme in der ersten Dekade wenig Aenderung oder langsame und
ziemlich stetige Abnahme erfahren hatten.
Bereits am Morgen des 19. finden wir das Maximum im Westen südwärts
nach Irland verlagert, ein Minimum dringt von Nord bis zum folgenden Morgen
nach der Nordsee und beherrscht am 21. bereits den ganzen Nordwesten, während
ein tiefes Minimum unter 750 über dem Tyrrhenischen Meere lagert. Diese Minima
vereinigen ihre Depressionsgebiete, und während jenes über der südlichen Nord-
see liegen bleibt, wandert das südliche am 22. über Ungarn nach der Ostsee, so
dafs am Morgen des 23. ein Depressionsgebiet mit zwei Centren niedrigen
Druckes nordwärts der deutschen Küste lagert. Dasselbe füllt sich aus und ver-
schiebt sich bis zum 25. nach NO, während abermals hoher Druck von NW
herannaht. Nachdem der 18. bis 21. nur ganz leichte Niederschläge gebracht
hatten, wovon der 21. nur an der Nordsee, erfolgten am 22. bis 25. täglich
wieder etwas gröfsere, wenngleich meist mäfsige Niederschläge, am 24. in Stolp-
münde mit Gewitter. Sehr ergiebige Niederschläge fielen am 25. in Memel (25)
und in Wittower Posthaus (20 mm).
Von Colbergermünde ostwärts trat am 22. der erste Schneefall ein,
welcher sonst nur noch am 17. (in einer Böe) und 25. in Travemünde, am 23.
in Hamburg, sowie noch am 23. in Rügenwaldermünde, am 26. und 27. in
Brüsterort beobachtet wurde. Stürmische Winde von Stärke 8 bis 9 traten am
22. aus SE an der östlichen Ostsee, sowie am 23, und 24. aus SW an der
Ostseeküste (Brüsterort Stärke 8 bis 11) auf. Während dieser Tage zeigte die
Temperatur im Westen wenig Aenderung, im Osten Zunahme, nachdem dort am
20. oder 21. die niedrigsten Morgentemperaturen und der erste Frost ein-
getreten waren.
Am 26. finden wir morgens ein 764 mm ühbersteigendes Maximum über
England, welches sich rasch bis zum 28. nach dem Schwarzen Meere verlagert,
während im NW ein Minimum unter 730 mm erscheint. Vielfach heiteres Wetter
herrschte an der Küste am 26. und noch mehrfach am 27., an welchem Tage die
westliche Ostsee und an der Nordsee Hamburg und Wilhelmshaven den ersten Frost
hatten. Die über Europa SW—NO nahe geradlinig verlaufenden Isobaren bewirkten
bei starken Gradienten kräftige südwestliche und südliche Winde und somit eine
starke Erwärmung am 28. und 29.; stürmische Winde aus südlichen Richtungen
traten am 27, bis 29, vereinzelt auf. Indem der Druck im SO abnahm, im NW aber
stieg, Üauten die Winde wieder ab, und es herrschten bis Ende des Monats
schwache südöstliche Winde an der Küste, bedingt durch den hohen Druck im
Westen und die Depression im NW, sowie ein von der Biscaya-See nach der
Nordsee wanderndes Theilminimum. In der letzten Pentade war die Witterung
an der Ostsee trocken, an der Nordsee leicht regnerisch.
In den Monatsmitteln lagen der Luftdruck erheblich, Temperatur und re-
gistrirte Windgeschwindigkeit meist wenig unter den normalen Werthen, während
der Niederschlag den normalen vorwiegend überstieg.
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