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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

3892 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1592, 
der Atmosphäre, nämlich für die Vertikal-Komponente V, die nach Norden positiv 
yerechnete Horizontal - Komponente N und die nach Osten positiv genommene 
Horizontal-Komponente O die folgenden Werthe: 
V=CU-—38sin?g)m 
N=-—6C12s8sing cos 
0=D cos gp {(1 — 3sin* g) o + 6 psin? g}= 0, + Os. 
In diesen Ausdrücken sind m, %, o, p Funktionen der Höhe des betreffenden 
Punktes über der Erdoberfläche; von diesen wird % in einer gewissen Höhe Null, 
d. h. die Meridianströmung wechselt in dieser Höhe ihr Vorzeichen; o ist überall 
negativ, p überall positiv, beide an der Erdoberfläche aber Null. Das die 
Funktion o enthaltende Glied O, ist vom Aegator bis 35° N-Br und S-Br nach 
Westen gerichtet, darüber hinaus nach Osten, O, repräsentirt eine durchweg 
nach Osten gerichtete Strömung; dieselbe ist (entsprechend den Werthen der 
Funktion p) überall an der Erdoberfläche Null, erreicht dagegen in höheren 
Schichten sehr beträchtliche Werthe. Beide Bewegungen O verschwinden an den 
Polen. Die Strömung O0, ist auch am Aequator Null und erreicht ihren größten 
Werth bei 55° Breite, 
Nicht zu vergessen ist, dafs diese Resultate von der zu Grunde gelegten 
Temperaturvertheilung abhängen und mit dieser sich ändern müßten. 
Eine numerische Auswerthung der Formeln versucht Professor Oberbeck 
nicht, weil in den Konstanten C und D sowohl die noch nicht genügend bekannten 
Reibungskonstanten für atmosphärische Strömungen, als auch der für höhere Schichten 
ebenfalls noch nicht bestimmte ganze Temperatur-Unterschied zwischen Aequator 
und Pol enthalten ist. Einen interessanten Versuch, einige der fraglichen Gröfsen 
in Ziffern auszudrücken, hat Prof, Pernter gemacht („Meteor. Zeitschr.“ 1890, 
S. 178). 
Für die ungefähre Gröfßse der mittleren westöstlichen Bewegung der Luft 
in verschiedenen geographischen Breiten und Höhen geben die von Ferrel schon 
1858 und 1877 mitgetheilten Rechnungen einen Anhalt, der mit den vorhandenen 
Beobachtungen im grofsen Ganzen übereinstimmt (im allgemeinen Mittel aller 
geographischen Längen und Jahreszeiten); die Werthe geben die Größe von v, 
der Geschwindigkeit in Metern per Sekunde, + wenn nach Osten, — wenn nach 
Westen gerichtet, nach der Formel v = vo + ah, wenn h die Höhe über der 
Meeresfläche in Kilometern bedeutet: 
Nördliche Breite 70° 60° 50° 40° 30° 20° 15° 
% —09 +11 +15 +07 —24 —42 — 534 
a +18 +23 +24 +25 +26 +25 +16 
Südliche Breite 15° 20° 30° 40° 50° 
Vo —69 —59 +11 +52 +77 
a 4122422420 41,8 420 
Beispielsweise ergiebt sich hieraus in 5 km Höhe für 50° N-Br die mittlere 
Geschwindigkeit zu 13,5 m p. s. und für 50° S-Br dieselbe zu 17,7 m p. s., für 
15° N-Br und S-Br aber nur zu 46 und 4,1 m p. s., durchweg aus West; die 
östlichen Winde reichen nach diesen Werthen im Durchschnitt unter 15° N-Br 
bis 2100 m, unter 15° S-Br bis 3200 m hinauf. Diese Resultate ergeben sich 
aus der Luftdruck- und Temperatur-Vertheilung an der Erdoberfläche innerhalb 
der Fehlergrenzen von einigen Metern per Sekunde mit Nothwendigkeit. Die 
Erfahrung steht damit auch in ziemlich guter Uebereinstimmung, z. B. bewegen 
sich die Cirruswolken über Berlin nach Dr. Vettin mit einer mittleren Geschwin- 
digkeit von 19 m p. s., ohne Rücksicht auf die Richtung, und kann die 
Geschwindigkeit der Ballonfahrten zwar 100 m p. s. erreichen, aber zuweilen auch 
fast Null sein. Der Rauch des Krakatau hat sich im September 1883 nach 
Professor Kiefsling in der Nähe des Aequators mit einer Geschwindigkeit von 
36—40 m p. s. westwärts bewegt, und zwar vorzugsweise in den höchsten 
Schichten. 
Diese Zahlen erhalten hohes Interesse, wenn man sie mit denjenigen 
Geschwindigkeiten vergleicht, welche ein freies Theilchen in Bezug auf die Erd- 
oberfläche erlangen müfste, wenn es sich ohne Reibung von einem Breitengrad
	        
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