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Die grofsen Strömungen des atmosphärischen Kreislaufs.
amdrehung als unvermeidlich angesehen wird. Die erwähnte Argumentation ist
also, wenn nicht vollkommen streng, so doch im Wesentlichen gewifs richtig.
Trotz der unzweifelhaften Priorität des Herrn Thomson ‘in Bezug auf
die erste Veröffentlichung dieses in seinen Konsequenzen so iruchtbaren Schemas
yebührt das wesentliche Verdienst daran Ferrel. Denn das Aussprechen eines
plausiblen Gedankens ohne genaue Beweisführung hat der Wissenschaft fast
ebenso oft geschadet wie genutzt. Erst der Beweis, dafs diese Vorstellung mit
der Erfahrung im Einklang steht und dafs die ins Auge gefaflsten Kräfte ihrer
Größe nach ausreichen, um die beobachteten Erscheinungen hervorzubringen,
giebt der aufgestellten Erklärung Bürgerrecht in der Wissenschaft, bis eine
neuere, den Thatsachen besser entsprechende Auffassung aus ihr heraus oder
neben ihr sich entwickelt hat.
Eine eingehende, von den Bewegungsgleichungen der Hydrodynamik aus-
gehende Behandlung des Problems der allgemeinen Cirkulation der Atmosphäre
hat im Jahre 1888 Herrn Prof. Oberbeck in Bezug auf die mittleren und oberen
Schichten der Atmosphäre zu sehr nahe demselben Schema geführt, wie es
Thomson angedeutet und Ferrel es mathematisch, wenn auch weniger elegant,
entwickelt hat. Für den Meteorologen ist diese Bestätigung höchst werthvoll,
wenn auch das Wesentlichste für ihn durch Ferrels Formeln gegeben war.
Die unterste Schicht, in welcher wir leben, hat Herr Oberbeck unberücksichtigt
gelassen. In dem folgenden, von ihm mitgetheilten Schema in Mercator-Projektion
stellen die Kurven OO die Strömungen in der oberen, UU die in der relativ
unteren, jedoch in aufsertropischen Breiten nicht bis zum Boden reichenden (also
eigentlich mittleren) Schicht dar.
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Berücksichtigen wir auch die unterste Schicht der Atmosphäre, so ergiebt
sich für die nördliche Halbkugel etwa folgendes mittlere Bild, in welchem die
Angaben von beiden unteren Schichten wesentlich der Erfahrung, die von der
obersten der Theorie entnommen sind:
EsE | wsw | WSW
10 km
Höhe |
3 km
E
SW
WNW
ENE| NE | 2 wswo oo
1 | 1
Geogr. Breite 0°(5°) 10°(15°) 30°(35°) 60° (65°)
Die höchst interessanten Bewegungen der höheren und mittleren Luft-
schichten in den Tropen sind noch sehr wenig bekannt, und hier können sich
Seeleute durch fleißige Beobachtungen über den Zug verschieden hoher Wolken
ein grofses Verdienst erwerben,
Ann. d, Hydr. ete.. 1892. Heft XI.