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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

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Die grofsen Strömungen des atmosphärischen Kreislaufs. 
amdrehung als unvermeidlich angesehen wird. Die erwähnte Argumentation ist 
also, wenn nicht vollkommen streng, so doch im Wesentlichen gewifs richtig. 
Trotz der unzweifelhaften Priorität des Herrn Thomson ‘in Bezug auf 
die erste Veröffentlichung dieses in seinen Konsequenzen so iruchtbaren Schemas 
yebührt das wesentliche Verdienst daran Ferrel. Denn das Aussprechen eines 
plausiblen Gedankens ohne genaue Beweisführung hat der Wissenschaft fast 
ebenso oft geschadet wie genutzt. Erst der Beweis, dafs diese Vorstellung mit 
der Erfahrung im Einklang steht und dafs die ins Auge gefaflsten Kräfte ihrer 
Größe nach ausreichen, um die beobachteten Erscheinungen hervorzubringen, 
giebt der aufgestellten Erklärung Bürgerrecht in der Wissenschaft, bis eine 
neuere, den Thatsachen besser entsprechende Auffassung aus ihr heraus oder 
neben ihr sich entwickelt hat. 
Eine eingehende, von den Bewegungsgleichungen der Hydrodynamik aus- 
gehende Behandlung des Problems der allgemeinen Cirkulation der Atmosphäre 
hat im Jahre 1888 Herrn Prof. Oberbeck in Bezug auf die mittleren und oberen 
Schichten der Atmosphäre zu sehr nahe demselben Schema geführt, wie es 
Thomson angedeutet und Ferrel es mathematisch, wenn auch weniger elegant, 
entwickelt hat. Für den Meteorologen ist diese Bestätigung höchst werthvoll, 
wenn auch das Wesentlichste für ihn durch Ferrels Formeln gegeben war. 
Die unterste Schicht, in welcher wir leben, hat Herr Oberbeck unberücksichtigt 
gelassen. In dem folgenden, von ihm mitgetheilten Schema in Mercator-Projektion 
stellen die Kurven OO die Strömungen in der oberen, UU die in der relativ 
unteren, jedoch in aufsertropischen Breiten nicht bis zum Boden reichenden (also 
eigentlich mittleren) Schicht dar. 
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Berücksichtigen wir auch die unterste Schicht der Atmosphäre, so ergiebt 
sich für die nördliche Halbkugel etwa folgendes mittlere Bild, in welchem die 
Angaben von beiden unteren Schichten wesentlich der Erfahrung, die von der 
obersten der Theorie entnommen sind: 
EsE | wsw | WSW 
10 km 
Höhe | 
3 km 
E 
SW 
WNW 
ENE| NE | 2 wswo oo 
1 | 1 
Geogr. Breite 0°(5°) 10°(15°) 30°(35°) 60° (65°) 
Die höchst interessanten Bewegungen der höheren und mittleren Luft- 
schichten in den Tropen sind noch sehr wenig bekannt, und hier können sich 
Seeleute durch fleißige Beobachtungen über den Zug verschieden hoher Wolken 
ein grofses Verdienst erwerben, 
Ann. d, Hydr. ete.. 1892. Heft XI.
	        
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