Seemann und Köppen: Tropische Wirbelstürme ‘im südlichen Indischen: Ocean. 373
Der Wind dreht langsam westlicher. Leider werden von 3'/,? a an keine
Barometerstände mehr notirt. Die Seen haben sich‘ zu einer enormen Höhe er-
hoben und fallen von allen Seiten über das Schiff her; so dafs es vollständig in
ein. Schaummeer eingehüllt ist und man kaum .eine halbe Schiffslänge sehen
kann. „Immerhin“, sagt der Kapitän, „trotz Allem, womit wir zu kämpfen hatten,
würden wir,: wenn. das Ruder gehalten hätte, bald: aus .dem Sturme -heraus-
yesegelt sein, denn um 10 Uhr abends nahm der Orkan ab, und um Mitternacht
war es vollständig segelbares Wetter.“ Am 2. Juni erreicht h Mauritius als
Nothhafen,
„Adela‘“ (g) hat den ganzen 17. frischen ENE-Wind und hohe See; welcher
Wind am Morgen des 18. bedeutend zunimmt; Regen. Nachmittags: um 2: Uhr
wird das Vormarssegel festgemacht und das Grofsmarssegel‘ dicht gerefft; um
31% Uhr wird die Fock festgemacht und wird beigedreht. Um 4" p- nehmen
Regen und Wind noch immer zu. Die Leeseite des Schiffes liegt vollständig zu
Wasser. Setzen Sturmstagsegel und machen Grofsmarssegel fest; versichern. die
Segel mit doppelten Beschlagzeisingen.. 4'/2* p Orkan, fürchterliche See, Schiff
liegt so über, dafs das Leeboot voll Wasser schlägt. und die halbe Fockraa :so-
wie zeitweilig die Nocken der Marsraaen im Wasser liegen. Kappen den Fock-
mast, das Schiff hebt sich danach etwas. 6'p fliegt das Sturmstagsegel weg;
6'%* p fliegt das Grofsmarssegel aus den Beschlagzeisingen heraus, 9*p fliegt das
Grofsmarssegel weg, und eine schwere See nimmt den Klüverbaum mit fort.
Um Mitternacht steht das Barometer auf 716,3 mm; immer. noch keine Abnahme
4es Orkans. Um diese Zeit wird das Schiff sich recht auf der Bahn befunden
haben. Am 19. 2a scheint der Wind etwas abnehmen zu wollen; um 6* a haben
Wind und See bedeutend abgenommen. Mittags herrschen dann noch starker
Wind und hoher Seegang. Auch am 20., auf 14,1° S-Br und 78,7° O-Lg, hat g
noch starken Wind aus SW und eine hohe Kreuzsee. ;
In der Originalarbeit von Meldrum ist für den 19. der Wind mit NE
angegeben, doch mufs dieses jedenfalls eine irrige Angabe sein, denn an. der
Rückseite des nach ESE schreitenden Wirbels kann kein NE-Wind geherrscht
haben. Für den 20. ist dann SW angegeben, ohne dals zu ersehen ist, wann
dieser SW eingetreten ist, derselbe wird wohl schon am 19. geherrscht haben.
Auch für g dürfen wir bestimmt die Annahme machen, hätte dieses Schiff
vom 17. an, wo das Wetter allem Anscheine nach schlecht zu werden versprach,
den Wind nur 2 Strich von B. B. eingenommen, anstatt stets recht vor dem
ENE-Wind nach: WSW zu segeln, es hätte in genügender Entfernung vom
Centrum die Bahn schneiden können und wäre dadurch in eine weit bessere
Lage zum Centrum gekommen wie jetzt. Denn nun treibt es mit dem Winde
von ENE recht auf die Bahn zu, allerdings auch noch vor dem Centrum vorüber,
aber in welcher Nähe von demselben!
„Tjielingsie“ (a) befindet sich am 15. auf 11,1° S-Br und 83,8° O-Lg und
hat an diesem Tage 190 Sm südlich von den.beiden Wirbelcentren starken Sturm
aus SE mit harten Böen und einer sehr hohen See. Das Schiff steuert Kurs
unter dichtgerefften Marssegeln mit 5 Sm Fahrt in der Stunde. Barometer am
Mittag 757,8 mm. Temperatur 28,9° C. Nachmittags nehmen Wind und See
noch zu. Am 16. Morgens dasselbe Wetter. Kurs WSW mit 6 bis 7 Sm Fahrt.
Mittags ist das Barometer bis 756,5 mm gefallen. Temperatur 29,4° C. Nach-
mittags Sturm aus Ost, bedeckte Luft und Regen. 4*p wird das Schiff mit
B. B.-Halsen beigelegt. Abends dasselbe Wetter. Die im Original angegebene
Position nach der Loggerechnung — 12,6° S-Br und 80,0° O-Lg — wird un-
genau sein (zu westlich), denn es ist nicht denkbar, dafs das Schiff am 17. bei
einem Sturm aus Osten östlicher stehen sollte als am 16., wir haben daher die
Position vom 16. etwas östlicher gelegt. Am 17. mittags hat man Observation,
das Wetter scheint sich aufzubessern. Obgleich das Barometer noch ein
geringes Abnehmen gegen den Vortag zeigt (753,5 mm), ein immerhin in dieser
Gegend nicht unbedenkliches Zeichen, so wird doch abgebalten und der Kurs
nach WSW wieder aufgenommen. Um 5*p nimmt dann der Wind schon wieder
zu.. Bis Mitternacht harte Böen aus NE—ENE. Das Barometer fällt wieder.
Kurs WzS. Dieses Schiff nimmt den Wind etwas von St. B. ein, und läuft hier-
mit dem Centrum .recht entgegen. Morgens am 18, ist der Wind . zum Sturm