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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1892. 
schnell zu; die Luft sieht schwarz und drohend aus, so dafs der Kapitän eine 
zweite Cyklone befürchtete — wir wissen nun, dafs es dieselbe war — es werden 
„kleine Segel“ gemacht, und man bereitet sich mit Allem auf den Empfang der- 
selben vor. Um Mittag nähert sich der Orkan dem Schiffe mit gewaltigen Wind- 
stöfsen. Die letzten Segel werden festgemacht, und das Schiff wird mit kahlen 
Masten auf St. B.-Halsen an den Wind gelegt. Durch das furchtbare Arbeiten 
in der gewaltigen See nimmt das schon am 15. erhaltene Leck des Schiffes immer 
mehr zu, Die Pumpen heben von der Ladung grofse Mengen Kaffee herauf. Der Wind 
bleibt fest auf NE stehen. Nachmittags furchtbarer Orkan, noch immer an Kraft 
zunehmend; strömender Regen. Um 5°p wird die Mannschaft nach der Kajüte 
beordert; um diese Zeit weht die Vorbramstenge weg. Um 6 Uhr, nachdem der 
Orkan mit unbeschreiblicher Wuth geherrscht hat, nimmt derselbe in weniger 
als einer Minute bis zur vollständigen Windstille ab. Das Centrum des Wirbels 
berührt das Schiff! Die Seen gehen steil nach oben und bedecken dasselbe von 
allen Seiten. Niemand zweifelt jetzt mehr an dem Untergang des m. Da klart 
plötzlich der Himmel auf. Das dichtgereffte Vormarssegel und Grofsstengstag- 
segel werden schnell gesetzt, damit, wenn die zweite Hälfte des Wirbels kommt, 
man vor dem Winde halten kann, um, wie der Kapitän irrthümlich meint, „aus 
dem Wirbel herauszusegeln“. Um 7*°p kommt der Orkan wieder an, jetzt aber 
aus SW, 
m wird vor den Wind gebracht, aber nur für 10 Minuten, wo ein einziger 
Windstofs die obigen beiden Segel mit fortnimmt, die Fockraa in zwei Hälften 
bricht und das Schiff an den Wind wirft, so dafs es fast platt im Wasser liegt. 
Um 8"a weht noch ein furchtbarer Orkan mit schrecklichen Windstöfsen und 
Regengüssen, und erst am 19. 4"a nimmt der Wind ab. Das Schiff hat nun 
4 Fußs Wasser im Raum. Alle Mann bei den Pumpen, aber man kann nicht 
Herr über den Wasserandrang werden. Um 12 Uhr sind es 6 Fulfs, alle Augen- 
blicke sind die Pumpen von Kaffee verstopft. Am Nachmittage nimmt der Sturm 
allmählich ab, doch muß m am 20. in sinkendem Zustande verlassen werden, 
Die Mannschaft wurde von dem Schiffe „Arundel“ gerettet und nach Mauritius 
gebracht. 
Wenden wir uns nun wieder h („Earl of Dalhousie“) zu. 
Um Mitternacht des 16. hat h mäfsigen Sturm aus NE, das Barometer 
steht auf 749,9 mm. Mittags den 17. mäßiger NE-Sturm und gut aussehende 
Luft, hielten ab vor beiden doppeltgerefften Marssegeln und Fock. Die See hat 
sich sehr gelegt, und das Barometer geht etwas auf. Um 8"p steht dasselbe 
auf 758,8 mm. Um Mitternacht wird es wieder böig mit Regenschauern. Im 
Barometerstand keine Aenderung. Am 18, morgens nimmt der Sturm wieder 
zu, machen die Fock wieder fest. Wind NE, Kurs SW. Immer platt vor dem 
Winde segelnd, nähert sich das Schiff wieder der Bahn des Centrums. Um 
4 Uhr morgens werden die dichtgerefften Marssegel festgemacht, und nun setzt 
das Schiff seinen Lauf vor dem Winde fort. 
Um 7 Uhr wird auf B. B.-Halsen beigedreht, um den Fortgang des Sturmes 
beobachten zu können. Um 10*a harter Sturm mit schweren Böen und starkem 
Regen. Mittags steht das Barometer auf 756,2 mm. 2"p orkanartiger Sturm 
aus ENE; um 3"p aus Ost. Hier macht der Kapitän die Bemerkung in seinem 
Journal, dafs er glaubt, die Cyklone habe die Biegung gemacht und käme sehr 
schnell auf das Schiff zu, und nun wird wieder vor den kahlen Masten weiter 
gelenzt. Der Kapitän mufs augenscheinlich lieber gelaufen als beigedreht ge- 
legen haben. Um 4*p ist der Wind Süd und der Kurs Nord und die Fahrt 
11 Sm. Es weht ein schrecklicher Orkan, und der Regen fällt in Strömen vom 
Himmel. Blitze wie Flammen von einer dunkelrothen Farbe überziehen den 
Himmel. Um 5'/,ta, als der Wind die gröfste Stärke erreicht hat — wir sehen 
auf der Bahnenkarte, dafs es sich um diese Zeit dem Centrum am nächsten be- 
funden hat — dreht der Ruderkopf ab, das Steuer versagt seinen Dienst, und 
das Schiff läuft auf St. B.-Halsen an den Wind. Hierbei legt es sich aber der- 
artig auf die Seite, dafs die Unterraaen in Lee ins Wasser ragen. Es werden zu- 
erst die Maststengen und, da das Schiff sich noch nicht aufrichten will, auch die 
Masten gekappt. 
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