accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Seemann und Köppen: Tropische Wirbelstürme im südlichen Indischen Ocean. 369 
Dafs 1 sich vom 14. bis 15. in der Nähe einer Cyklone befand, mufs ihm 
sein Barometer angesagt haben, und dafs dieselbe nördlich von ihm war, besagte 
ihm seine. Windrichtung. Trotzdem setzt er seinen Kurs nach Westen platt vor 
dem Winde fort. Nach Allem, was wir bis dahin über Cyklonenbahnen gewulst 
haben, war die Bahn eines Wirbels in jener Gegend eine westsüdwestliche, und 
ein westlicher Kurs mußte zum. Zusammentreffen mit dem Centrum führen. 2 
Am Morgen des 16; um 4 Uhr nimmt der Sturm, der jetzt aus NE weht, 
ab, es werden Segel gesetzt, und der Kurs wird nach Westen wieder auf- 
genommen. Um 9 Uhr trifft 1 ein. entmastetes Schiff („Nonpareil“, auf der. Tafel 
mit n angegeben), es wird demselben Hülfe angeboten, doch wird diese ab- 
gelehnt, Nachmittags mäßiger Wind aus NE, nachts mehr abnehmend. a 
. Das Schiff leckt nun ganz bedeutend und mufs am 18. auf 9,2° S-Br und 
79,8° O-Lg in sinkendem Zustande verlassen werden. Die Mannschaft wird von 
der .„Chanaval“ aufgenommen. Es fällt uns auf, dafs der Wind an der Rück- 
seite des Centrums bei l nicht aus der NE-Richtung herauskommt... Dieses Ver- 
halten. mufs auf die elliptische Form der Isobaren zurückgeführt werden, und wir 
werden auf diesen Umstand bei den Mauritius-Orkanen zurückkommen. ; 
. Am 15. abends schreitet dann dieser Wirbel nach SW und enteilt den in 
Mitleidenschaft gezogenen Schiffen sehr schnell. : N ; 
. Auch auf den am 14. und 15. weiterab von dem eigentlichen Cyklonen- 
gebiet sich befindenden Schiffen wird die Macht dieses schweren Wirbelsturmes 
noch sehr lebhaft verspürt. N 
„Adela“ (g), mit ungefähr 120 Sm Abstand vom Centrum, hat am 14, 
harte Winde und heftigen Regen bei einer hohen See, so dafs das Schiff um 
7! Uhr morgens gezwungen wird, beizudrehen. Nachmittags Wind ESE in 
gleicher Stärke anhaltend. Um Mitternacht etwas klarer. ; 
Am 15. morgens 7 Uhr wird das Vormarssegel gesetzt und vor dem ESE- 
Winde abgehalten. Um 11®*a nehmen die Böen und der Regen wieder zu, so 
dafs das Schiff unter dichtgerefftemn Grofsmarssegel wieder beigedreht werden. 
muß. Um Mittag Sturm mit schwerem Regen, Nachmittags weht ein sehr 
schwerer Sturm, der Orkansstärke annimmt. Das Schiff liegt mit der Leeseite 
ganz unter Wasser, ; 
g wird gezwungen, die Bramstengen zu kappen, um das Schiff wieder auf- 
zurichten. Die Seen brechen von vorn bis hinten über das ganze Schiff, Durch 
das einzige Segel, welches noch steht, das Sturmstagsegel, bricht eine See hin- 
durch und reilst es weg. g liegt jetzt vor Topp und Takel beigedreht. Um 
8 Uhr abends scheint der Orkan nachzulassen. Um Mitternacht weht nur noch 
ein starker Sturm. ; . 
Um 8 Uhr morgens am 16, wird bei weiterem Nachlassen des Sturmes die 
Fock gesetzt und der Kurs nach WSW wieder aufgenommen. Um Mittag wird 
das gereffte Grofsmarssegel mit beigesetzt und mit dem Winde .aus NE gute 
Fahrt gemacht. . 
im WNW vom Wirbelsystem hat am 14. die „Sugar“ (e) auf 7,6° S-Br 
und 81,8° O-Lg starke südliche Winde mit häufigen Böen und anhaltendem Regen 
bei schlecht aussehender Luft. Auf 8° S-Br und 80,4° O-Lg hat dann e SSW- 
Wind mit zeitweilig starken Böen und anhaltendem Regen. Um Mittag wird 
das Centrum des westlichen Wirbels sich in ungefähr 180 Sm Entfernung von e 
nach OzS befunden haben, sein Barometer stand noch auf 760,2.mm. Um 
9 Uhr abends klart die Luft etwas ab, und nun geht der Wind nach Westen; 
ein Zeichen, daß auch das Centrum südlich vom Schiffe nach Westen . geht. 
Die See nimmt etwas ab. , ; 
| Am 16, wehen starke Winde aus westlicher Richtung. Um Mittag, auf 
10,7° S-Br und 79,4° O-Lg, bessert sich das Wetter, Wind WNW und Barometer 
759,2 mm. Nachmittags kommt eine hohe See aus SSW auf, und der Wind wird 
stärker mit Böen und Regen, 
Wind und Wetter bei e lassen nicht erkennen, dals am 16. in der 
nächsten Nähe des Schiffes ein Orkancentrum sich befunden hat, und zwingen 
uns, anzunehmen, dafs die Bahn des Orkans vom 15. abends erst eine südwest- 
liche und dann eine westliche gewesen ist. Weiteren Grund zu dieser Annahme 
liefert uns a, der am 16. morgens, 150 Sm im SO von e, starken Sturm .aus 
ESE hat und unter dichtgerefften Marssegeln seinen Kurs nach WSW verfolgt. 
Ann, d. Hydr. ete., 1892, Heft XI.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.