"7G
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1892.
Die Stromversetzung war durchweg eine nördliche.
2. Von Walfisch-Bay nach Kapstadt.
Anfangs beabsichtigte ich, diese Strecke an der Küste entlang steuernd;
anter Dampf zurückzulegen, doch bald nach Verlassen der Walfisch-Bay trat ein
starker SSW-Wind mit hohem Seegang ein, der ein Vorwärtskommen unter
Dampf nicht mehr zuliefß und mich daher zwang, die Segeltour unter Ausnutzung
jes SE-Passates einzuschlagen.
Der Passat wurde zumeist in südsüdöstlicher Richtung (rw.) angetroffen,
so dafs es eines sehr bedeutenden Umweges zur Gewinnung von S-Br bedurft
hätte, wenn der Kreuzer nicht zeitweilig unter Gaffelsegeln gegen den südlichen
Wind angedampft hätte. Die Breite von Kapstadt wurde in 10° O-Lg erreicht.
Hier wurde nicht westlicher, sondern südlicher bis südsüdöstlicher Wind in
wechselnder Stärke angetroffen.
3. Von Kapstadt nach dem Norden (Togo):
Diese Strecke wurde bei vorherrschend südlichem Winde und zum grofsen
Theil ohne Zuhülfenahme der Dampfkraft zurückgelegt.
Beim Ansteuern von Walfisch-Bay, St. Marybay und St. Paul de Loanda
wurde eine Stromversetzung nach dem Lande zu nicht wahrgenommen.
IL Auf der Reise von Kamerun nach Lagos vom 8. bis 10. Juni setzte
in der Bucht von Biafra bis auf 7° O-Lg der Strom N 33° W ungefähr 1Sm in
der Stunde, zwischen 7° und 5° O-Lg N4° W in gleicher Stärke, dann in der
Bucht von Benin zwischen 5° N-Br und der Küste NNO ca 1 Sm die Stunde,
An der Küste von Togo fand ich den Strom östlich längs der Küste in einer
gleichmäfsigen Stärke von 0,5 bis 0,6 Sm in der Stunde setzend; auf der Rück-
fahrt von der Togoküste nach Kamerun wurde ein östlich setzender Strom in
der Stärke von 0,5 Sm in der Stunde vorgefunden.
Kleine Notizen.
1. Ueber den Ankerplatz bei der Insel Mona theilt Kapt. E. Jantzen
in Stralsund das Folgende mit:
Im Juni d. J. habe ich mit dem von mir geführten Altonaer Dreimast-
schoner-Schiffe „Balthasar“ auf Mona Guano geladen.
Während der Zeit, dafs ich dort vor Anker lag, hatte ich sehr heftige
Stürme und schwere hohe See zu bestehen, so dafß das grofse Deck des Schiffes
beständig unter Wasser lag, obgleich das Schiff nur gute 200 Tons Ladung ein-
hatte. Dennoch trieb das Schiff keinen Faden vor seinen Ankern. Demnach
muß der Ankergrund sehr gut sein, falls die Anker nicht auf Felsen geworfen
werden, welches überhaupt den Kapitänen keine Schwierigkeiten verursacht, in-
dem genügend guter Ankergrund daselbst vorhanden ist.
Den Kapitänen lege ich jedoch ans Herz, gut aufzupassen bei Windstillen,
ihre Ketten einzuhieven, damit dieselben keine Törns um Felsen bekommen.
Anempfehlen würde ich der Mona-Direktion, bei Ankunft von Schiffen
deren Ketten zu messen, wie es in Port Elisabeth und anderen Plätzen
Gebrauch ist, ob dieselben die richtigen Dimensionen, der Gröfse des Schiffes
antsprechend, auch haben.
Werden diese kleinen Verhaltungsmafsregeln von den Kapitänen befolgt,
30 ist meiner Meinung nach für die auf Mona ladenden Schiffe keine Gefahr
vorhanden, nur müssen dieselben bei Annäherung eines Orkans nach See gehen.
Letzteres kann ein Schiff zweimal in 24 Stunden ausführen.
Ich ging sogar nachts von Mona fort und lag nicht frei von einem
englischen Schiffe.
2. Orkan in Marseille. Deutsche Zeitungen bringen folgende Mittheilung:
„Paris, den 2. Oktober. Die Stadt Marseille wurde gestern von einem Orkan heim-
gesucht, wie man ihn seit 30 Jahren dort nicht erlebt haben will. Von vor-
mittags 8 Uhr bis nachmittags 1 Uhr wütheten Sturm, Regen, Hagel, Blitz und
Donner ohne Unterlafßs. Die Strafsen und Plätze der niedriger gelegenen Stadt-
theile verwandelten sich in Bäche und Seen, deren Gewässer nach dem Ab-
ßielsen eine dieke Schlamm- oder Sandschicht hinterlielfsen. Der Verkehr war