Reise von Auckland durch das deutsche Schutzgebiet der Südsee nac Apia,
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Reise von Auckland durch das deutsche Schutzgebiet der Südsee
nach Apia. a
(Aus dem Reisebericht S. M. Krz. „Bussard“, Kommandant Korv. Kapt. GERTZ.)
8. M. Kreuzer „Bussard“ verliefßs am 1. April 1892 den Hafen von Auck-
Jand, um die Rundreise durch die Schutzgebiete anzutreten. Die Kartenausrüstung
S. M. Kreuzer „Bussard“ erwies sich für diese Reise insofern nicht ganz voll-
ständig, . als für dieses Gebiet keine Karte gröfseren Mafsstabes zur Verfügung
stand. Dem abzuhelfen wurde die englische Admiralitätskarte 2766 (frühere Karte
Titel XII 119a) welche H. M. S. „Ringarooma“ bereitwilligst zur Verfügung
stellte, kopirt; später stellte der Reichskommissar für das Schutzgebiet der Neu-
Guinea-Kompagnie die von dem Hydrographischen Amte neu herausgegebene
Karte No. 119a zur Disposition.
Die Reise bis Rossel Island, welches am 12. April gesichtet wurde,
wurde bei nordöstlichen Winden mit Hülfe der Segel unter Dampf zurück-
gelegt. Der Strom an’ der Küste von Neuseeland war ein nördlicher, später
wurde bis Neu-Kaledonien ein vorwiegend nach NW setzender Strom angetroffen,
der sein gröfstes Etmal von 34 Sm am 5. April erreichte. Längs der kaledo-
nischen Küste war der Strom gering, setzte am 9. nach NO, am 10. aber und
den folgenden Tagen wurde ein südwestlicher Strom konstatirt.
Nach dem Passiren von Rossel Island wurde der Kurs nach den D’Entre-
casteaux-Inseln abgesetzt. Am 13. wurde die Insel St. Aignan passirt. Von
Bonvouloir ab wurde des Kurs weiter nach Jurien gesteuert, welches am 14,
passirt wurde. Am 16. Morgens wurde Cap Cretin gesichtet und am 17, ankerte
der Kreuzer vor Stephansort. Die Ansteuerung von Stephansort: bot insofern
Schwierigkeiten, als die Küstenkonturen in der Karte Titel XII’ No. 117 unge-
nau niedergelegt sind. Es wurde nämlich von dem Ankerplatz, welcher ca
300 m von der Station entfernt war, Kap Rigny noch gut von Kap Nowosilsky
frei gesehen, was im Gegensatz zu dem Küstenverlauf der Karte steht. Ein
Ankern ist bei den rasch zunehmenden Tiefen nach See zu nur in größter Nähe
der Küste möglich. Ein leidlicher Ankerplatz liegt in den Peilungen:
Bili-Bili .... N!'40
Nowosilsky .. O%%N.
Das Landen ‘mit Booten ist bei der Station nur bei gutem Wetter an-
gängig, dagegen befindet sich weiter nördlich am: Nordende des Dorfes Bokad-
schim in einer durch ein vorspringendes Riff gebildeten kleinen Bucht eine mälsig
gute Anlegestelle. Die Boote können hier auf Sandstrand auflaufen. Die im
Fahrwasser vorkommenden Steine sind gut sichtbar. Während des Aufenthaltes
in KaiserWilhelmsland fanden häufige und heftige Niederschläge statt.
Am 20. trat der Kreuzer die Rundreise an und ankerte am 21. früh vor
dem Dorfe Malala; da die Riffe sich deutlich markirten, so wurden keine Schwie-
rigkeiten in der Ansteuerung des von Leuten der Schutztruppe bezeichneten
Platzes gefunden. Am Nachmittage dampfte der Kreuzer nach Friedrich Wilhelms-
hafen. Die Einfahrt in diesen Hafen markirt sich durch ein Wrack an der Süd-
seite der Dalmann Passage; sonst gleicht sich das vorliegende Land mit dem
Hinterlande so aus, dafs die Einfahrt sich nicht bemerkbar macht. * Der Hafen
ist geräumig und sehr geschützt, doch ist man gezwungen, in unmittelbarer Nähe
der äufserst ungesunden Küste zu ankern. Am 23. wurde Friedrich-Wilbelms-
Hafen verlassen und nach Stephansort zurückgedampft, welches am 25. wieder
verlassen wurde, um nach den Hermit-Inseln zu gehen, woselbst am 26. vor der
Insel Gelun geankert wurde. Die Passage in den Atoll ist auf der Südseite
freier als an der gegenüberliegenden Seite, wo die Riffe sich nicht so scharf
gegen das tiefe Wasser absetzen, was seinen Grund darin hat, dafs die Tiefen
über ihnen allmählich zunehmen.
Die Anzahl der verzeichneten Riffinseln stimmt nicht mit den Angaben
der Karte überein; auch liegen dieselben näher an Luv heran. Der Atoll wurde
noch an demselben Abend verlassen; am Vormittag des 27. wurden die Admi-
Ann. d. Hvar. ete.. 1892, Heft X.