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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Defant, A,: Die Lösung des Euripus-Problems, 
3837 
Die Übereinstimmung ist außerordentlich befriedigend, wenn wir bedenken, 
daß die an den Mündungsstellen angenommenen Hubhöhen nicht etwa dort direkt 
beobachtet wurden, sondern theoretische Hubhöhen des Ägäischen Meeres sind, 
denen nur die Beobachtungsdaten von Saloniki und Dedeagatsch zugrunde liegen. 
Der große Unterschied der Hubhöhen in beiden Häfen von Chalkis, welcher der 
wesentlichste Faktor beim Zustandekommen der regulären Euripusströmungen 
ist, ist damit einwandfrei erklärt. .v. Sterneck ist es gelungen, die in Chalkis auf- 
tretenden Gezeitenanomalien auf die allgemeine Theorie der Gezeiten des Ägäischen 
Meeres zurückzuführen. Daß die Beobachtungstatsachen mit den theoretischen 
Ergebnissen eine so befriedigende Übereinstimmung aufweisen, bildet eine wesentliche 
Stütze der v. Sterneckschen Theorie der Mittelmeergezeiten. Von großer Wichtigkeit 
für das Zustandekommen der irregulären Strömungen ist der beobachtete relativ 
große Wert des Verhältnisses S, : M,, nämlich etwa 0:64, der es mit sich bringt, 
daß die Gezeitenbewegung zur Zeit der Quadraturen auch im Nordhafen von Chalkis 
nur gering ist, wodurch die Möglichkeit gegeben ist, daß die Seiches bei der Bestim- 
mung der Vorzeichen des Niveauunterschiedes die Oberhand bekommen. 
Infolge der Eigenperiode des östlichen Mittelmeerbeckens wächst für das ganze 
östliche Becken des Mittelmeeres, also auch für das Ägäische Meer, nach der hydro- 
dynamischen Theorie der theoretische Wert von S, : M, von 0:46 auf 0:49, infolge des 
Mitschwingens mit dem westlichen Becken vergrößert sich dieser Wert weiter auf 0:53. 
Eine weitere nicht unbedeutende Vergrößerung des Verhältnisses S, : M, muß ferner 
beim Eindringen der Gezeitenbewegung in den von der nördlichen Seite nach Chalkis 
führenden Kanal stattfinden. Nach der früheren Rechnung ergibt sich, daß dieser Kanal 
eine Vergrößerung. der Amplitude von 0:3156 an der Mündung auf 1 im inneren Ende 
zeigt, wenn er mit einer Gezeitenschwingung der Periode von 12:3 Stunden mit- 
schwingt. Die Abnahme der Hubhöhe vom inneren Ende bis zur Mündung beträgt 
demnach 64:84 Prozent. Wenn die Periode der Gezeitenschwingung nicht 12:3 
Stunden ist, sondern T, so ändert sich die Abnahme nach der ersten der Gleichungen 2 
im Verhältnis der Quadrate der Periode. Für M, wird die Abnahme 64:84 (12:3? : 
12:42°) — 63:59, bei S, = 64:84 (12:3? : 12-00?) == 68:12 Prozent sein. Das Amplituden- 
verhältnis beim Übergang zum inneren Ende des Kanals ergibt sich daraus aus dem 
Verhältnis von S, : M, an der Mündung durch Multiplikation mit 1142; die Ver- 
größerung beträgt also 14 Prozent. Auch aus der Eigenperiode des Kanals läßt sich 
die Vergrößerung der Amplitude einer erzwungenen Schwingung beim Eindringen 
in einen Kanal ermitteln. Nach dieser Methode findet v. Sterneck für die Ver- 
größerung des Amplitudenverhältnisses S, : M, 12 Prozent. Nimmt man 13 Prozent, 
so erhält man S, : M, für Chalkis Nord zu 0:60 in befriedigender Übereinstimmung 
zum beobachteten Wert 0:64. 
Die allgemeine Theorie der Gezeiten des östlichen Mittelmeerbeckens und 
die Diskussion des Schwingungsvorganges beim Eindringen der Gezeiten in den 
nördlichen Kanal erklären also vollkommen die Anomalie im Verhältnisse S, : M,. 
. Mit dem Werte dieses Verhältnisses und der besonderen Kleinheit der Eintags- 
gezeiten hängt die Umkehrung der Flutstunden, also auch die Umkehrung der Rich- 
tung der regulären Strömung vor und. nach den - Quadraturen zusammen; dies ist 
jene Erscheinung, deren theoretische Erklärung Miaulis als das eigentliche Euripus- 
problem bezeichnet hat. 
b) Seiches. An den Beobachtungen konnte R. v. Sterneck für Chalkis (Nord) 
und für Volo Seiches einer Periode von etwa 1:44 Stunden, für Chalkis (Süd) Seiches 
einer solchen von 1:84 Stunden ableiten. Für das Euripusproblem sind jene des 
Südhafens die weitaus wichtigeren, da sie viel größerer Amplitude sind als jene des 
Nordhafens. 
Zur Erklärung der beobachteten Seiches wird die von den Japanern abge- 
jeitete Formel!) herangezogen. Sie gibt die Periode der einknotigen Schwingung 
und lautet in gekürzter Form 
21 
z= =——(1 4 As): 
Vz El + 4v-+ 4s) 
Siehe diese Zeitschrift, März 1911.
	        
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