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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1892.
tungen, welche er an der biologischen Meeres-Station zu Plymouth angestellt hat.
Er fand das Wasser in Dichte und chemischer Zusammensetzung übereinstimmend
mit dem Durchschnitt des Atlantischen Oceans nach der „Challenger“ Expedition.
In den meisten Theilen des Kanals erhalten die Tidenströmungen eine gleich-
mäfsige Mischung des Wassers in seiner ganzen Tiefe. In Start Bay besteht in-
dessen ein Wirbel, dessen Wasser im Winter wärmer und im Sommer kälter ist
als der Rest des Kanals. Mit dieser gröfseren Gleichförmigkeit der Temperatur
dürfte die besondere Güte des dortigen Fischereigrundes zusammenhängen.
7. Die folgenden Vorträge fanden in einer besonderen gemeinsamen Sitzung
der Chemiker und Geographen statt. J.Y. Buchanan, welcher in derselben
Jen Vorsitz führte, theilte einige neue Beobachtungen mit einem Hydro-
meter vom „Challenger“ Typus mit, welche Kapt. Thomson vom Telegraphen-
schiffe „Silvertown“ über die Dichtigkeit des Meerwassers in einer Tiefe von
mehr als 2000 Fad. (3600 m) in der Nähe der Küste von Brasilien gemacht
hatte. Das Resultat derselben macht es wahrscheinlich, dafs das Tiefenwasser
an dieser Stelle durch Abkühlung von Wasser von der Oberfläche des südlichen
Oceans geliefert werde. Kine Diskussion entspann sich über den Werth von
HAydrometer-Beobachtungen, verglichen mit gravimetrischen Dichtigkeits-Bestim-
mungen. Prof. Hartley, Dr. H. R. Mill und H, N. Dickson schlossen sich
ler Ansicht von Buchanan an über die Zuverlässigkeit der Angaben von
Hydrometern des „Challenger“-Typus. Prof. Petterson und Dr. J. Gibson
arklärten, dafs zur Bestimmung der Beziehungen zwischen chemischer Zusammen-
setzung und Dichtigkeit es unbedingt nothwendig sei, eine sorgfältig abgemessene
Menge Wasser bei konstanter Temperatur zu wägen.
8. Prof. Petterson gab einen höchst interessanten, durch große Karten
and Diagramme illustrirten Vortrag über „die Hydrographie des Katte-
rats und der Ostsee“. Mit Hülfe gleichzeitiger Beobachtungen an verschie-
denen Punkten bei zwei verschiedenen Gelegenheiten wurde ein vollständiges
Bild der physikalischen und chemischen Verhältnisse des Gebietes gewonnen,
and länger dauernde partielle Beobachtungen an einzelnen Punkten dienten dazu,
über die jahreszeitlichen Schwankungen aufzuklären. Das „Regime“ dieser Meere
wird von vielen Einflüssen beherrscht, unter denen die Gestaltung des Meeres-
bettes, die Wirkung des Windes auf das Wasser, die jährliche Temperatur-
Schwankung, zuletzt und vor Allem der Ueberschuls des Niederschlages über
lie Verdunstung die wichtigsten sind. Der letztere veranlalst eine Oberflächen-
Strömung von salzarmem Wasser in die Nordsee hinaus. Dieser ausfliefsende
Strom — die Baltische Strömung — wendet sich nordwärts dicht an der nor-
wegischen Küste entlang und ist im Sommer am meisten bemerkbar. Im Winter
wird er schwach, und eine Gegenströmung setzt in das Skagerrak von den nor-
wegischen Küstenwassern, deren Temperatur vergleichsweise hoch ist. Es ist
interessant, festzustellen, dafs das Einsetzen dieser Strömung zusammenfällt mit
dem Beginn des grofsen winterlichen Häringfischfangs, welcher sein Ende
erreicht, sobald im Frühling der kalte, salzarme, auslaufende Strom sich wieder
einstellt.
9. Prof. Andrussof aus Russland hielt in deutscher Sprache einen Vor-
irag über die merkwürdigen Ergebnisse der neuen russischen Forschungen im
Schwarzen Meere. Wir haben über dieselben im vorigen Hefte dieser An-
nalen berichtet.
10. Dr. John Gibson beschrieb die Resultate seiner Analysen des
Wassers aus verschiedenen Theilen der Nordsee. Indem er das Ver-
hältnifßs der verschiedenen Salze in diesen Wasserproben und die durch genaue
Wägungen bestimmten Dichtigkeiten verglich, war er im Stande, Seewasser von
rerschiedenem Ursprung zu unterscheiden und die grofsen Züge in der Mischung
nordischen und atlantischen Wassers längs der Ostküste von Schottland zu
verfolgen. W. K.