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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Die Oceanographie auf der Britischen Naturforscher- Versammlung von 1892. 347 
zu gründen. Mit Ausnahme der Bermuden sind alle diese Inseln auch zur gleich- 
zeitigen Errichtung von Hochstationen geeignet, welche, ein einziges Jahr durch- 
geführt, die Meteorologie des Nordatlantischen Oceans auf eine ungleich‘ sicherere 
Grundlage. stellen würden. Auf den Azoren erreicht der Pico 2320 m, Madeira 
steigt bis 1846 m, Teneriffa bis 3711 m und Fogo auf den Kap Verden bis 
2975 m an. Häufig werden diese atlantischen Stationen auch ihre Mittheilungen 
ergänzen können durch recente Beobachtungen, welche von Schiffen, die sie an- 
laufen, in ihrer Nähe gemacht wurden, 
Die französische Kabelgesellschaft, welche die Koncession für das Kabel 
nach den Azoren erhalten hat, hat sich zur unentgeltlichen Beförderung von drei 
täglichen Telegrammen zu je zehn Worten nach Europa und nach Amerika verpflichtet. 
Die Gründung dieser Observatorien denkt sich der Verfasser in der Weise 
bewerkstelligt, daß Grofsbritannien eines auf Bermuda ins Leben ruft, *) die Kosten 
der übrigen aber von den am meisten dabei interessirten Nationen gemeinsam 
getragen werden. Die Beobachtungen derselben ist die Regierung von Monaco 
bereit, auf ihre Kosten bearbeiten und veröffentlichen zu lassen. ; 
Der Prinz schlägt vor, dafs Abgeordnete der interessirten Nationen im 
nächsten Winter in Monaco zur Berathung der Sache zusammenkommen. 
Wie man sieht, hat dieser Vorschlag große Aehnlichkeit mit des ver- 
storbenen Direktors Hoffmeyer Projekt eines internationalen wettertelegraphischen 
Dienstes in Bezug auf den Nordatlantischen Ocean, über welchen wir in dieser 
Zeitschrift, Jahrgang 1880, S. 292 bis 306 berichteten. Der Unterschied liegt 
hauptsächlich in zwei Punkten: Hoffmeyer hat, auf Grund seiner umfassenden 
Studien über das europäische Wetter, vor Allem Gewicht auf Nachrichten von 
den Faröern, Island und Südgrönland gelegt, welche der Prinz von Monaco ganz 
übergeht; erst in zweiter Linie hat Hoffmeyer auch die Azoren hinzugezogen, 
auf welche Buys Ballot seit Jahren in dieser Beziehung hingewiesen hatte, deren 
Verwendbarkeit für europäische Wetterprognosen aber vom Londoner meteoro- 
logischen Amt auf Grund einer speciellen Untersuchung‘ bestritten worden war. 
Jedem, der sich mit Wetterkarten beschäftigt hat, ist es in der That bekannt, dals 
die mächtigen atmosphärischen Wirbel, welche tiefgreifenden Einfluß auf unsere 
europäische Witterung ausüben, sich ganz überwiegend in jenen höheren Breiten 
bemerklich machen, während in niederen gleichzeitig, mit Ausnahme ganz ver- 
einzelter Orkane, nur kleine, auf grofse Räume vertheilte Aenderungen statt- 
finden. Eine ähnlich unmittelbare Verwendung‘ für die Wetterprognose, wie 
die Nachrichten von Island und den Faröern, würden zunächst nur die Mitthei- 
lungen von Bermuda finden, welche in den Monaten August bis Oktober grofsen 
Werth zur Warnung vor Orkanen für die atlantische Küste Nordamerikas haben 
können. Allein es ist sehr wahrscheinlich, dafs die für gewöhnlich nur schwachen 
Schwankungen in den meteorologischen Erscheinungen der Tropenzone in einem 
nothwendigen, wenn auch noch nicht bestimmt erkannten Zusammenhange mit den 
stürmischen Vorgängen in höheren Breiten stehen und daß dereinst frische 
Nachrichten aus der Tropenzone auch für unsere Wetterprognose hohe Bedeutung 
erlangen werden; für den Augenblick wülsten wir freilich wenig damit anzu- 
fangen. Doch würde unzweifelhaft schon jetzt die Kenntnifs davon, ob das 
Druckmaximum bei den Azoren und Madeira vorhanden, eventuell sogar verstärkt 
ist oder fehlt, für die Beurtheilung der wahrscheinlichen Gestaltung der Druckver- 
iheilung über Europa, speciell auch der Bahn der Depressionen daselbst, von 
bedeutendem Werth sein, 
Noch mehr wird dies der Fall sein, wenn der Vorschlag des Prinzen von 
Monaco, nicht nur am Meeresspiegel, sondern auch auf Berggipfeln von 1800 
bis 3600 m Höhe auf den genannten Inseln Observatorien zu errichten, in HEr- 
füllung gegangen sein wird, Und hierin liegt ein entschiedener Vorzug dieses 
neuen Projektes vor dem Hoffmeyer’schen, welches im Uebrigen den Bedürfnissen 
der praktischen Meteorologie weit mehr entspricht. Für die Summe, welche ein 
Kabel nach Island und Grönland und dessen Unterhaltung kosten würde, ließsen 
sich Gipfelobservatorien auf mehreren atlantischen Inseln gründen und unter- 
halten, deren Nutzen für den Ausbau der Meteorologie und weiterhin für die 
\ Von Bermuda gehen bereits seit einiger Zeit tägliche Witterungstelegramme nach Canada. 
D. Red.
	        
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