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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1892. 
Die Oceanographie auf der Britischen Naturforscher-Versammlung 
im August 1892, 
Vorträge über Fragen der Meereskunde werden in verschiedenen Sektionen 
der Versammlung gehalten. Auf Grundlage eines Berichtes über dieselben im 
Septemberheft der „Proceedings of the R. Geographial Society (London)“ geben 
wir eine Uebersicht derselben. 
1. Eine neue Karte der Meeresströmungen im Nordatlantischen 
Ocean von Prinz Albert von Monaco. Während der Jahre 1885, 1886 und 
1887 hat der Prinz auf seiner Segelyacht „Hirondelle“ eine Reihe von Versuchen 
gemacht zur genaueren Bestimmung der atlantischen Strömungen, Zu diesem 
Behufe wurden von ihm 1885 169, 1886 510 und 1887 etwa 1000 Gefäfse ver- 
schiedener Art im Gebiet zwischen 40° und 50° N-Br und 15° bis 50° W-Lg 
ausgeworfen, welche genügend belastet waren, um dem Winde keine irgend 
erhebliche Angriffsfläche zu bieten, und deren jedes eine Aufforderung in neun 
Sprachen enthielt. Im Jahre 1887 waren es Flaschen von dickem Glase, die in 
einer kupfernen Kapsel steckten, mit einer zwischengelagerten Pechschicht. 
Von allen diesen Schwimmern sind 227 in seine Hände zurückgelangt und haben 
der Untersuchung zu Grunde gelegt werden können. Dieselben sind an folgenden 
Küsten angespült worden: 37 auf den Azoren, 6 auf Madeira, 21 auf den Ka- 
naren, 3 auf Island, 22 in Norwegen, 29 auf den Britischen Inseln, 36 an der 
Westküste Frankreichs, 14 an den nördlichen Küsten Spaniens, 7 in Westafrika, 
23 auf den Antillen, 1 in Centralamerika, 4 auf den Bermuden; 3 sind auf 
offener See aufgefangen. 
Die Resultate, welche diese Versuche in Bezug auf die Richtung der 
Strömungen ergeben haben, wurden der Versammlung in einer Karte vorgelegt, 
von der eine kleine Kopie in den „Proceedings“ mitgetheilt ist. Von den ge- 
wöhnlichen neueren Strömungskarten unterscheidet sie sich durch stärkere Beto- 
nung des inneren Theiles des grofsen Kreislaufes nordöstlich von den Antillen, 
welcher häufig zu Gunsten des intensiveren äufseren Theiles — des eigentlichen Golf- 
stromes (Florida-Stromes) — ganz übersehen wird, obwohl auf dessen Bedeutung 
bereits oft genug hingewiesen worden ist. Der innerste Theil der östlichen 
Hälfte des Wirbels liegt noch etwas westlich von den Azoren, da zwei Flaschen, 
welche im NW von diesen Inseln ausgeworfen wurden, wenige Wochen später 
im SW derselben auf offener See aufgefischt wurden.!) Ferner zeichnet der Prinz, 
im Gegensatz zu Rennel, einen Stromarm, der bei Brest in die Bai von Biscaya 
eintritt und die Küste entlang an Bordeaux, Corunna und Lissabon vorbei nach 
den Kanaren fliefst. 
Um die Geschwindigkeit der Strömungen zu berechnen, konnten nur 
diejenigen Schwimmer verwendet werden, welche am schnellsten und an stark 
bewohnten Küsten ankamen; solche dagegen, welche ausnahmsweise lange 
unterwegs gewesen waren, mufsten ausgeschlossen werden. Die mittlere Ge- 
3chwindigkeit ergab sich auf diese Weise für die Gegend zwischen den Azoren, 
Island und Norwegen zu 3,97 Sm im Etmal; zwischen den Azoren, Frankreich, 
Portugal und den Kanaren zu 5,18 Sm; von den Kanaren nach Westindien, 
den Bahamas und Bermudas zu 10 bis 11 Sm; zwischen den Azoren und Bermuden 
zu 6,42 Sm; im Durchschnittt für den Nordatlantischen Ocean zu 4,48 Sm im Etmal. 
2. Ueber meteorologische Observatorien im Atlantischen Ocean, 
von demselben. Da Schiffsbeobachtungen im Allgemeinen zu spät eingehen, um 
für die Wetterprognose verwendet werden zu können, andererseits aber die 
Bermuden, Azoren, Kanaren und Kapverden entweder bereits telegraphische Ver- 
bindung mit dem Festlande haben oder solche demnächst erhalten werden, so 
schlägt der Prinz von Monaco vor, auf diesen Inseln meteorologische Observatorien 
4) Das Centrum der Rotation legt der Prinz nach etwa 38° N-Br, 36° W-Lg; nach der 
‚Pilot Chart“ des „U. S. Hydrographic Office“ für Oktober 1892 hat das Wrack des Schoners 
„Wyer G. Sargent“ vom 20. August 1891 bis zum 2. Juli 1892 etwa 1'/4 Kreis beschrieben um ein 
Centrum etwa bei 33° N-Br und 38° W-Lg, mit einem Radius von ca 200 Sm, auf welchem Wege 
as mindestens 14 Mal gesehen worden ist. D. Red.
	        
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