Plehn: Ueber eine Reise im tropischen Theil "des Indischen Oceans. 345
Schiffes bei gleichfalls lebhaftem Wetterleuchten, Die Temperaturverhältnisse
wurden erheblich von den umliegenden Landmassen beeinflulst, besonders hin-
sichtlich des Abstandes der Temperaturextreme. So wurden die höchsten, auf
der Reise konstatirten "Temperaturerhebungen, 83,5° und 34,0°, auf der Rhede
von Samarang und Tand Tond Priok und Tagesamplituden bis zu 5,4° beobachtet.
£s wurde oben schon erwähnt, dafs die Instrumente des Herrn Dr. Plehn
auf der Seewarte vor der Abreise verglichen worden sind; es mag nur noch er-
läuternd hinzugefügt werden, dafs diese Vergleichung sich auf die verschiedenen
Gattungen von Hygrometern erstreckte und zwar in einem Umfange, daß sie als
eine Reihe von Versuchen, die unter Leitung des Assistenten des Direktors,
Dr. Duderstadt, ausgeführt wurden, aufzufassen sind. Da diese Versuche bei
sehr verschiedenen Feuchtigkeitsverhältnissen angestellt sind, zwischen 38 °%/9 und
90 bis 94% 0, so konnte über die resp. Leistungen der Instrumente ein Urtheil
gebildet werden. Unter den Hygrometern war auch ein solches, welches beson-
ders zu.Messungen der Feuchtigkeitsgrade unmittelbar auf der Haut diente.
Da sich Herr Dr. Plehn bei dieser Gelegenheit auf den Gebrauch des Afs-
mann’schen Aspirationpsychrometers einübte, so verdienen die von ihm aus-
geführten vergleichenden Beobachtungen ein besonderes Vertrauen.
Zum Schlusse sei noch auf die Zusammenstellung in Tabelle I und II der
Temperaturen und Feuchtigkeitsprocente in freier Luft, im Maschinen- und Heiz-
raume hingewiesen. Untersuchungen dieser Art sind zweifellos von. hohem
Werthe, und es mag mit Rücksicht darauf wohl gestattet sein, an eine Stelle in
dem Werke des Herrn Physikus Dr. Reincke: „Gesundheitspflege auf Seeschiffen
mit besonderer Berücksichtigung der Handelsflotte“, welche Bezug nimmt auf
den Beruf der Heizer, zu ‚erinnern. Es heifst dort: „Trotz aller Ventilation kann
die Temperatur im Heizraume unter ungünstigen Umständen auf ganz außer-
ordentliche Höhen ansteigen, bis zu 70 und mehr Grad Celsius, z, B. im Rothen
Meere oder in der Straße von Malakka; auch unter günstigen Umständen sinkt
sie kaum unter 35° bis 45° C. (Die Temperatur im Sudatorium eines römisch-
irischen Bades pflegt 50° bis 55° C zu betragen.) Dabei treffen die strahlende
Wärme der Feuer, Aschen- und Kohlenstaub direkt die mehr oder minder ent-
kleideten Leiber der schwer arbeitenden Männer, welche dann von Zeit zu Zeit
sich mit kaltem Wasser begiefßsen oder wie sie sind, von Schweifs triefend, ‚auf
das zugige Oberdeck stürzen, um Abkühlung zu suchen in einer oft um 20
and mehr Grad kühleren Umgebung.“ Wir ersehen aus den anliegenden Tabellen,
dafs die von Reincke angegeben niedrigsten Temperaturen in Wirklichkeit im
Falle des Dampfers „Salatiga“ nicht erreicht wurden, d. h. die Temperatur in den
unteren Räumen sich beträchtlich darüber hielt, wenn sie auch die extreme Höhe, wie
oben angeführt, nicht erreichte. Es ist ein besonderes Verdienst der vorliegenden
Beobachtungen des Herrn Dr. Plehn, dafs auch die Feuchtigkeitverhältnisse zu
gleicher Zeit einer genauen Untersuchung unterworfen worden sind. Ohne die
Berücksichtigung dieses wichtigen Elementes läfßst sich kaum ein gründliches
Urtheil über die Wirkung auf den Orgänismus der‘ „klimatischen Zustände in
den inneren Schiffsräumen“ gewinnen. Es erinnert uns diese Bezeichnung der
atmosphärischen Zustände in Schiffen an die verdienstvollen Arbeiten Dr. Fabers
auf dem Gebiete der Hygiene im Seedienste, die leider nicht in dem gleichen
Sinne weder von ihm, noch unseres Wissens von einem anderen Gelehrten inner-
halb der Handelsmarine in dem Umfange fortgeführt worden sind. Dr. Fabers
verschiedene Abhandlungen „On theinfluence of sea-voyages on the human body,
and their value in the treatment of consumption“ sind höchst lehrreich in Bezug
auf die Wechselbeziehungen zwischen der umgebenden äufseren Temperatur, der
Körperwärme und der Pulsfrequenz, und es ist nur zu bedauern, daß in den ein-
schlägigen Untersuchungen die Feuchtigkeitsprocente eine messende Berücksich-
tigung nicht gefunden haben. Dr. Plehn, obgleich hinsichtlich der pathologischen
Frage einen anderen Gesichtspunkt festhaltend, lenkt in seinen schönen Arbeiten
in die vorhin bezeichnete Richtung ein. Es wäre zum Heile der in den unteren
Schiffsräumen Beschäftigten sehr erwünscht, dafs Untersuchungen der bezeichneten
Art recht häufig mit Rücksicht auch auf die Ventilationsbedingungen geführt
oder vielmehr, dafs die Resultate solcher Beobachtungen, die zweifellos, wie wir
annehmen, ausgeführt werden, auch in entsprechenden Diskussionen verwerthet
and veröffentlicht würden.
Anz. d. Hvdr. etc... 1892, Heft X.