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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Plehn: Ueber eine Reise im tropischen Theil des Indischen Oceans, 343 
Der Wind auf der Ausreise, von SSE über SE und Ost nach NE gehend, 
war mäßig, 2 bis 3, am Ausgang des Golfes wehte NNW. Die Bewölkung war 
geringer als in den Tagen vorher, Niederschläge kamen nicht vor. Auffällig 
waren die zur Beobachtung kommenden Temperaturschwankungen sowie die ver- 
hältnifsmäfsig große Tagesamplitude von 4,3° und 5,9°; das Tagesmaximum stieg 
bis 30°, das Minimum betrug 24,1° bezw. 23,9°. 
In der zweiten Hälfte des April herrschte wechselnder Wind mit Bevor- 
zugung der Nord- und NE-Richtung. Der Himmel war völlig klar und wolkenlos, 
graublau mit gelbgrauem Saum am Horizont. Niederschläge sind nicht beobachtet. 
Die Temperatur betrug im Maximum 29,9° bezw. 29,3°, im Minimum 26,0° bezw. 
27,0°, so dal die höhere Durchschnittstemperatur dieser Tage in erster Linie auf 
die Hebung der Minima bezogen werden mus. 
im Indischen Ocean wehten auf der Ausreise in der ersten Dekade 
des März ausschließlich nördliche und nordöstliche Winde von ziemlich gleich- 
mäfsiger Stärke (38 bis 4), nur ganz vorübergehend anwachsend oder ganz ab- 
flauend. An der Südwestspitze von Ceylon machte sich eine südöstliche Wind- 
richtung bemerkbar. In der zweiten Dekade des April herrschten ausschließlich 
westliche Winde, die anscheinend regellos bald eine mehr nördliche, bald mehr 
südliche Richtung annahmen. Die Bewölkung im Nordost-Passat bot ein sehr 
gleichförmiges Bild. Der Horizont war gleichsam ummauert von einer ziemlich 
gleichmäßig ca 20° hohen Schicht (perspektivisch zusammengeschobener) schwarz- 
grauer, in den Randpartien etwas hellerer, dicker, geballter, nicht konfluirender 
Wolkenmassen, die anscheinend unbeweglich waren und die sich bis nach dem 
Zenith hinzogen mit immer gröfßser werdendem Abstand; zwischen ihnen grau- 
blauer verschleierter Himmel. Unter diesen Wolken trieben in lebhaftem Zug, 
am leichtesten verfolgbar in den kühleren und feuchteren Abend- und Nacht- 
stunden, die grauweifsen flockigen, häufig auch netzartig durch den Wind ausein- 
andergerissenen Wolken und Wölkchen des Nordost-Passats von sehr wechselnder 
Gestalt und Größe. In der Nacht des 11. März wurden unter 5° N-Br bei 
wesentlich geringerer Bewölkung im Zenith Cirruswolken in gröfserer Ausdehnung 
sichtbar, deren Zugrichtung‘ zu ermitteln jedoch nicht gelang. Niederschläge 
fielen in der ganzen Zeit nicht, Regenböen und Gewitter traten erst in der Nähe 
der Malakka-Strafse ein. Im April wechselten klare oder wolkenarme Tage mit 
solchen von ausgebreiteter Bewölkung, die Nächte waren sternhell. Das charak- 
teristische Bild der Passatwolken war völlig verwischt, doch der Horizont immer 
noch derart von ungleichmäfßsig gestalteten, meist konfluirenden Wolken verdeckt, 
dafs der Sonnenuntergang nur an einem Tage (16. April) beobachtet werden 
konnte. Heftige Regenhöen im östlichen Theile des Oceans wurden weiter nach 
West — bis zum 70. Längengrad — durch feinen strichförmigen Regen ersetzt. 
Von da an wurden Niederschläge bis nach Port Said hin nicht mehr beobachtet, 
Die Farbe des Meeres war dunkelgraublau, während sie im Rothen Meere 
durchsichtig hellblau erscheint. Meeresleuchten wurde auf der Ausreise, häufig 
sehr intensiv, bis zur Höhe von Ceylon beobachtet, wo dasselbe plötzlich und 
vollkommen verschwand. Es liegt nicht fern, diese eigenthümliche Erscheinung 
mit einer starken . Meeresströmung in Zusammenhang zu bringen, die sich. zu 
gleicher Zeit von 0SO herkommend bemerkbar machte und aufser einer be- 
trächtlichen Versetzung (44 Sm) eine plötzliche Steigerung der Wassertemperatur 
um 2° bewirkte. Auch auf der Rückreise fehlte trotz der inzwischen nicht 
unbedeutend veränderten Strömungsverhältnisse (Stromversetzung SW 17 Sm) das 
Meeresleuchten gänzlich bis zum 55. Längengrad; von da an nahm es nach 
West hin stetig an Intensität zu. 
Am sorgfältigsten durchgeführt sind im Indischen Ocean die Temperatur- 
beobachtungen. Das Tagesmittel steigt im März von 255° bis 28,5°; das 
Gesammtmittel beträgt 27,01° im März gegen 27,71° im April, die Differenz 
von 0,7° wird im Wesentlichen durch die gröfseren Unterschiede der Tages- 
mittel (1,6°, 1,4°, 1,7°) in der Nähe des Golfs' von Aden bedingt. Der Gang 
der Tagestemperatur für die erste Dekade des März und die zweite des April 
ist aus den stündlich beobachteten Werthen berechnet und in den beigegebenen 
Kurven zur Anschauung gebracht. Die stündlichen Mittelwerthe sind die 
folgenden:
	        
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