Plehn: Ueber eine Reise im tropischen Theil des Indischen Oceans, 343
Der Wind auf der Ausreise, von SSE über SE und Ost nach NE gehend,
war mäßig, 2 bis 3, am Ausgang des Golfes wehte NNW. Die Bewölkung war
geringer als in den Tagen vorher, Niederschläge kamen nicht vor. Auffällig
waren die zur Beobachtung kommenden Temperaturschwankungen sowie die ver-
hältnifsmäfsig große Tagesamplitude von 4,3° und 5,9°; das Tagesmaximum stieg
bis 30°, das Minimum betrug 24,1° bezw. 23,9°.
In der zweiten Hälfte des April herrschte wechselnder Wind mit Bevor-
zugung der Nord- und NE-Richtung. Der Himmel war völlig klar und wolkenlos,
graublau mit gelbgrauem Saum am Horizont. Niederschläge sind nicht beobachtet.
Die Temperatur betrug im Maximum 29,9° bezw. 29,3°, im Minimum 26,0° bezw.
27,0°, so dal die höhere Durchschnittstemperatur dieser Tage in erster Linie auf
die Hebung der Minima bezogen werden mus.
im Indischen Ocean wehten auf der Ausreise in der ersten Dekade
des März ausschließlich nördliche und nordöstliche Winde von ziemlich gleich-
mäfsiger Stärke (38 bis 4), nur ganz vorübergehend anwachsend oder ganz ab-
flauend. An der Südwestspitze von Ceylon machte sich eine südöstliche Wind-
richtung bemerkbar. In der zweiten Dekade des April herrschten ausschließlich
westliche Winde, die anscheinend regellos bald eine mehr nördliche, bald mehr
südliche Richtung annahmen. Die Bewölkung im Nordost-Passat bot ein sehr
gleichförmiges Bild. Der Horizont war gleichsam ummauert von einer ziemlich
gleichmäßig ca 20° hohen Schicht (perspektivisch zusammengeschobener) schwarz-
grauer, in den Randpartien etwas hellerer, dicker, geballter, nicht konfluirender
Wolkenmassen, die anscheinend unbeweglich waren und die sich bis nach dem
Zenith hinzogen mit immer gröfßser werdendem Abstand; zwischen ihnen grau-
blauer verschleierter Himmel. Unter diesen Wolken trieben in lebhaftem Zug,
am leichtesten verfolgbar in den kühleren und feuchteren Abend- und Nacht-
stunden, die grauweifsen flockigen, häufig auch netzartig durch den Wind ausein-
andergerissenen Wolken und Wölkchen des Nordost-Passats von sehr wechselnder
Gestalt und Größe. In der Nacht des 11. März wurden unter 5° N-Br bei
wesentlich geringerer Bewölkung im Zenith Cirruswolken in gröfserer Ausdehnung
sichtbar, deren Zugrichtung‘ zu ermitteln jedoch nicht gelang. Niederschläge
fielen in der ganzen Zeit nicht, Regenböen und Gewitter traten erst in der Nähe
der Malakka-Strafse ein. Im April wechselten klare oder wolkenarme Tage mit
solchen von ausgebreiteter Bewölkung, die Nächte waren sternhell. Das charak-
teristische Bild der Passatwolken war völlig verwischt, doch der Horizont immer
noch derart von ungleichmäfßsig gestalteten, meist konfluirenden Wolken verdeckt,
dafs der Sonnenuntergang nur an einem Tage (16. April) beobachtet werden
konnte. Heftige Regenhöen im östlichen Theile des Oceans wurden weiter nach
West — bis zum 70. Längengrad — durch feinen strichförmigen Regen ersetzt.
Von da an wurden Niederschläge bis nach Port Said hin nicht mehr beobachtet,
Die Farbe des Meeres war dunkelgraublau, während sie im Rothen Meere
durchsichtig hellblau erscheint. Meeresleuchten wurde auf der Ausreise, häufig
sehr intensiv, bis zur Höhe von Ceylon beobachtet, wo dasselbe plötzlich und
vollkommen verschwand. Es liegt nicht fern, diese eigenthümliche Erscheinung
mit einer starken . Meeresströmung in Zusammenhang zu bringen, die sich. zu
gleicher Zeit von 0SO herkommend bemerkbar machte und aufser einer be-
trächtlichen Versetzung (44 Sm) eine plötzliche Steigerung der Wassertemperatur
um 2° bewirkte. Auch auf der Rückreise fehlte trotz der inzwischen nicht
unbedeutend veränderten Strömungsverhältnisse (Stromversetzung SW 17 Sm) das
Meeresleuchten gänzlich bis zum 55. Längengrad; von da an nahm es nach
West hin stetig an Intensität zu.
Am sorgfältigsten durchgeführt sind im Indischen Ocean die Temperatur-
beobachtungen. Das Tagesmittel steigt im März von 255° bis 28,5°; das
Gesammtmittel beträgt 27,01° im März gegen 27,71° im April, die Differenz
von 0,7° wird im Wesentlichen durch die gröfseren Unterschiede der Tages-
mittel (1,6°, 1,4°, 1,7°) in der Nähe des Golfs' von Aden bedingt. Der Gang
der Tagestemperatur für die erste Dekade des März und die zweite des April
ist aus den stündlich beobachteten Werthen berechnet und in den beigegebenen
Kurven zur Anschauung gebracht. Die stündlichen Mittelwerthe sind die
folgenden: