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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Seemann: Sechs Reisen um das Kap der guten Hoffnung im südlichen Winter, 387 
1878 hatten wir wieder fast ausschliefslich einen Barometerstand von 
über 760 mm, ‚die Stürme waren auch wieder seltener, und es traten mehrfach 
leichte Winde aus südlicher und nördlicher Richtung auf. 
1879 war es ähnlich, während 1880 vom 8. bis 11. April bei sehr niedrigem 
Luftdruck äufserst schwere Stürme herrschten. Auch am 14. bis 16. April 
herrschten schwere Weststürme bei einem Barometerstande unter 760 mm. 
Wir können hieraus den Schlufs ziehen: wenn das Barometer unter 760 mm 
fällt, dann sind stürmische Westwinde zu gewärtigen. 
Westlich vom Kap nehme man jede Gelegenheit wahr, nach NW resp. 
Nord zu kommen; desto eher entfernt man sich von der Zugstrafßse der Minima, 
die sich südlich vom ständigen Maximum des Luftdruckes im Atlantischen Ocean 
bilden. Wenn auch ein zeitweiliger SE-Wind im SW vom Kap sich noch nicht 
als ein dauernder Passat herausstellen sollte, so benutze man ihn doch wie einen 
solchen, um nach NW zu kommen. 
1875 am 25. Juni auf 32,8° S-Br und 11,0° O-Lg bei steigendem Luft- 
druck ging der Wind auf SE, so daß wir einen schönen Fortgang nach NW 
hatten. Dieser SE hielt allerdings nur bis zum 26. mittags an; wir hatten schon 
Leesegel an beiden Seiten bei, als am 26. auf 31,9° S-Br und 9,1° O-Lg bei 
770 mm Lftdruck der südliche Wind wieder abnahm. Nach einer Windstille von 
vier Stunden kam Nordwind durch. Dieser nördliche Wind ‚hielt in mäßiger 
Stärke bis zum 29. an, das Barometer war bis 766 mm gefallen ‘ und stieg dann 
wieder, wobei der Wind durch West am 1. Juli auf 27,2° S-Br und 7,7° O-Lg 
auf SSE lief. Der Luftdruck stieg bis zum 2. Juli auf 772 mm. Dieser SE 
führte uns bis zur Linie. . 
1876 hatte ich im SW vom Kap. für mehrere Tage südlichen bis südöst- 
lichen Wind, womit ich hauptsächlich West machte, um eine gute Position 
bei etwaigen noch wieder einsetzenden Westwinden zu erhalten. Dieses war 
nicht richtig, ich hätte den südlichen Wind ausnutzen sollen, um hauptsächlich 
nach NW resp. NNW zu kommen, um auf diese Weise so schnell wie möglich 
aus dem HEinflufßs der im Süden längs ziehenden Depressionen zu gelangen. 
Durch den westlichen Kurs, worin ich in vier Tagen nur 4,5° Nord, aber 8° West 
gemacht hatte, kam der „Eduard“ noch wieder in die Lage, von den nordwest- 
lichen Winden der nächsten Depression mehrere Tage aufgehalten zu werden. 
Ich hätte durch besseres Ausnutzen des südlichen Windes nach Norden hin viel- 
leicht die neue Depression vermeiden können. 
1877 habe ich dann auch den am 18, Mai auf 36,4° S-Br und 17,8° O-Lg 
einsetzenden südlichen Wind besser ausgenutzt; derselbe lief freilich auch noch 
auf 26,1° S-Br und 61° O-Lg am 23. Mai auf SW und West; aber dieses hinderte 
uns nicht, recht Nord zu machen. Am 25. Mai auf 23° S-Br und 4,2° O-Lg lief 
der Wind dann von WNW nach SE um, und wir hatten den Passat erreicht. 
Interessant ist num aber noch die Verlagerung des Luftdruckmaximums 
nach Norden im Südatlantischen Ocean wenige Tage später. Diesen Ver- 
lagerungen der Luftdruckmaxima habe ich auf allen meinen Reisen als Kapitän 
stets die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Wir ersehen aus jeder guten Karte 
der mittleren Isobaren in der Umgebung von Südafrika, beispielsweise aus 
Tafel 15 des Atlas der Seewarte für den Indischen Ocean, dafs die mittlere 
Lage des Maximums des Luftdruckes im Januar, also im südlichen Sommer, eine 
derartige ist, daß um das Kap südöstliche Winde vorherrschend sind. Im süd- 
lichen Sommer ist Südafrika — ebensowohl wie Südamerika — höher erwärmt 
als die angrenzenden Meerestheile; daher sehen wir den Umrifs des Luftdruck- 
maximums hier von Norden her grofse Ausbuchtungen erleiden; über den Kon- 
tinenten liegt dann bei größerer Wärme niedrigerer Luftdruck. Diesem Umstande 
verdankt die Kapküste im Sommer ihre südöstlichen Winde. 
Im Juli aber, also im südlichen Winter, mit welcher Jahreszeit wir uns 
hier hauptsächlich beschäftigt haben, ist das Land sogar noch etwas kälter, als 
das Meer, und nun ist der hohe Luftdruck in einem fast gleichmäfsigen Gürtel 
um die südliche Halbkugel, mit dem höchsten Druck auf ungefähr 28° bis 30° Breite 
vertheilt, so dafs um das Kap fast ausschliefslich die NW- Winde der Südseite des Maxi- 
mums zum Ausdruck gelangen. An dieser Südseite des Maximums gehen nun ferner 
Ann. d. Hvar. ete., 1892. Haft X.
	        
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