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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Annalen der Hydrograplie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1592. 
Stromes in den warmen Aequatorialstrom. Wir Seeleute kennen alle die schwere 
Wucht der Ausschiefser. 
Ein Beispiel für viele aus meiner Erfahrung auf südlichen Breiten will 
ich hier anführen. Auf der Reise von Santos nach Bassein mit der Bark „Eduard“ 
am 6. Januar 1877 auf 44° 58‘S-Br und 9° 2’ W-Lg hatten wir frische Briese 
aus WNW bei bezogener Luft, Das Barometer war in den letzten 24 Stunden 
von 764,5 nm auf 754,1 mm gefallen. Nachmittags klarte die Luft etwas ab, 
und der Wind ging nach SW. Das Barometer schien jetzt zu stehen; es wurden 
die Leesegel beigesetzt. 
Am 7. Morgens spielte der Wind hin und her zwischen West und SW 
bei bezogener Luft und Windstärke 6 bis 7. Um 4*p stand das Barometer auf 
746 mm. Abends ging der Wind auf WNW, die Luft erhielt ein schmieriges 
Ansehen, eine neue Depression näherte sich uns von Westen her. Wir machten 
die Bramsegel fest, obgleich nicht mehr Wind war, als daß alle Segel hätten 
stehen können. Um Mitternacht war. das Barometer bis auf 738,4 mm gesunken, 
dann etwas abnehmender Wind aus WNW bei trübem Weiter. Um 2*a am 8. 
kam der zweite Steuermann zu mir und meinte, es wäre ganz handig, ob er 
nicht einige Segel setzen dürfte. Ich antwortete, er sollte nur warten, cs käme 
noch. Gegen 3'/» Uhr kam ich an Deck, der Wind war in den letzten Minuten 
auf WSW gegangen und hatte zugenommen; die Luft war rabenschwarz, Wir 
yeiten Grofssegel auf und ließen das Grofs-Ober-Marssegel herunterlaufen und 
wollten vor dem Vortopp lenzen. Ein beengendes Gefühl ließ mich die Mann- 
schaft antreiben. Die Wache unter Deck mufste sich der an Deck befindlichen 
anschliefsen, und die ganze Mannschaft war in wenig Minuten in der Takelage, 
um das Grofs-Ober-Marssegel fest zu machen. Kaum aber waren die ersten 
Leute bei der Mars, da brach der Sturm mit einer solchen Gewalt aus SW los, 
wie ich kaum je auf allen meinen Reisen um Kap Horn und das Kap der guten 
Hoffnung erlebt hatte. Mit Lehensgefahr gelangten die Leute nach der Marsraa 
und vertheilten sich auf derselben, aber an ein Festmachen des Segels war nicht 
zu denken. Die Raaen flogen durch das Schlagen der Segel stolsweise auf und 
nieder. Mit vieler Mühe gelang es mir, den Leuten verständlich zu machen, 
dafs sie an Deck kommen sollten. Das Segel peitschte ihnen schon längst als 
Fetzen um die Ohren. Auch das fast ganz neue Grofssegel mufßste preisgegeben 
werden. Das mit Ballast beladene Schiff flog sozusagen über das Wasser dahin. 
Die See war ganz flach und, soweit das Auge sehen konnte, nur ein weißes 
Schaummeer. 
Die Heftigkeit des Sturmes nahm immer mehr zu. Der Regen hatte bei 
seinem Einsetzen aufgehört. Ich hoffte, weil sonst der „Eduard“ stets gut 
gelenzt hatte, den Orkan auslaufen zu können, aber es kam anders. Die Fock- 
schot brach, — es war eine doppelte dreizöllige und eine einfache vierzöllige 
Reserveschot — dadurch erhielt die Macht des Windes eine ungleich größere 
Wirkung auf die eine Seite des Schiffes als auf die andere, und es lief mit einer 
Geschwindigkeit von mindestens 12 Sm plötzlich in den Wind. Der Vor- 
topp lief back, da die Raaen noch vierkant standen. Das Schiff lag zum Kentern, 
wir standen bereit, um die Masten zu kappen, da fiel es noch einmal ab. Es 
war ein Glück, dafs kein Seegang vorhanden war, und dafs der Wind längs den 
Raaen wehte, sonst wären wir wohl rundum gedreht worden, denn die Lee- 
nocken der Unterraaen lagen bei dem ballastbeladenen Schiff 3 bis 4 Fufßs im 
Wasser. So schnell wie möglich wurde jetzt die Fock dicht gegeit und der 
„Eduard“ an den Wind gelegt. Es waren kaum 15 Minuten verflossen, nach- 
dem der Wind auf WSW gegangen war, dal der Orkan eingesetzt hatte. Um 
57/22 a nahm seine Kraft dann wieder ab. 
Um 8a am 8. zeigte das Barometer 746,0 mm, Wind wieder zurück auf 
West; 10* a hielten ab. Mittags Barometer 746,0 mm, harter WNW mit heftigen 
Böen; Sturm etwas abnehmend, führten gereffte Fock, wechselten Nachmittags 
unsere zerrissenen Segel; 4*p Barometer 741,2 mm; 8*p 740,1 mm. Die ganze 
Nacht und den folgenden Tag hielt sich das Barometer sehr niedrig. Abends 
am 9, nahm der Wind ab, so dafs wir wieder volle Segel führen konnten. Das 
Barometer war seit Mittag gestiegen; 12° p = 745,0 mm. Am 10, Mittags war 
das Barometer bis 735 mm wieder gefallen, 4" p =— 733,5 mm, trotzdem nahm 
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