Seemann: Sechs Reisen um das Kap der guten Hoffnung im südlichen Winter, 333
sah, sprachlos hinten auf dem Halbdeck. In diesen, kaum nach Minuten zählenden
Augenblicken war es uns gelungen, eine rothe Reservelampe, die natürlich ohne
Oel und ohne Docht war, worin aber zufällig der Untersatz von einer in der
Steuermannskammer brennenden Kugellampe hineinpafste, in Stand zu setzen,
nach oben zu bringen und dem Gegner hinzuhalten. Noch wenige Augenblicke,
und wir wären übersegelt worden, aber im entscheidenden Moment wurde unser
Licht gesehen, und mit einer raschen Wendung Kreuzte ein großes, schwer
beladenes Vollschiff ganz dicht vor uns unsern Bug. Es führte ebenfalls nur
die U.-Marssegel und hatte nur eine Kugellampe vorne am Stag brennen, Ks
war augenscheinlich, daß auch ihm die Seitenlichter weggeschlagen waren, und
daß es vor dem Winde laufen ließ und den Kampf gegen Wind und Wellen
aufgegeben hatte.
Erst am anderen Morgen gelang es uns, das Wasser aus unserm Schiffe,
welches bis zu 3 Fufß angestiegen war, ausgepumpt zu bekommen. Auch den
ganzen 11. hielt der Sturm noch an, doch war derselbe nun nicht mehr so hart;
Abends konnten einige Segel gesetzt werden, so dafs das Schiff jetzt besser an
den Wind lag und nicht mehr so viele Seen übernahm. Die Ursache, dafs wir
vom 10. an eine so gewaltige See gehabt, wird darin zu suchen sein, dafs dasselbe
sich zu südlich, zwischen dem Agulhas-Strom und der Gegenströmung, die nach
Ost setzt, befand. Schon Findlay macht in seiner „Sailing Direction for the
Indian Ocean, 3. ed.“ auf Seite 147 bis 148 hierauf aufmerksam. Er sagt: Should the
wind be strong from any quarter between NE and West, it is best to keep
more on the bank, to avoid being driven off to the southward and into the con-
irary current, as in the current between these two opposing drifts there is
generally a turbulent sea.
Erst am 12. nahmen der Wind und die See ab, so dafs wir jetzt mehr Segel
setzen konnten, um etwas mehr Fortgang zu machen. Mittags ganz abflauend.
Vom 12. an_ hielten wir uns im Agulhas-Strom und hatten bis zum 16. eine
Versetzung von S67°W 212 Sm. Am 14. hatten wir wieder schweren
Weststurm, lagen über St.-B.-Halsen an den Wind. Um 12'*p am 15. halsten
wir nordwärts. Wind West 7. Die Seen liefen Nachmittags aus West, NW
und SW. In den Regenböen, die bis Stärke 10 und 11 anwuchsen, hatte die
Luft im SW bis SSO ein grauenhaftes Aussehen, Abends Elmsfeuer, der Wind
nahm dann, nach SW gehend, ab.
Bis 2% a am 16. hielten die Böen an, dann nahmen Wind und See mehr
ab, doch blieb die letztere noch den ganzen Tag ziemlich grob.
Hiermit hatte das schlechte Wetter für diese Reise seinen Abschlufs
gefunden. Die Schäden, die das Schiff erhalten hatte, obgleich nicht unbedeutend,
hielten uns jedoch nicht von der Weiterreise ab. ;
Obgleich wir 3 Fuß Wasser im Schiffe gehabt hatten, fanden wir doch
bald, dafs diese Mängel keinem festen Leck zuzuschreiben und das Schiff noch
seetüchtig sei.
Bei allen meinen Untersuchungen über die Stürme am Kap der guten
Hoffnung habe ich keinen so niedrigen Stand des Barometers aufgefunden als
der auf dem „Eduard“ am 10. April 1880 notirte.
In den Stürmen beim Kap der guten Hoffnung steigt oft schon das Baro-
meter, wenn der Wind rechtweisend WNW ist. Man kann jedoch auch einen
sehr schweren. Sturm aus NW haben, und das Barometer steht hoch und geht
immer höher. Siehe die Kurve vom 1. und 19. Juni 1875.
Wenn wir uns die Stürme als begleitende Erscheinungen der von West
nach Ost im hohen Süden fortschreitenden Depressionen denken, so ist leicht zu
ersehen, dafs die WNW-Winde, der spiralförmigen Einströmung wegen, das Baro-
meter-Minimum recht Süd von sich haben. Schreitet das ganze Phänomen ost-
wärts, so mufßs an der Rückseite der Erscheinung das Barometer steigen. Selten
sind die NW-Winde so schwer wie die darauffolgenden SW-Winde, ja, in nicht
wenigen Fällen ist der NW bei fallendem Barometer nur schwach und nachdem
der niedrigste Luftdruck passirt ist, setzt ein äußerst schwerer Sturm ein. Wir
haben in den Pamperos am La Plata, aber auch auf unseren nördlichen Breiten
yanz ähnliche Fälle. Dove nannte dieses das Hereinbrechen des kalten NW-