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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

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durch diese temporären Strömungen aus dem Schwarzen Meere unterhalten wird, 
welche bei starken SW-Winden eintreten. 
Leser, welche des Russischen mächtig sind, machen wir auf den ausführ- 
lichen illustrirten Bericht von Herrn J. Spindler über die Expedition von 1890 
aufmerksam, welcher in den „Zapiski po Gidrografii“ (Hydrographische Denk- 
schriften) des Russischen Marine-Ministeriums erschienen ist, sowie auf die 
kürzeren, sehr lesenswerthen Mittheilungen von Baron Wrangell und Herrn 
Andrussof in den „Izvestyia“ der Kaiserlich Russischen Geographischen Gesell- 
schaft, Band XXVI, S. 380 und 398 und die Resumes in den Jahresberichten 
derselben Gesellschaft für 1890 und 1891. W. K. 
Neue hydrographische Forschungen im Schwarzen Meere. 
Drei Jahre Sturmwarnungen an der deutschen Küste. 
Besprochen von Dr. W. KÖPPEN. 
Seit dem Jahre 1889 werden die Sturmwarnungen der Seewarte nicht 
mehr an den Stärkeschätzungen auf den Signalstellen, sondern an den Auf 
zeichnungen der selbstregistrirenden Anemometer auf den Normal-Beobachtungs- 
stationen der Seewarte geprüft. Es liegen nunmehr drei Jahrgänge, 1889, 1890- 
und 1891, in dieser Weise vom Vorsteher der Abth. III der Seewarte, Herrn 
Professor Dr. van Bebber bearbeitet, in Beiheften zum Monatsbericht der See- 
warte vor. Die Zahl der Orte, für welche die Prüfung erfolgte, wurde durch 
die Annahme dieser Methode auf die neun mit Anemographen ausgerüsteten 
Punkte eingeschränkt, mit diesem Nachtheil aber wurde ein ungleich wichtigerer 
Vortheil erkauft, nämlich die detaillirte und von menschlichen ‚Zu- und Ab- 
neigungen völlig unbeeinflufste Darstellung des Ganges der Windänderungen vor 
und nach Erlafs der Sturmwarnung. 
In den zweckmälsig angeordneten Tabellen der erwähnten Beihefte haben 
wir eine feste Basis für ein Urtheil über das Eintreffen der Sturmwarnungen 
gewonnen, und da die Zahl der Fälle in drei Jahren grofs genug ist, um den 
Einflufs des Zufalls auf ein geringes Mafs zu reduciren, so lohnt es wohl der 
Mühe, sich die Ergebnisse dieses Zeitraums näher anzusehen. Wohlverstanden, 
auch die beste Methode meteorologischer Untersuchung kann nur über das Ver- 
halten der Sturmwarnungen zum Sturm, nicht aber über den praktischen Werth 
der Warnungen entscheidende Belehrung bringen. Die Beurtheilung des letzteren 
hängt von einer Menge praktischer Rücksichten ab und wird stets der indi- 
viduellen Abschätzung auf Grund persönlicher Erfahrungen und Erwägungen 
überlassen bleiben müssen. Bei dem einen wird dabei ein vereinzeltes Erlebnifs, 
das iiefen Eindruck hinterlassen hat, entscheidend, bei dem anderen die all- 
gemeine optimistische oder pessimistische Neigung seines Geistes, bei dem dritten 
das, was er von Anderen darüber gehört oder gelesen hat. Kine eigentliche 
Beweisführung ist also in der Frage nach der praktischen Bedeutung der 
Warnungen nicht möglich, und der von der Seewarte 1882 und 1888 beschrittene 
Weg, von einer grofsen Zahl erfahrener Männer deren persönliches Urtheil 
über diesen Gegenstand einzuholen, dürfte der einzige gangbare dafür bleiben. 
Da aber der praktische Werth der Sturmwarnungen doch in erster Linie von ihrer 
Zuverlässigkeit und Rechtzeitigkeit abhängt, so ist die Prüfung dieser Umstände, 
welche sich in durchaus exakter, wenn auch beschränkter Weise an den Anemo- 
graphenangaben ausführen läfst, die erste Vorbedingung für ein berechtigtes 
Urtheil auch über den praktischen Werth der ganzen Einrichtung. 
Ein Uebelstand, den man noch nicht zu vermeiden im Stande ist, liegt in 
der Beeinflussung der Angaben des Anemometers durch dessen Aufstellung bezw. 
Umgebung. ‘ Je höher und freier ein solches aufgestellt ist, desto gröfsere Wind- 
geschwindigkeiten zeigt es an. Um die Messungen von verschiedenen Stationen 
mit einander vergleichen zu können, muß man deshalb eine Reduction anwenden. 
Herr van Bebber hat nun die Annahme zu Grunde gelegt (1), dafs die Unter-
	        
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