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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Neue hydrographische Forschungen im Schwarzen Meere. 
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Tiefe von 34 m salziger ist als in der Nähe des Bosporus. Diese Beobachtung 
unterstützt die Hypothese von J. Spindler, dafs in dieser Tiefe eine Strömung 
das salzigere Wasser von den Küsten der Krim dorthin bringe. 
Ich möchte noch auf die Berechnung der Mitteltemperatur der Wasser- 
schicht zwischen 9m und 52 m Tiefe hinweisen, welche Herr Spindler aus- 
geführt hat. Die höchste Temperatur in dieser Schicht wird in den mittleren 
Meridianen im südlichen Theile des Meeres angetroffen; im Osten und Westen 
ist die Temperatur erheblich niedriger. Besonders bemerkenswerth ist die relativ 
niedrige Temperatur, welche in einiger Entfernung von der kaukasischen Küste 
unter 42° N-Br gefunden wird, während näher zur Küste, wahrscheinlich unter 
dem Einflusse der warmen und trüben Fluthen des Rion und anderer Flüsse, die 
Temperatur wieder höher ist. 
Nimmt man die Mitteltemperatur der ganzen Wassersäule tiefer Meere 
(von mehr als 1800 m Tiefe), so findet man, dafs nur drei Meere wärmer sind 
als das Schwarze, nämlich 1. das Rothe, 2. das Mittelmeer und 3. das Sulu- 
Meer; alle anderen tiefen Meere erhalten in ihren tieferen Theilen Massen kalten 
polaren Wassers, so dafs die mittlere Temperatur der ganzen Wassersäule in den 
tropischen Oceanen nur ungefähr 4° C beträgt. 
Ebenso merkwürdig und vielleicht noch unerwarteter waren die übrigen 
Resultate der Expedition. Es stellte sich nämlich heraus, daf.das Tiefenwasser 
des Schwarzen Meeres einen, wenigstens für den Geruch, sehr bemerkbaären Ge- 
halt an Schwefelwasserstoff (S H,„) hat. Die Expedition des Jahres 1890, welche 
keinen Chemiker in ihrem Bestande hatte, konnte zunächst noch keine Analyse 
der im Wasser enthaltenen Gase ausführen. Wahrscheinlich erklärt sich aus der 
Anwesenheit dieses für thierische Organismen schädlichen Gases der Mangel 
organischen Lebens unterhalb 180 m Tiefe; in dieser Hinsicht unterscheidet sich 
das Schwarze Meer schroff von der Mehrzahl der übrigen Meere und besonders 
von den Oceanen, wo auch in grofsen Tiefen ein reiches und mannigfaltiges 
organisches Leben sich findet. 
So wichtig auch die Ergebnisse der Schwarze Meer-Expedition vom Jahre 
1890 waren, so blieb doch unzweifelhaft noch viel zu thun, und die vorliegenden 
Aufgaben wurden sehr klar und bestimmt hervorgehoben in der zweiten Mit- 
theilung, welche Baron Wrangell den Abtheilungen für mathemathische und 
physikalische Geographie der Gesellschaft machte. ; 
Eine neue Expedition kam für die Monate Mai bis August des Jahres 1891 
zu Stande; leider jedoch konnte Baron Wrangell an derselben nicht theilnehmen. 
Sie wurde geführt durch Herrn J. Spindler, und diesesmal begleitete ihn 
während der ganzen Fahrt der Chemiker Herr Lebedintsef, anfangs außerdem 
der Professor der Chemie an der Moskauer Universität Morkovnikof, Wenn 
auch der Bericht über diese Expedition noch nicht gedruckt ist, so sind doch 
durch die Mittheilungen von Herrn Spindler in der Allgemeinen Versammlung 
der Kaiserlich Russischen Geographischen Gesellschaft vom 4. (16.) Dezember 
die wichtigsten Ergebnisse bekannt gegeben. 
In diesem Jahre wurden zwei Untersuchungsfahrten, im Mai und im August, 
unternommen, die erste auf dem Kanonenboot „Donets“, die zweite auf dem 
Kanonenhboot „Zaporöjets“. 
Als das wichtigste Resultat muss man ansehen, dass die Gegenwart von 
Schwefelwasserstoff festgestellt wurde, nicht nur nach dem Geruch, sondern auch 
durch die chemischen Untersuchungen der genannten Herren. Ebenso wurde 
die Erforschung der Fauna auch im Jahre 1891 durch den Zoologen, Herrn 
Ostroümof, fortgesetzt. 
Indem wir uns zum hydrologischen Theile wenden, welcher unter der 
direkten Leitung von Herrn Spindler stand, wollen wir die folgenden Ergeb- 
nisse erwähnen. Es wurde der nordöstliche Theil des Meeres untersucht, welcher 
von der Expedition des vorigen Jahres nicht besucht worden war, und es erwies 
sich, dafs auch hier die Tiefen sehr grofs seien — mehr als 1800 m, mit Aus- 
nahme der Küstenzone. Ferner stellte sich die Anwesenheit eines Vorsprungs 
an der kleinasiatischen Küste heraus, welcher dem ganz ähnlich ist, der im 
Norden, bei der Krim, sich zeigt. Es erwies sich, dals die Achse der tiefsten
	        
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