Kuhfal: Mona-Insel, Westindien.
2305
neten Zustande nimmt der Guano eine gleichmäßig braune Farbe an, theilweise
durchzogen von einer dünnen weißen Schicht, welche reines Phosphat ist. Fast
immer ist der Guano mit kleineren und größeren Steinen vermischt; die größeren
werden in den Höhlen ausgelesen, die kleineren durch Sieben entfernt; theil-
weise ist dieses Gestein Kalk, theilweise aber auch werthvolles Phosphat, soge-
nannte Rocks, welche zur Darstellung hochgradiger Superphosphate verwandt
werden.
Die Förderung des Guanos aus den Höhlen geschieht auf einfache Weise:
ist der Zugang zu den auszubeutenden Höhlen erweitert und nöthigenfalls mit
einem Vorbau versehen, so werden im Inneren der Höhle Gänge angelegt und
diese oft, wenn nothwendig, mit Schienengeleisen versehen. Der Guano, welcher
oft in den Höhlen in Schichten von mehreren Metern Tiefe lagert, oft aber auch
erst durch Sprengungen von darüber lagerndem Gestein blofsgelegt werden mul,
wird dann in Schubkarren oder Kippwagen geschaufelt und bis zum Höhlen-
ausgang transportirt; von dort befindlichen, mit Sieben versehenen Gerüsten fällt
er in darunter stehende Kippwagen, auf denen er zur Darre befördert wird.
Nach dem Trocknen auf der Darre geht er durch ein mit dieser verbun-
denes Rührwerk, wodurch eine gleichmäfsige Mischung des Guanos erzielt wird,
Ein kleiner Theil des Guanos wird auch an der Sonne getrocknet und hier durch
Rühren gemischt, Der auf diese Weise präparirte und zum Verschiffen fertige
Guano hat dann höchstens noch einen sehr geringen Feuchtigkeitsgehalt. Der
Guano wird dann in Säcke gerüllt und auf Leichtern, welche durch einen kleinen
Schlepper bugsirt werden, längsseit der auf der Rhede liegenden Schiffe gebracht,
übergehiewt und in die Laderäume ausgeschüttet. Die Verladung geschieht lose
im Schiff, und es ist deshalb nothwendig, dal die Schiffe mit einer mehr oder
weniger hohen Garnirung, je nach der Bodenbeschaffenheit derselben, ob flach
oder scharf, versehen sind. Die Garnirung muß sehr dicht sein, am besten ist es,
sie mit alten Matten oder Säcken zu belegen (auch den Pumpensood gut abzu-
dichten), um das Durchfallen des Guanos, welcher so fein wie Pulver ist, zu ver-
hüten. Wegen der Schwere des Guanos ist es nicht möglich,die Laderäume des
Schiffes gänzlich auszufüllen. Die Stauung richtet sich nach der Tragfähigkeit
des Schiffes. Der lose, staubähnliche Guano liegt sich in einigen Tagen fest im
Schiff, und ein Uebergehen der Ladung ist dann nicht zu befürchten. Hat man
genügend Planken, so kann man zur weiteren Sicherheit noch Längsschotten von
halber Höhe des Raumes anbringen. Die Leichter fassen 5 bis 6 Tonnen, und
es können jeden Tag bis 120 Tonnen an Bord geliefert werden.
Zur Bearbeitung des Guanos auf der Insel sind, aufser grofsen Maschinen
und Pferden, 300 bis400 Arbeiter täglich thätig; die Oberleitung liegt in den Händen
von dort stationirten Deutschen.
Das Klima ist ein gesundes, nur in den seltenen Fällen von Windstille
herrscht eine äufserst starke Hitze. Die grofse Regenzeit dauert vom Februar
bis Anfang Mai, die kleine vom August bis Mitte Oktober; dazwischen ist es
nahezu regenlos, und besonders im November bis Januar ist das Wasser äußerst
knapp. Provisionen und Trinkwasser für die hier ladenden Schiffe sind nicht
zu haben und müssen von Mayaguez bezogen werden, wohin die Schiffe wegen
Einklarirens erst zu segeln haben; die Absegelung geschieht direkt.
Auf dem hohen Theil, vorzüglich im Westen und Norden der Insel, halten
sich viele Herden von wilden Rindern und Ziegen auf, von denen häufig ein-
zelne, die der Küste nahe kommen, erlegt werden. Die Umgegend der Insel ist
äußerst fischreich und zeitweise stark von Schildkröten besucht, die in die san-
digen Ufer ihre Eier legen und dabei den Fischern in die Hände fallen.
Die Fertigstellung des Leuchtthurms auf Mona, welcher während des Baues
durch Sturm zerstört wurde, wird schwerlich in diesem Jahre noch stattfinden,
da der gröfste Theil des Materials hierzu noch in Mayaguez lagert.
Ann, d. Hydr. etc., 1892, Hoft IX.