Kuhfal: Mona-Insel, Westindien,
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Mona-Insel, Westindien,
Nach Berichten von Kapt. 0. KUHFAL,
(Hierzu Tafel 4.)
Von Herrn Theodor Schmidt in Hamburg, dessen Haus die auf der
genannten Insel vorhandenen Guanolager von der spanischen Regierung auf Jahre
gepachtet hat und dieselben bearbeiten läfst, erhielt die Seewarte nachstehenden,
von dem Führer ihres Dampfers „General Contreras“, Herrn Kapitän 0, Kuhfal,
eingeschickten Bericht.)
Die Insel Mona hat eine Länge (in NW—SO-Richtung) von ungefähr 5'/, Sm
und eine Breite von 3 Sm. Die Nord- und Ostseite ist bis 50m (170°) hoch;
die: West- und SO-Seite zeigt niedriges, mit Bäumen und Sträuchern bewachsenes
Vorland, hinter dem die Felsen bis 30m (100°) hoch steil ansteigen. Während
die erstere Seite ohne Gefahr ist und steil ins Meer abfällt, ist die letztere von
einem Gürtelriff umschlossen, .das nur an einigen wenigen Stellen („Passas“)
Booten den Durchgang in das ruhige, zwischen Land und Riff gelegene Wasser
gestattet. Es ist nicht rathsam, sich dieser Küste mehr als auf ungefähr %/«4 Sm
zu nähern oder in weniger als 15m (8 Fad.) Wasser zu segeln, da auch der
oft hier laufende sehr starke Strom bei flauer Briese den Schiffen leicht ge-
fährlich wird.
An der Westseite der Insel wird durch das hohe Kap Barrio nuevo und
durch die niedrige Westspitze eine kleine Bucht — El Sardinero —- gebildet, die
in den Monaten März bis Dezember in den Peilungen: Kap Barrio nuevo NOzN,
Westspitze Süd und die Passage nach El Sardinero SOzO einen guten Anker-
platz bietet. Man liegt hier auf 14,5 bis 16 m (8 bis 9 Fad.) Sandgrund, unge-
ähr %s Sm vom Riffe entfernt. Weiter ab zu ankern- ist nicht rathsam, da
der Boden steil abfällt und deshalb leicht ein Abtreiben der Schiffe nach See
stattfindet.
Es sind hier an der Westseite drei Passagen für Boote durch die Riffe vor-
handen. Die beiden nördlichen haben eine grofse Tiefe, aber nur geringe Breite
und starke Biegungen und werden deshalb wenig benutzt; die Hauptpassage
führt direkt auf die Schuppen der Arbeiter zu, ist mit Stangen bezeichnet und
hat eine Tiefe von 1,2 bis 1,5 m (4 bis 5%). Innerhalb des Riffs sind die Tiefen
sehr unregelmäfsig zwischen 0,6 und 2,1 m (2 und 7°).
Die Westspitze ist eine niedrige, spitz auslaufende Landzunge von weifsem
Sand, die bis zu einem Abstande von 1!/» Kabllg. von Riffen umgeben ist. Man
sollte diese Spitze nicht näher als auf '/2 Sm passiren. An der Südseite der
Westspitze. liegt das an dem weifsen Sande leicht erkenntliche Playazo, dessen
Ankerplatz besonders. bei nördlichen Winden ausgezeichneten Schutz gewährt.
Das weifse Sandufer ist hier an vielen Stellen gänzlich frei von Klippen, und es
findet sich auf 1 Kabllg. Abstand noch "eine Tiefe von 7m (4 Fad.). Man
ankert am besten unter dem steil abfallenden Ufer in 13m (7 Fad.) Wassertiefe,
feinem Sandgrund, 3 Kabllg. vom Lande.
Von hier nach SO zieht sich die sogenannte Ubera :mit niedrigem, baum-
reichem Uferland hin. Die Riffe liegen hier dem Lande bald näher, bald bis zu
2 Kabllg. von demselben entfernt, mit nur wenig Wasser an ihrer Innenseite.
Der beste Ankerplatz zur Zeit der nördlichen Winde ist hier auf 16 m (9 Fad.),
quer ab von zwei weilsen Stellen am Ufer oder zwei dort einzeln stehenden
Palmen.
Zwischen der Spitze Caigo 6 no caigo und der Ostspitze liegen die Riffe
sehr unregelmäfsig und bis '/ Sm vom Lande; Englische Spitze ist fast gänzlich
frei von Untiefen. An der SO-Küste befinden sich die Niederlagen, Darren und
Wohnhäuser der Guano-Gesellschaft, und von hier aus geht die Hauptrerschifung
') Die Karte Tafel 4 ist nach einer Zeichnung und mündlicher Auskunft von Kapt. Kuh-
fal auf der Seewarte hergestellt. Vgl. aufserdem diese Annalen 1881, S, 165 und 1874, S. 121.
S. M. Knbt. „Albatrofs“ besuchte die Insel! Mona im Jahre 1874.