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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

599 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1892, 
der Abhängigkeit des Windes von der Vertheilung des Luftdruckes allgemein 
eingeführt ist. 
Dagegen mufsten die Kapitel II und IV, welche die mittleren Windver- 
hältnisse auf dem offenen Ocean und an den Küsten behandeln, bei der Mannig- 
faltigkeit der Verhältnisse und des jahreszeitlichen Wechsels im Indischen Ocean 
einen viel gröfseren Raum beanspruchen, als die analogen Kapitel im Segelhand- 
buch für den Atlantischen Ocean. 
Ebenso verdient das Kapitel VII „Allgemeine Darlegungen über Stürme 
des Indischen Oceans“ besondere Beachtuug, 
Die Stürme sind nur als verstärkte Aeufserungen derselben Gesetze, welche 
die Luftströmungen überhaupt regeln, aufgefafst. 
Die Erwärmung des den Ocean nach Norden abschliefsenden grofsen 
asiatischen Kontinents spielt gegenüber den einfacheren Erscheinungen des gleich- 
mäfsig in beiden Hemisphären liegenden, langgestreckten Atlantischen Oceans 
eine hervorragende Rolle und begründet die eigenthümlichen Wind- und Sturm- 
verhältnisse besonders nördlich vom Aequator, während südlich desselben ein- 
fachere Erscheinungen Platz greifen. 
Mit anderen Worten: mafßgebend für die Witterungserscheinungen sind 
die Monsune, welche besonders in den kritischen Uebergangszeiten zum Auftreten 
der eigentlich im ganzen Ocean vorkommenden Cyklone (siehe auch Kap. X) 
in engster Beziehung stehen 
Die in Calcutta und Mauritius gesammelten vorzüglichen Beobachtungen 
sind in gebührender Weise zur Geltung gebracht, daneben konnten, wie schon 
hervorgehoben, bei der Behandlung einzelner Stürme der verschiedenen Regionen 
und der im II Theil gegebenen, in ihrer Ausführlichkeit dem praktischen 
Bedürfnifs entsprechenden Segelanweisungen zahlreiche Beobachtungen deutscher 
Schiffe benutzt werden. 
Die Gezeitenerscheinungen, welche in verschiedenen Gegenden des Oceans 
durch das starke Auftreten der eintägigen Tiden charakterisirt werden, sind im 
Kapitel XI bearbeitet, Die langjährigen indischen Aufzeichnungen einer grofsen 
Anzahl selbstregistrirender Fluthmesser und anderweitige neue Beobachtungen 
boten dazu ein vorzügliches Material. Der Verfasser betont nachdrücklich, dafs, 
wie es z. B. auch für den nördlichen Kanal und die Elb-Mündung ähnlich nach- 
gewiesen ist, überall da, wo keine Hindernisse eingreifen, die Gezeitenströmungen 
halbwegs zwischen Hoch- und Niedrigwasser ihre Richtung wechseln und ihre 
gröfste Stärke bei Hoch- und Niedrigwasser erreichen, 
Wenngleich Ebbe und Fluth hier auch nicht die Bedeutung haben wie im 
Atlantischen Ocean und es überall, besonders rücksichtlich der Wassertiefen, 
also des Bodenreliefs, noch an Beobachtungen fehlt, so hat Professor Börgen 
in Wilhelmshaven dennoch versucht, für die Hafenzeiten und Fluthhöhen eine 
Erklärung zu finden durch die Annahme des Verlaufes der Fluthwelle von Süd- 
ost nach Nordwest. Besonders bezicht sich dies auf die durch Interferenz zweier 
Fluthwellen an der Westküste Vorder-Indiens auftretenden eigenthümlichen Er- 
scheinungen. 
Im Anhang zu Kapitel XII — Schiffschronometer — ist ein Verzeichnifs 
einiger in neuerer Zeit zum Theil auf telegraphischem Wege bestimmten Längen 
von Küstenpunkten im Gebiete des Indischen Oceans gegeben, welche sich für 
die Standbestimmung der Chronometer sehr nützlich erweisen dürften. 
Im Kapitel XIII endlich — Anwendung der Lehre vom Magnetismus — 
sind die Kompafsablenkungen infolge elektrischer Anlagen an Bord besonders 
besprochen. Ebenso sind die magnetischen Verhältnisse und die Karten (des 
Atlas) der erdmagnetischen Elemente für sich in einem Abschnitt behandelt, 
bevor auf den Inhalt eines früheren Werkes der Seewarte über den Kompafs über- 
gegangen wird. Dem Segelhandbuch selbst ist eine neue Karte beigegeben, 
welche die Werthe der Säkularänderung in Minuten für das Jahr angiebt, 
soweit dies nach den neuesten Forschungen möglich ist. 
Wenn auch, wie schon gesagt, ein gründliches Studium des I. Theils des 
Werkes verlangt werden mufs, um die Urtheilsfähigkeit des Schiffsführers für 
besondere Fälle zu schärfen und ihn vor schematischer Auffassung zu behüten, 
zo ist andererseits hervorzuheben, dafs die Information, welche man sich für eine 
bestimmte Reise zu holen wünscht, wohl kaum zweckdienlieher und einfacher
	        
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