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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1892,
„Mit Ausnahme von zwei Leuten, welche leicht an Fieber erkrankten,
blieb meine Mannschaft gesund, trotz der Anstrengung, die das Löschen der
Kohlen in einer Menge von 1080 Tonnen hervorrief.
„Der Verlauf der Witterung innerhalb eines Etmals vollzog sich gewöhnlich
in folgender Weise: des Morgens früh wehte ein leichter Zug aus SE, der gegen
7 oder 8 Uhr aufhörte, worauf Windstille folgte, die bei einer drückenden Hitze
bis 9 Uhr, auch wohl bis 11 Uhr anhielt. Hierauf kam die Seebriese von SW
bis SSW durch, anfangs leicht, bald aber auffrischend und langsam auf West
holend. In der Regel lief dieser Wind zwischen 9 und 10 Uhr Abends auf
S und SSE zurück, in welchem Falle sich bei drohend aussehender Luft und
anunterbrochenem Blitzen und Donnern starker Regen einstellte, wobei der Wind,
zwischen SSE und SW wechselnd, in heftigen Stölsen öfters die Stärke 7 und 8
erreichte. Dieser Witterungszustand dauerte gewöhnlich zwei Stunden, dann
Saute der Wind ab, das Gewitter erreichte sein Ende, und der Himmel wurde
klar. Holte der Wind aber am Abend von West durch Nord auf Ost, was
seltener vorkam, so folgte zwar regnerisches Wetter, aber die erwähnten heftigen
Windstöße blieben aus.
„Am 5. Juli kam ein stürmischer südwestlicher Wind zum Ausbruch, der
um 12 Uhr Mittags anfing und bis 5 Uhr Nachmittags mit der Stärke 7 bis 8
wehte. Der Seegang hatte schon um 8 Uhr Morgens plötzlich zugenommen, wes-
halb unser Leichter, obwohl nur halb beladen, um 9 Uhr von Seite ging. Um
12 Uhr mußten wir den zweiten Anker fallen lassen und steckten auf diesen
40 und den ersten Anker 90 Faden Kette aus. Bereits um 5 Uhr Nachmittags
legte sich der stürmische Wind. Das Schiff gerieth jetzt wegen des starken
nördlichen Stromes in eine Lage dwars zu der Dünung, wurde in eine heftige
Schlingerbewegung versetzt und nahm eine Menge Wasser an Deck, aber die
Gefahr für uns war vorüber. Am Montag, den 8. Juli, konnten wir wieder mit
Löschen beginnen und waren recht froh, als am 10, diese Arbeit beendet, wieder
Ballast im Schiffe war und am 11. die Reise nach Salina Cruz angetreten werden konnte.
„Zur Ausführung derselben benöthigten wir 28 Tage. Bis nach 13° 25 N-Br
und 102° 13‘ W-Lg, wohin wir am 22. Juli gelangten, hatten wir veränderliche
Winde; dann setzten, von Gewittern, Böen mit Regen und Windstillen unter-
brochene nordöstliche und ostnordöstliche Winde ein, so daß wir erst am
2. August nach 15° 2' N-Br in 96° 11‘ W-Lg gelangten. Hier drang ein
steifer, nordöstlicher Wind durch, der sich, als wir beim Segeln auf Backbord-
Halsen genügend Ost gutgemacht hatten, zu unserem Nachtheil auf NW ver-
änderte. Am 8. August endlich kam nach vorangegangener mehrtägiger Wind-
stille, Briese aus SSW durch, mit der wir noch am nämlichen Tage die Rhede
von Salina Cruz erreichten.
„Ich bin der Ansicht, dafs wir eine bessere Reise gemacht haben würden,
wenn wir uns unter der Küste gehalten hätten, woselbst eine frischere Briese
weht und das Wetter weniger schlecht ist als weiter landabwärts.
„Am 18. August erhielten wir einen Leichter mit der gehörigen Bemannung,
und die Ordre, nach Port Don Diego zu segeln, um dort zu laden. Wir gingen
jementsprechend noch am selben Tage um 8 Uhr Abends mit der Landbriese
anter Segel und erreichten unseren Ladeplatz am 20. um 9 Uhr Morgens. Nach-
dem hier 100 Tonnen Farbholz (sog. Fustik) eingenommen waren, wurde am
28. August die Weiterreise nach Chepequa-Bai angetreten, woselbst am folgenden
Morgen um 10 Uhr der Anker geworfen wurde, Auf dieser Rhede luden wir
L02 Tonnen sog. Limaholz und 22 Tonnen Fustik, und verließen dieselbe sodann
am 6. September um 6 Uhr Abends. Am folgenden Morgen gingen wir aber-
mals auf der Rhede von Salina Cruz vor Anker.
„Die geographische Lage von Port Don Diego bestimmten wir zu 15°
ö7' N-Br_ und 95° 35‘ W-Lg, diejenige von Chepequa zu 16° 4’ N-Br und
95° 20‘ W-Leg.
„In Salina Cruz sollte das Schiff voll beladen werden, aber der Ablader
hatte nicht Holz genug an der Küste vorräthig, weshalb wir bis zum 12. Dezember
warten mulfsten, bevor wir nach und nach die ganze Ladung bekommen hatten.
Die hierdurch entstandenen 69 Liegetage haben wir zwar bezahlt erhalten;
lieber wäre es mir aber gewesen, wenn wir ohne diesen Aufenthalt hätten fort-
kommen können.