274 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1892.
während A. und T weiter steigen. Die einzige andere Kurve, welche aus der
Nähe von Apia zum Vergleich herangezogen werden konnte, ist die I. B. M. S.
„Calliope‘“ (H). Sie verließ am 16, März gegen Mittag den Hafen, dampfte
gegen den Orkan an und befand sich am folgenden Mittag 70 Sm NO von Apia,
Die Kurven C und O sind nicht gleich, aber sehr ähnlich. Ist das erste Paar
Kurven A und T richtig, dann bietet das Barometer nach dem 2. Minimum vom
16. März nichts Bemerkenswerthes. Ist aber das zweite Paar O und C richtig,
so muß man annehmen, dafs aufserhalb des eigentlichen Orkangebietes, d. h. des
ringförmigen höheren Luftdruckgürtels, wieder ein Gebiet mit niedrigerem Druck
folgte, ein Theil der ursprünglichen ausgedehnten Depression des 14. März,
innerhalb deren sich der Orkan am 15. März bildete.
Denkt man sich dies ganze System nach Süden vorrückend, so mufste die
„Calliope“ mit NO-Kurs dasselbe am 17. März Vormittags, als der Sturm schon
nachgelassen, in kurzer Zeit durchfahren, während dieselben Phasen über die
„Olga“ in Apia viel später und viel langsamer hinwegzogen. Die Kurven C und
O entsprechen ganz diesem Bilde, streckt man C in der Abscissenrichtung, so
erhält man fast genau O0. Das ganze System bewegte sich mit einer Geschwin-
digkeit von 2 Sm p. h. und erfuhr eine allmähliche Druckzunahme.
Die ganz auffällige Form’) von O und C bei innerer Uebereinstimmung
berechtigt zu der Annahme, dafs sie richtig sind,
Das vermuthlich bandförmige Gebiet niederen Luftdrucks hatte eine Ge-
sammtbreite von etwa 80 Sm; bei einer Tiefe von 743 mm eine Breite von 36 Sm.
Dafßs die Gradienten desselben nur eine Schwächung der Windstärke in Apia,
keine Umkehr der Windrichtung verursachten, ist dadurch erklärlich, dafs einmal
eingeleitete kräftige Luftströmungen von lokalen Gradienten weder unmittelbar,
noch auch in hohem Grade beeinflufst werden. Ein Beispiel möge dies erläutern.
Als am 8. März das Centrum an der „Niutobutabu‘“ und „Hagarstown‘
vorbeigegangen war, nach SzO, blieb der Wind an Bord beider Schiffe trotz-
dem Nord; ja selbst am 17. März bei einer nach SO gerichteten Bahn beob-
achtete das letztgenannte Schiff ebenfalls Nordwind, nordwestlich vom Centrum,
während man nach den lokalen Gradienten wenigstens NW erwarten sollte.
Die Entstehung von zwei Orkanen kurz hinter einander bei den Samoa-
Inseln läßt vermuthen, dafs dieselben überhaupt der Orkanbildung günstig liegen,
sei es nun die einsame Lage einer gröfseren Landmasse inmitten des tropischen
Oceans, die hier besonders kräftige aufsteigende Luftströmungen verursacht, oder
sei es die Anordnung der Inselgruppe in der Richtung der vorherrschenden
Winde, welche einmal eingeleitete Wirbelbewegungen begünstigt. Während des
Orkans vom 4. bis 6. April 1850, der Upolu vollständig verwüstete — Apia lag
in der Nähe des Scheitels — trat die Windstille ebenfalls um die wärmste
Tageszeit ein, das barometrische Minimum erst 15 Stunden später, ähnlich wie
am 7. März 1889. Es unterliegt also wohl keinem Zweifel, dafs die Tageszeit
hier bisweilen einen Einfluß auf die Bewegung der Orkane ausübt. Derselbe
mufßs um so mehr zurücktreten, je selbständiger und beweglicher der Orkan ge-
worden ist. Umgekehrt kann ein derartiger Einfluls, wenn er deutlich hervor-
tritt, überhaupt eine erratische Bewegung des Centrums in den Tropen, als Be-
weis dafür gelten, dafs der Orkan, erst eben aus dem Entwicklungsstadium heraus-
getreten, sich noch nahe bei der Stätte seines Ursprungs befindet.)
Die Breitenzone, innerhalb deren man gewöhnlich die Entstehung der
Orkane verlegt, etwa 9—11° S-Br, muß also bei den Samoa-Inseln auf 14° aus-
gedehnt werden.
Von den drei Orkanen der Tafel fallen zwei in den Monat März. Die
Orkanzeit überhaupt dauert von November bis April, der Hauptmonat ist aber
der März.
Die drei Bahnen liegen südlich von 15° S-Br zwischen Süd und Ost. Dies
scheint hier die Regel zu sein. Südlich von 15° S-Br und östlich von 173° W-Lg
1) Ueber eine andere merkwürdige Barometerkurve vgl. Annalen 1881, Seite 407.
2) Ein so scharfes Umbiegen, wie es Hayden für den Parabelscheitel annimmt, „recurving
and almost doubling on its track“, halte ich bei ausgebildetem äquatorialen Ast für ganz aus-
geschlossen. Zwischen den erratischen Bewegungen des eben gebildeten Orkans und dem unver-
gleichlich Yiel regelmäfsigeren Fortschreiten des Orkans in der Bahn, auch im Scheitel, ist wohl zu
unterscheiden.