272 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1892:
Ost drehend. 2°30p sprang der Wind auf Nord und nahm gleichmäfsig aß
Stärke zu, 3p Nord 3; 4p Nord 6; 6p NE 8; 12p NE 9. — 16. März. 2a
NNE 9, 4a Nord 9. Nach 4a wehte es dann ununterbrochen mit Stärke 11,
11—12 oder 12 aus Nord bis zum 17. März 4a; 6a NW 10, allmählich ab-
nehmend.
Am Lande wurde am 15. März von 1la bis 0*15p Windstille, um 2p
leichter Zug aus NW, Nord, SW, um 3 p auffrischender Wind notirt.
Hohe Dünung aus NNE wurde an Bord zum ersten Male am 15. März
4 p eingetragen. In dem Bericht des Admirals Kimberley (H) heifst es, dafs
keine besonders schwere See gestanden habe bis kurz vor Mitternacht am 15. März.
Das wiederholte Umspringen des Windes am 14. März von SW auf SE
und zurück bei stetig fallendem Barometer sind Anzeichen eines sich im Norden
von Apia bildenden Gebietes niedrigen Druckes. Die Luft strömt demselben
zum Theil geradlinig zu, ein eigentlicher tieferer Kern hat sich aber innerhalb
desselben noch nicht entwickelt, daher die Schwankungen der Windrichtung. Die
Bildung des Kernes, des Centrums des Orkans, geht erst am 15. März vor sich.
Bei stetig weiter fallendem Barometer und Südwind ist die Lage des Centrums
etwa Nord oder NNE von Apia, denn auch jetzt strömt die Luft dem Centrum
noch fast geradlinig zu. Der beste Beweis dafür, dafs sich das Orkancentrum
erst am 15. März gebildet hat, liegt in dem charakteristischen, ganz entgegen-
gesetzten Verhalten des Windes; am 14. März unstätes Umherflattern zwischen
SE und SW, am 15. März Vormittags entschiedenes Festhalten einer einzigen
Richtung, Süd.
Die weiteren Bewegungen des Centrums sind dann folgende. Um die
heifseste Zeit des Tages, 2—3 p, bewegt sich das Centrum vom Meere dem
Lande zu und liegt über Apia, später westlich davon. Mit Einbruch der Nacht
wandert es wieder vom Lande auf das Meer zurück und füllt etwa den Winkel
zwischen Savaii und Upolu aus. Am 16. März wandert das Centrum wieder
langsam nach Süden und erreicht den westlichen Theil von Upolu zum zweiten
Male zur heißesten Tageszeit, zwischen 2 und 4p, überschreitet aber diesmal
die Insel nach Süden hin, um sich allmählich zu entfernen.
Diese Auffassung erklärt in ungezwungener Weise alle Beobachtungen,
besonders auch die von den gewöhnlichen abweichenden, sie erklärt auch das
Fehlen anderer Beobachtungen, z. B. über Cirrus und Seegang vor dem 15. März,
Jie sonst nicht zu fehlen pflegen, endlich entspricht sie in jeder Beziehung dem
Bilde, das man sich über die Entstehung dieser Art von Orkanen entworfen hat.
Ein endgültiger Beweis läßt sich bei spärlichem Material in einem solchen Falle
schwer führen, aber die Beobachtungen des Schoners „Uvea“, Kapt. A. Saffings,
deren Mittheilung wir den Herren Kaufmann J. F. Hermann Schultz und
Kapt. C. H. Seemann in Hamburg verdanken, machen diese Krklärung wahr-
scheinlicher als irgend eine andere,
Der Schoner „Uvea“ verliefs am 14. März 10a mit kräftigem SW-Winde
und 753,1 mm Barometerstand‘) den Hafen von Apia, um nach Futuna und Wallis
(siehe Tafel No. 1) zu segeln. Um 12 Uhr fing der Wind an steif zu werden,
mit einzelnen heftigen Böen und fallendem Barometer, 748 mın, so dafs dicht
yerefft wurde. Um 3p bei stürmischem West wurde beigedreht, um G6p die
Klaue des Schonersegels gelascht. Am 15. März nahm der Wind stetig zu, die
See lief hoch und wild. Um 4p war das Barometer 745,2 mm, der Wind nord-
westlich laufend, Schonersegel fest, vor Topp und Takel. Das St-B.-Boot mit
100 Fad. Leine diente als Seeanker, wurde aber um 11p zertrümmert. Am
L6. März wehte heftiger Sturm, allmählich nach Nord gehend, mit orkanartigen
Böen und schwerem Regen. 4*30a Barometer 741,2 mm; kappten die Masten,
um das Kentern zu verhüten. Orkanartiger Sturm. Um 4p fing das Barometer
an zu steigen, 742,2 mm, jedoch blieben Wind und Seegang wie zuvor. Ge-
brauchten mit Erfolg Oel, um die See zu dämpfen.
Am 17. März trieben in östlicher Richtung, total wrack, Barometer
745,7 mm, Wind nordnordwestlich, etwas abnehmend. Im Laufe des Tages liefsen
1) Das Barometer der „Uvea“, höchstwahrscheinlich ein Aneroid, weicht von den Werthen
A, O0 und T um 10a nur um Bruchtheile eines Millimeters ab.